Am Anfang stand die Lüge, die Adam und Eva verführte (Das Buch Genesis, Kapitel 3). Die Gier nach Erkenntnis und Gottähnlichkeit war eine Verlockung, die niemals größer oder bedeutender war. Ein scharfes Instrument ist heute ein anderes als in der biblischen Erzählung, nämlich die Gier nach Profit. „Lüge war immer, aber so viel Lüge war nie“, schreibt der Autor Josef Krieg in seinem Buch „Vom Wert der Lüge. Wie die Wahrheit wieder gewinnt“.
Die absichtlich eingeplante Desinformation unterscheidet sich von der Lüge, die im zwischenmenschlichen Bereich häufig als Notlüge bezeichnet wird. Denn diese Lüge ist nicht zufällig, sondern systemisch, „sie ist Ergebnis einer neuen politischen Ideologie“. Die Lüge ist ein wichtiger politischer und wirtschaftlicher Faktor geworden. Sie hat einen Wert, der aus einer „Kombination aus großem Reichtum und weltweiter digitaler Kommunikation“ besteht. Information ist zur Waffe und zu einem Geschäftsmodell geworden.
Der Autor rollt diese Entwicklung systematisch auf und nennt alle Bereiche, in denen die Lüge einen Platz hat und in sie hineinwirkt. Der Boden, auf dem sie wachsen konnte, und die Bedingungen, die sie so schwer durchschaubar machen. Die Entwicklung der sozialen Medien, die den Weg zu Deepfakes, Desinformationen und Verleumdungen freigemacht hat.
Von der Aufklärung über den Liberalismus zum Kapitalismus und zu der Erzählung, hier stünde der autonome Unternehmer einem aufgeklärten Verbraucher gegenüber. Doch der wird im Laufe der Zeit über die Ware und ihren wahren Wert getäuscht. „Der informierte Bürger bleibt Projektionsfläche“, so der Autor, und der heiß umkämpfte Markt schreit nach Übertreibung und Manipulation. Algorithmen formen einen Plattformkapitalismus und durchdringen nahezu jeden Bereich des modernen Lebens. Die Aufmerksamkeit der User*innen zu generieren, gilt es mit allen Mitteln zu gewinnen. Reichweite ist für die Werbeeinnahmen, deren Verführungskünste ein nie gekanntes Ausmaß erreicht haben, von unermeßlichem Wert.
Die Macht der Worte
Die Sprache ist das Kommunikationsmedium, das den Menschen zum Menschen macht. Wahre Worte stiften Vertrauen, Lüge dagegen entfernt die Menschen voneinander und lässt sie misstrauisch werden. Die analog vermittelte Kommunikation ist verlässlicher, da wir erkennen können, ob das, was gesagt wird, mit der Bedeutungsebene übereinstimmt. Ist das so, gewinnt die gesagte Äußerung aus dem Mund eines Menschen für den anderen einen hohen Wahrheitsgehalt. Digitale Kommunikation entzieht sich dieser Kontrolle, wird über KI noch wirkmächtiger und ist noch stärker begrenzt.
Gibt es Auswege aus diesem Dilemma?
Können Politik und Medien das Vertrauen der Menschen wiedergewinnen? Welche Maßnahmen sind zu ergreifen, und welche Möglichkeiten stehen grundsätzlich zur Verfügung? Der Autor sieht Potenziale in der Etablierung neuer digitaler Räume, die von Bürgerinnen und Bürgern mitgestaltet werden. Die Kirche könnte hierbei eine Rolle spielen, und insbesondere die Politik, die durch geeignete Regelungen, Vernetzungen und Gemeinschaften einen sicheren Raum für die Wahrheit schaffen kann, frei von Täuschungen und Lüge.
Josef Kriegs Buch „Vom Wert der Lüge. Wie die Wahrheit wieder gewinnt“ taucht tief, intensiv und umfassend in ein Thema, das heute mehr denn je zählt. Genau das verleiht ihm seinen besonderen Wert für all jene, die im digitalen Dschungel nach Wahrheit und verlässlichen Fakten suchen. Unbedingt empfehlenswert.
Vom Wert der Lüge. Wie die Wahrheit wieder gewinnt
Autor: Josef Krieg
Erscheinungsdatum: 18. September 2025
ISBN 978-3-532-62910-9 | Verlag: Claudius







