Jazz-Legende Wayne Shorter ist tot

Die Jazzwelt trauert um Wayne Shorter. Der 12-fache Grammy Preisträger und Komponist, der mehr als ein halbes Jahrhundert lang den zeitgenössischen Jazz mit dem unverwechselbaren Klang seines Saxofons bereicherte, starb am 2. März 2023 in Los Angeles. Shorter wurde 89 Jahre alt.

Seine einflussreiche Karriere erstreckte sich über Jahrzehnte. Vom Hard Bop der späten 1950er-Jahre über den genreübergreifenden Small-Group-Jazz der 1960er-Jahre bis hin zu den Anfängen des vom Rock beeinflussten Jazz der 1970er-Jahre, stets rief Shorters klangvolles Sopran- und Tenorsaxofon nach Veränderung und Innovation. 

Geboren wurde der Musiker am 25. August 1933 in Newark im US-Bundesstaat New Jersey. Sowohl auf als auch abseits der Bühne war er als ein tiefgründiger Denker bekannt, der schon in seiner Kindheit eine unbändige Neugier entwickelt hatte. Nachdem er Mitte der 1950er-Jahre an der New York University Musik studiert hatte, schloss er sich einer Band an, die ihn als Komponisten und Saxofonisten in der Jazzwelt rasch bekannt machte: Art Blakeys Jazz Messengers.  

Mitte der 1960er-Jahre stieß er zum Miles Davis Quintet, dem neben Davis der Bassist Ron Carter, der Schlagzeuger Tony Williams und der Pianist Herbie Hancock angehörte. Während seiner Zeit mit Davis nahm Shorter auch eine Reihe hoch angesehener Soloalben auf. Seine Zusammenarbeit mit dem kultigen Label Blue Note Records in den Jahren 1964 bis 1970 führte zu einer Reihe von klassischen Aufnahmen wie „Juju“, „Speak No Evil“ und „The Soothsayer“, die noch heute zu den erlesensten Jazz-Preziosen zählen. Viele seiner Alben enthielten Kompositionen, die heute als Jazz-Standards gelten.

Auch nach der Auflösung des zweiten Quintetts blieb er bei Davis, als der charismatische Trompeter mit elektrischen Instrumenten experimentierte. Gemeinsam mit einem anderen Davis-Kollegen, dem Keyboarder Joe Zawinul, gründete er die Band Weather Report, die in den 1970er Jahren eine der bekanntesten Jazz-Rock-Formationen war. Das Album 8:30 der Band aus dem Jahre 1979 brachte ihm den ersten von einem Dutzend Grammy Awards ein. Im Jahre 2015 wurde er von der Recording Academy mit dem Grammy für sein Lebenswerk ausgezeichnet.   

Der letzte Teil von Shorters Leben war von seiner Hingabe an den Nichiren-Buddhismus geprägt, eine japanische Variante der Volksreligion. Diese spirituellen Lehren beeinflussten auch die musikalischen Ideen und Konzepte, die er zu Beginn des neuen Jahrtausends auf den Jazz anwandte, als er das Wayne Shorter Quartet mit einer handverlesenen Gruppe von jüngeren Musikern gründete. Vor allem sein letztes und von der Kritik stürmisch gefeierte Album EMANON aus dem Jahre 2018 zeigt die Gemeinsamkeiten zwischen dem Spirituellen und dem Musikalischen.

Standardbild
Hans Kaltwasser
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