Kamasi Washington „The Epic“

The Epic ist sein Debüt-Album und gleich eine musikalische, 172 Minuten dauernde gewaltige Jazz-Klanglawine, urgewaltig, was da auf unsere Ohren trifft, ausgelöst von Kamasi Washington mit seinem Tenor-Saxofon und seiner Band „The Next Step“. Die 10 Bandmitglieder meistern diese musikalische magische Geschichte nicht alleine, sondern werden von einem 20-Personen-Chor, plus 32-köpfigem Orchester unterstützt. Schon eine ungewöhnliche Kombination. Dazu die gewaltige Instrumentierung mit zwei Schlagzeugen, zwei Bässen, Klavier und Keyboards, Trompete, Saxofon sowie drei Hörnern, gespielt von allesamt begeisterten und tollen Künstlern. Damit kann solch eine enorme musikalische Epik gelingen, eine Triologie, die den Ablauf des Lebenszyklus eines Meisters und die Ablösung durch die nachfolgende Generation musikalisch interpretiert.

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Foto: ©Mike Park

Auch wenn es sein Debütalbum ist, so ist Kamasi Washington keineswegs ein unerfahrener Neuling, was sogleich zu hören ist. Ganz im Gegenteil, in Los Angeles besitzt er längst einen Namen. Als Saxofonist hat Kamasi Washington bei Veröffentlichungen von Gerald Wilson mitgewirkt und ist mit Harvey Mason zu hören. Außerdem spielte er mit McCoy Tyner, Raphael Saadiq, George Duke zusammen. Gemeinsam mit Thundercat hört man ihn auf dem im Jahr 2014 eingespielten Album You’re Dead! von Flying Lotus. Auf Kendrick Lamars To Pimp a Butterfly steuerte er auch die Streicherarrangements bei.
Ein opulentes Werk ist „The Epic“ geworden, eine Kombination aus Funk, Gospel und Swing, aber auch Big-Band-Elementen. Insbesondere der Chor drückt dem Album eine ungewöhnliche Note auf. Die meisten Stücke sind Eigenkompositionen, daneben interpretiert Kamasi Washington auch den Jazzstandard Cherokee und ein klassisches Stück, Clair de Lune von Debussy. Beeinflusst wurde Kamasi insbesondere von den Jazz-Klassikern John Coltrane, Charlie Parker und Wayne Shorter.
Diese Jazzer kann Kamasi Washington allerdings nicht gemeint haben, als er in einem Interview sagte, dass er den Jazz vom Image der Musik für konservative ältere Leute befreien wolle. Aber eigentlich ist der gegenwärtige Jazz ohnehin weit davon entfernt, verstaubt zu sein. Kamasi Washington ist es jedenfalls mit The Epic hervorragend gelungen, ihn gründlich zu entstauben.Sein Jazz kommt wahrlich entfesselt, flimmernd und feurig, aber immer kontrolliert daher.

[su_youtube url=“https://youtu.be/U8NFS8WXfCI“]

Kamasi Washington „The Epic“

TRACKLIST
The Epic Vol.1: The Plan
1. Change of The Guard
2. Askim
3. Isabelle
4. Final Thought
5. The Next Step
6. The Rhythm Changes
The Epic Vol.2: The
Glorious Tale
1. Miss Understanding
2. Leroy and Lanisha
3. Re Run
4. Seven Prayers
5. Henrietta Our Hero
6. The Magnificent 7
The Epic Vol.3: The
Historic Repetition
1. Re Run Home
2. Cherokee
3. Clair De Lune
4. Malcolm’s Theme
5. The Message
FORMATS
3CD / Download
Label: Brainfeeder

VÖ: 5.5.2015

Fotos: Mike Park

Standardbild
Ingrid
Kunst und Kultur, Musik und Bücher, ohne sie ist ein Leben denkbar, aber für mich sinnlos. Darum habe ich diesen Blog ins Leben gerufen. Es macht viel Spaß, ihn zu gestalten - ich hoffe, den Usern, ihn zu lesen. Nicht alles, was gedruckt wird, muss gelesen, nicht jedes Album gehört werden. Was die User hier finden, gefällt mir und den Gastautoren, die ab und zu Lust haben, etwas zu schreiben.
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