Instrument des Jahres: Das Schlagzeug

Alljährig wird seit 2008 auf Initiative des Landesmusikrates Schleswig-Holstein ein Instrument des Jahres gekürt, um mit einer Vielzahl von Veranstaltungen die Aufmerksamkeit für das jeweils erwählte Musikgerät zu wecken und die Freude an der Musik im Allgemeinen zu fördern. Im vergangenen Jahr war dies die Orgel. 2022 ist das Schlagzeug an der Reihe. In der Klassik spielt es eher eine untergeordnete Rolle, doch im Jazz und in der Pop- und Rockmusik ist es unverzichtbar.

Uraltes Kulturgerät 

Getrommelt wurde seit Menschengedenken. Hier sind afrikanische Trommeln abgebildet.

Archäologen und Kulturwissenschaftler sind überzeugt: Getrommelt wurde seit Menschengedenken und zu den unterschiedlichsten Zwecken. In der Geschichte der Zivilisation wurden traditionelle Trommeln mit einer Vielzahl von Formen und unterschiedlichen Stimmungen verwendet. Die Palette reicht von der irischen Bodhrán, der Darbuka aus Nordafrika, der Djembé  aus Westafrika über die indischen Tablas bis hin zu den karibischen Steel Drums. Das Trommeln diente dabei den unterschiedlichsten Zwecken: dem Beschwören der Geister, dem Anrufen der Götter, der Kommunikation oder als Heiltherapie. Auf den Ruderschiffen der Antike wurden Trommeln als  Taktgeber verwendet.

Beim Militär unterstützten sie das Marschieren der Soldaten im Gleichschritt. Kriege, Handel und Sklaverei sorgten im Übrigen dafür, dass die verschiedenen Schlaginstrumente in aller Welt verbreitet wurden. Die Kreuzritter brachten aus dem Nahen Osten die „Tabor“ mit, den Prototypen der heutigen Snare drum. Sie heißt so, weil über ihren Boden „Schnarrsaiten“ gespannt sind, die aus gewundenen Metalldrähten, Darmsaiten oder Metallseilen bestehen. Becken und große Pauken fanden nach den Osmanenkriegen ihren Weg nach Europa. Afrikanische Handtrommeln gelangten im 17. Jahrhundert durch den Sklavenhandel nach Amerika.

Doch wenngleich all diese  Perkussionsinstrumente auf eine Jahrtausende lange und bis an die Anfänge der Kulturgeschichte des Menschen reichende Tradition zurückblicken, ihre Zusammenstellung zum integrierten Schlagzeug oder Drumset, so wie wir es heute kennen, ist erst etwa 110 Jahre alt.

Ursprung in den USA

Streng genommen ist das Schlagzeug nicht ein einziges Instrument, sondern ein Ensemble aus mehreren Trommeln unterschiedlicher Formen und Größe: Im Zentrum befindet sich die auf der Seite liegende Basstrommel, davor die Snare, Toms, Becken und Hi-hat komplettieren den klassischen Aufbau. In den Marching Bands und Orchestern, die nach Abschaffung der Sklaverei überall im Süden der USA entstanden, wurden diese Instrumente ursprünglich von mehreren Personen gespielt. Einer spielte die große, um den Hals gehängte Basstrommel, ein anderer die Snare Drum, weitere Personen bedienten die Becken. Doch für die Bands erwies sich die Beschäftigung mehrerer Trommler schon bald als unwirtschaftlich. Oder ein Engagement scheiterte daran, weil die Bühne des Lokals zu klein war. Deshalb experimentierte man viel, suchte nach Wegen, um Trommler im Orchester einzusparen und die verschiedenen Schlaginstrumente von einer einzigen Person spielen zu lassen. Ermöglicht wurde dies durch bestimmte technische Entwicklungen wie die Fußmaschine, mit der die Basstrommel bedient wurde, und Ständer für die Hi-Hat-Maschine, Snare Drum und die Montage der Becken.

Auch in Deutschland immer populärer

Schlagzeug spielen ist sehr schwierig und komplex. Man hat nicht mehr als vier Gliedmaße, aber mehrere Trommeln, Becken und Perkussionsinstrumente, die alle gleichzeitig bedient werden sollen. Dennoch ist das Schlagzeug in den letzten 30 Jahren immer populärer geworden. Allein in Deutschland sind nach Angaben des Verbandes deutscher Musikschulen mehr als 50.000 Schlagzeugschüler/innen registriert, die ihren großen Vorbildern nacheifern und davon träumen, das Instrument einmal technisch so versiert oder kreativ zu beherrschen wie einst Gene Krupa und Buddy Rich im Jazz oder Ginger Baker, Keith Moon und Jon Bonham im Rock.

Standardbild
Hans Kaltwasser
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