Joshua Hyslop: In Deepest Blue

So oft kommt es nicht vor, dass kanadische Singer/Songwriter hierzulande zu Ehren kommen. Leonard Cohen, Joni Mitchell, Gordon Lightfoot und Bruce Cockburn sind Beispiele, die einem vielleicht auf Anhieb einfallen. Zu ihnen gesellt sich möglichweise demnächst Joshua Hyslop. 2012 brachte er sein Debütalbum „Where the Mountain Meets the Valley“ heraus. Jetzt folgt „In Deepest Blue“, auf dem der Musiker eine vor Jahren erlebte Nahtoderfahrung verarbeitet und mit dem er demnächst auch in Deutschland auf Tour ist.  Der Titel ist laut Hyslop eine Metapher für die Ruhe und Hoffnung, die in uns allen ruht und uns in Zeiten der Krise weiterträgt. Klar, Hyslop ist ein christlicher Künstler, dessen Werk zutiefst von einem unerschütterlichen Gottvertrauen geprägt ist.

Musikalisch setzt „In Deepest Blue“ die bewährten sanften Indie-Folk-Klänge fort, die schon sein Vorgängeralbum auszeichneten. Ein schönes Beispiel hierfür ist der an biblischen Bildern und Referenzen nicht sparsame Song „The Flood“, der mit meisterhaft gezupften unaffektierten Akustikgitarren und zarten Mandolinen-Melodien eröffnet, bevor Hyslop mit leiser gehauchter Stimme über den Schmerz singt, den Liebe und Verlust bereiten. Auch der zweite Song, „Falling“, folgt diesem probaten klanglichen Rezept, packt jedoch noch eine eindringliche Pedal-Steel-Gitarre drauf. Schon diese beiden Songs machen deutlich, dass Hyslop nicht nur ein begabter Texter, sondern ohne Zweifel auch ein technisch sehr versierter Sänger ist, dessen sanfte melancholische Stimme den tiefgründigen Songs eine eigentümliche Aura übernatürlicher Intimität verleiht, die – wollte man nach Parallelen suchen – am ehesten wehmütige Erinnerungen an den 1974 tragisch verstorbenen Nick Drake weckt.

Zudem nutzt Hyslop eine Vielzahl an verschiedenen Instrumenten, einschließlich Banjo und Orgel, und mischt diese zu einem wohlklingenden folkigen Sound. Auf Tracks wie „Living and Dying“ und „Instrumental“ brilliert der Kanadier dabei mit wunderbarem Finger Picking, das mit Sicherheit insbesondere den Folkfans gefallen dürfte.

„In Deepest Blue“ ist ein schönes und ausgesprochen sorgfältig produziertes, facettenreiches Album, das auf Anhieb ins Ohr geht und man immer wieder auflegen möchte.

https://www.facebook.com/joshuahyslop/

Standardbild
Hans Kaltwasser
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