Jazzfestival Münster – ein Fest der Klangkontraste

Der Jahresbeginn gehört endlich wieder dem Jazz: Nach zwei Jahren coronabedingter Pause meldet sich das Internationale Jazzfestival Münster mit aufregenden Klängen zurück. Aktueller Jazz und spannende Entdeckungen aus Europa stehen vom 6. bis 8. Januar 2023 im Mittelpunkt des Theaters Münster. Das Publikum darf sich auf drei Tage mit außergewöhnlichen jungen Talenten und Pionieren der Zunft freuen.

Das vom städtischen Kulturamt veranstaltete Festival lädt zu 17 Konzerten mit etwa 80 Musikerinnen und Musikern aus 16 Ländern ein, darunter allein sechs Deutschland-Premieren und eine Uraufführung. Hochexpressives wechselt sich mit Melodiösem ab, elektroakustische Klangteppiche folgen druckvollem Sound: Die Handschrift des künstlerischen Leiters Fritz Schmücker bleibt auch bei der aktuellen Festivalausgabe unverkennbar: „Mein Grundmotiv der Dramaturgie sind kontrastierende Konzerte, die immer wieder neue, überraschende Höreindrücke schaffen. Die wichtigsten Zutaten dabei: Vielfalt, Kreativität und Individualität.“

Mit Han Bennink ist einer der Pioniere der niederländischen improvisierten Musik zu Gast. Ein Anarchist am Schlagzeug, der in diesem Jahr seinen 80. Geburtstag feierte. Gemeinsam mit der japanischen Ausnahmepianistin Aki Takase, die im vergangenen Jahr den Deutschen Jazz Preis erhielt, und mit dem großen französischen Saxofonisten Louis Sclavis, der bereits in unterschiedlichen Formationen in Münster begeisterte, kommen sie hier als Hal Trio zu einer Uraufführung zusammen.

Herausragend ist auch das Trio mit dem britischen Saxofonisten John Surman, dem rumänischen Pianisten Lucian Ban und dem amerikanischen Bratschisten Mat Manieri – drei große Improvisatoren, die schon zum letzten, ausgefallenen Festival eingeladen waren. Inspiriert von der rumänischen Volksmusiksammlung des Komponisten Béla Bártok entführen sie mit ihren „Transylvanian Folk Songs“ ins mystische Siebenbürgen. Ebenfalls wieder eingeladen sind die niederländische Posaunistin Nabou Claerhout mit ihrer Band und die Französin Camille Bertault, die ihre Stimme in ein Jazzinstrument verwandeln kann, „beflügelt“ von David Helbock am Piano.

Der amerikanische Pianist Ethan Iverson kommt im Trio mit dem Bassisten Andreas Lang und der Schlagzeugerin Eva Klesse, die im Jahr 2017 beim Jazzfestival mit dem Westfalen Jazz Preis ausgezeichnet worden ist. Hochenergetisch verspricht der Abschluss am Samstag zu werden: Der norwegische Drummer Paal Nilssen-Love lädt zum „Circus“, einer wilden, hochrhythmischen Party.

Rising Stars am Jazz-Himmel

Zu den Entdeckungen gehört in diesem Jahr Ariel Bart, die 24-jährige Mundharmonikaspielerin aus Israel, die mit ihrem Trio am Freitag im Großen Haus zu hören ist. Aus der gleichen Jazzgeneration kommen zwei Newcomer aus Schottland: Matt Carmichael am Saxophon ist 23 Jahre jung und Fergus McCreadie am Piano ist 25 – zwei Musiker, die mit Fantasie und Improvisationsfreude mit traditionellen Melodien aus ihrer Heimat spielen. Und die junge Französin Louise Jallu am Bandoneon lässt auf ihre besondere Weise mit ihrem Quintett Piazzollas Tango Nuevo ins Große Haus einziehen. Allesamt Rising Stars am Jazzhimmel.

Genau dieses Prädikat hat Laura Jurd nach ihrem ersten Auftritt beim Jazzfestival in Münster im Jahr 2015 auch bekommen: Deutschland lernte sie mit diesem Quartett-Konzert zum ersten Mal kennen. Diesmal zeigt sich die Trompeterin allerdings von einer anderen Seite: Sie spielt Kornett und Piano als Teil eines Sextetts. Ein musikalisch farbenfroher Festivalauftakt am Freitagabend – und eine Deutschlandpremiere. Jurd ist zudem noch im Kleinen Haus zu hören – im Duo mit dem englischen Piano-Virtuosen Elliot Galvin.

Wie eine Klammer umschließt der weiche Klang des Kornetts das Festival, denn auch das Abschlusskonzert gehört diesem Ur-Instrument des Jazz. Der junge Louis Armstrong spielte es auf den Mississippi-Ausflugsdampfern, der Schwede Tobias Wiklund entdeckte es für sich durch Zufall vor einigen Jahren bei einem Gig – und es wurde eine große Liebe.

Auch wieder vergeben wird der Westfalen-Jazz-Preis, der jungem westfälischen Jazz eine Plattform bietet: Das Preisträgerkonzert ist am Sonntag im Großen Haus zu hören.

Nachtsessions und Familienkonzert

Wer von den Konzerten im Großen und Kleinen Haus noch nicht satt genug ist, bekommt auch abseits der großen Bühnen Gelegenheit zum Musikschmaus: Im Theatertreff lassen die Musikerinnen und Musiker traditionell die Nächte mit spontanen Jam-Sessions ausklingen.

Beliebt ist auch die Familien-Matinee am Sonntag. Kinder ab fünf Jahren sind zu einem Jazzmärchen nach dem Bilderbuch „Herman und Rosie“ eingeladen. Mit einer fünfköpfigen Jazzband unter der Leitung von Matthias Klause-Gauster entsteht ein musikalisches Puppenspiel, verwoben mit Wort und Bild.

Das Jazzfestival findet vom 6. bis 8. Januar 2023 in Münster statt.

Info: Der Vorverkauf hat am Dienstag, 15. November begonnen. Ausschließlich online unter www.theater-muenster.com. Programm-Infos zum Festival: www.jazzfestival-muenster.de

Foto: Paal Nilssen-Love macht mit seiner Band das Theater Münster beim Internationalen Jazzfestival Münster zum „Circus“. Foto: Petra Cvelbar.

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Ingrid
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