John Lennon – Enfant terrible, Rockstar und begnadeter Musiker…

Enfant terrible, Rockstar und begnadeter Musiker, Provokateur, Autor, politischer Aktivist für den Frieden und Feminismus, liebevoller Vater. John Lennon hatte viele Gesichter. Am heutigen Freitag wäre er 80 Jahre geworden, wenn ein Verwirrter ihn nicht ermordet hätte.

Keiner der Fab Four hat sein Äußeres so oft und radikal verändert wie Lennon: tougher Teddy Boy mit Elvis-Tolle in seiner Zeit in den Clubs auf der Hamburger Reeperbahn und im Cavern in Liverpool; Pilzkopf in der Anfangs- und Blütezeit der Beatles, später langhaarig mit Vollbart und kleiner, runder Brille; mit militärischen Kurzhaarschnitt und Dreitagebart nach der Trennung der Beatles.

Von allen vier Beatles galt er als der Intellektuelle, wortgewandt, witzig, sarkastisch und poetisch. „Ist er womöglich tiefsinnig?“, fragt sich sein späterer Bandkollege McCartney, als er ihm das erste Mal begegnet. Das lag nicht unbedingt an der Brille, die Lennon damals trug und die ihm eine gewisse Ähnlichkeit mit dem von ihm verehrten US-Musiker Buddy Holly eintrug.

Schon damals liebte Lennon die Sprache, die für ihn ein wichtiges Instrument der Selbstdarstellung und Waffe zugleich war, mit der er andere auf Distanz hielt. Auf dem Schulhof zum Beispiel, wenn er in einer Prügelei zu unterliegen drohte, seinen körperlich überlegenen Gegner aber verbal fertig machen konnte. Früh schrieb er Gedichte und kleine Geschichten. Texte mit merkwürdig verschwurbelten Sätzen, in denen die Vertauschung der Konsonanten mancher Wörter für absurde Sprachschöpfungen und Tiefensinn sorgte. Und dafür, dass er die Lacher stets auf seiner Seite hatte und die ihm nicht Wohlgesinnten seinen Spott fürchten mussten. Diese „Lennonism“ wurden zu einer Art Markenzeichen des jungen Lennon, von dem Manches in seinen späteren Songs nachhallt.

John Lennon – IN HIS OWN WRITE 

Seine Ankunft auf dieser Welt beschreibt Lennon in seinem ersten Büchlein IN HIS OWN WRITE in schwer übersetzbaren Sätzen voller absurder Sprachverdrehungen so: „I was bored on the 9th of Octover 1940 when, I believe, the Nasties were still booming us led by Madalf Heatlump.“ 

Man muss solche Sätze laut lesen oder besser noch Lennon hören, seine tiefe, warme mit einem kräftigen nordenglischen Dialekt gesprochene Stimme, um manchen der komischen Wendungen einen Sinn abringen zu können. 

Anstelle „Nazis“ – phonetisch /na:tsiez/ schreibt er Nasties /na:stiez/  und macht die Nazis zu dem, was sie sind: ein böser, widerlicher, übler Haufen.

Auch in seinen besten Songs spielt die Sprache eine wichtige Rolle, übermittelt Botschaften, die den Nerv der Zeit treffen:  „Power to the People“, „Revolution“, „Give Peace a Chance“, „Woman is the Nigger of the World“  und das überirdische, für die Ewigkeit geschaffene „Imagine“.

Lennon-Zitate, die seinen Witz, Sarkasmus und seine Weitsicht bezeugen, gibt es viele. Manche werden ihm fälschlicherweise zugeschrieben wie jene böse Äußerung, in der er Ringos höchst songdienliches Schlagzeugspiel infrage stellt.  „Nein, Ringo ist nicht der beste Schlagzeuger der Welt“, soll Lennon über seinen ehemaligen Bandkollegen gesagt haben. „Er ist nicht einmal der beste Drummer, den die Beatles hatten.“

Die folgende kleine Auswahl von Zitaten, mit denen wir an John Lennons 80. Geburtstag erinnern wollen, ist hingegen authentisch.

  •   „Wenn es so etwas wie ein Genie gibt – ich bin eins. Und wenn nicht, ist mir das auch egal.“
  • „Wie immer steht hinter jedem Idioten eine große Frau.“
  • „Was wir tun müssen, ist die Hoffnung am Leben zu erhalten. Denn ohne sie werden wir untergehen.“
  • „Leben ist das, was passiert, während man damit beschäftigt ist, andere Pläne zu schmieden.“
  • „Die Realität lässt der Phantasie viel Spielraum.“
  • „Ein Traum, den man allein träumt, ist nur ein Traum. Ein Traum, den man gemeinsam träumt, ist Wirklichkeit.“
  • „Ich kann dich nicht aufwecken. Nur du kannst dich aufwecken. Ich kann dich nicht heilen. Nur du kannst dich heilen.“
  • „Unsere Gesellschaft wird von Wahnsinnigen (…) geleitet. Ich glaube, wir werden von Wahnsinnigen für wahnsinnige Ziele geführt, und ich glaube, ich werde als wahnsinnig abgestempelt, wenn ich das zum Ausdruck bringe. Das ist das Irrsinnige daran.“
  • „Wenn jemand denkt, dass Liebe und Frieden ein Klischee sind, das die sechziger Jahre wohl zurückgelassen haben, dann ist das sein Problem. Liebe und Frieden sind ewig.“
  • „Du brauchst niemanden, der dir sagt, wer du bist oder was du bist. Du bist was du bist.“
  • „Gestalte deinen Traum selbst. Wenn du Peru retten willst, rette Peru. Alles ist möglich, aber nicht, wenn man es den Führern überlässt oder auf die lange Bank schiebt. Erwarte nicht, dass Carter oder Reagan oder John Lennon oder Yoko Ono oder Bob Dylan oder Jesus Christus kommen und es für dich richten. Das musst es schon selbst tun.“

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