Heute, am 25.06.2026, wäre Ingeborg Bachmann 100 Jahre alt geworden. Sie ist vor 53 Jahren gestorben. Doch die Werke der wichtigsten Schriftstellerin der Nachkriegszeit sind weiterhin von immenser Bedeutung und bedrückender Aktualität. Ein Leiden aus der Zeit und in der Zeit, die ihre Gedichte, Erzählungen und Romane mit ihrer kraftvollen, eigensinnigen und radikalen Sprache reflektieren.
Ingeborg Bachmann wurde am 25. Juni 1926 in Klagenfurt geboren. Sie war die Älteste von drei Geschwistern. Der Vater war NSDAP-Mitglied und ging 1939 als Offizier an die Ostfront. Das Naziregime und dessen engmaschiges Netz wollten sich auch über Ingeborg legen, doch sie weigerte sich, machte eine Ausbildung und entkam so dem Arbeitsdienst.
Bachmann verweilte in Klagenfurt, während ihre Mutter mit den Geschwistern bereits auf dem Land wohnte, und befand sich alleine inmitten von Bomben und Tod. Die donnernden, berstenden und zerstörerischen Geräusche und den Geruch des Todes wird sie nie wieder los. Sie äußern sich in der Furcht vor dem Nichts, welche ein unverwechselbares Alleinstellungsmerkmal darstellt, das kontinuierlich Bestand hat.

Der Film „Ingeborg Bachmann – Jemand, der einmal ich war“ der Dokumentarfilmerin REGINA SCHILLING, die bereits den Pianisten Igor Levit und andere Künstler filmisch begleitet hat, beginnt mit einem Blick in den Himmel, Vogelschwärme bieten eine ihnen je eigene Choreografie, die exakt und doch chaotisch erscheint. Sandra Hüller spielt Ingeborg Bachmann, die in den Himmel schaut.
Sie repräsentiert die Literatin, zitiert texttreu und macht Bachmanns Stimme akustisch erfahrbar. Szenen, die Hüller in Rom zeigen, die Bachmann an ihren letzten Tagen in Rom verlebt haben mag. Eingewoben in einen Mix aus Archivmaterial, das sie während eines Treffens der Gruppe 47 zeigt, bei dem auch einige Autorinnen unter den bedrückend vielen Schriftstellern des literarischen Zirkels dabei sind. Nur wenige Autorinnen, etwa Ingeborg Bachmann und Ilse Aichinger, haben es geschafft, in Erinnerung zu bleiben.
Eine Reihe Interviews, Tonbandaufzeichnungen von Arbeitsnotizen und Mitschnitte von Preisverleihungen. Die Auswahl des Materials, oder sehr viel wahrscheinlicher die Zeit drückt trotz vieler Auszeichnungen, die Bachmann erhielt, ein Unverständnis aus: Ingeborg Bachmann wurde gewürdigt, aber wurde sie auch verstanden? Von den Kritikern, Kollegen, Männern wie Max Frisch und Paul Celan, die sie geliebt hat?
Ingeborg Bachmann hinterließ ein umfangreiches Werk, das deutlich von der Epoche, in der sie lebte, beeinflusst ist. Doch in ihrem Werk präsentierte sie Visionen, welche die zukünftigen Entwicklungen betreffen – sie war ihrer Zeit voraus, insbesondere in Bezug auf die Rolle der Frau.
Der Film ehrt Ingeborg Bachmann als eine moderne Persönlichkeit, die trotz ihrer Identitätskrise und ihren Zweifeln eine herausragende Schriftstellerin war und ein lebensfroher Mensch. Sie resignierte nie und sagte über sich: „Ich bin nichts, wenn ich nicht schreibe.“ Ein Dokumentarfilm, der unter die Haut geht.







