InFinite – Deep Purple

Deep Purple und kein Ende. Am 7. April erscheint das mit großer Spannung erwartete 20. Studioalbum der britischen Altrocker, dessen Titel, INFINITE, dem Motto ihrer gleichzeitig anlaufenden Long Good Bye Tour zu widersprechen scheint.

Symbolträchtiges Cover: Polareis als Symbol der Ewigkeit

Das Cover zeigt einen Eisbrecher, wie er die Initialen der Band in einer anmutigen Schleife in die unendlichen Weiten des Eismeers pflügt. Das Polareis, das in der englischen Romantik häufig als Symbol der Ewigkeit und Unendlichkeit dient, thematisieren auch die Fotos im beiliegenden Booklet, die einstürzende Eisberge, mächtige im Meer treibende Eisschollen und die Band als in dicke Pelzmäntel gehüllte Polarforscher zeigen. Nach Deep Purple in ROCK jetzt Deep Purple in ICE. Auf einer Aufnahme studiert Roger Glover, den rechten Fuß lässig auf eine Kiste gestellt, eine Karte, sucht seinen Standort, während die übrigen Bandmitglieder ihre Polarhunde fest im Griff trotzig in die Kamera blicken.  Wohin geht der Weg der Band? Machen sie ewig weiter, wie der Titel des Albums zu suggerieren scheint? Oder wollen sie, wie das Motto der Abschiedstournee nahelegt, ihren Fans sagen, dass es langsam reicht und sie sich auf das wohlverdiente Altenteil zurückziehen möchten, ins Altersheim der Altrocker, da wo Led Zeppelin und Black Sabbath schon lange auf sie warten?  Ian Gillan blieb im Vorfeld der Veröffentlichung die Antwort schuldig, sprach im Zusammenhang des Albumtitels und der Zukunft der Band dunkel über Metaphysik, den Big Bang und das Wesen der Zeit.

InFINITE zeigt typische Deep Purple DNA

Wie der Vorgänger wurde InFINITE in einem Studio in Nashville Tennessee unter der bewährten Regie von Bob Ezrin aufgenommen, einem der wenigen Produzenten, dessen Arbeit mit Lou Reed, Alice Cooper und Pink Floyd Legende ist. Schon nach den ersten Takten ist klar, dass nicht nur Deep Purple auf dem Album steht, sondern auch viel Deep Purple drinsteckt: InFINITE schwelgt in opulenten Hammond-Orgel-Attacken und klassisch-verschnörkelten Keyboardlinien, unterstützt von Roger Glovers pumpenden Bass und dem schnellen, explosiven Schlagzeugspiel von Ian Paice. Steve Morse erweist sich dabei mit seinen präzisen und schnellen Gitarrenläufen als würdiger Nachfolger von Bad Guy Richie Blackmore, und auch Sänger Ian Gillan läuft noch einmal zur Höchstform auf.

Exzellente Songs auf hohem Niveau

Der vorab als Single ausgekoppelte Song ALL I GOT IS YOU, der den klassischen Sound der Band versprüht, ohne je in plumpe Nostalgie zu verfallen, ist vielleicht der stärkste Track des gesamten Albums überhaupt. Zwar fehlt ihm eine Killer Hook, doch den Lackmustest besteht er allemal mit Bravour.

Deep Purple „All I Got is You“

Der Rest ist wie beim Vorgängeralbum NOW WHAT?! eine Mischung aus guten und sehr guten Songs. Die Texte sind lebendig, manchmal deftig, einige Zeilen gar unfreiwillig komisch. Doch letztlich geht es um die Musik, die zurecht ernstgenommen werden muss. Angefangenen vom rotzigen Opener TIME FOR BEDLAM und dem funkigen ONE NIGHT IN VEGAS bis hin zu dem tranceähnlich beginnenden, dann jäh explodierenden Albtraum THE SURPRISING. Sehr schön auch der schnörkellose Bluesrock HIP BOOTS oder das Sauflied über die Folgen einer durchzechten Nacht in der Stadt der Sünde, ONE NIGHT IN LAS VEGAS,  dem Ian Gillan mit näselnder Country-Stimme einen besonderen Touch verleiht. Ein wenig enttäuscht einzig das etwas lieblos heruntergespielte Cover des Doors-Klassikers ROADHOUSE BLUES, das an die Wucht des Originals nicht heranreichen kann.

FAZIT
Deep Purple würden wahrscheinlich selbst dann noch mühelos Riesenstadien füllen, wenn sie nur die nostalgischen Sehnsüchte ihrer Fans bedienten und ihre bekanntesten Titel spielten. Machen sie aber nicht. Zum Glück kribbelt es den Altrockern von Zeit zu Zeit in den Fingern. Dann gehen sie ins Studio, um ein neues Album aufzunehmen.  2013 kam bei dieser Übung das in den Charts hochplatzierte NOW WHAT?! heraus, das sogar mit einer Goldenen Schallplatte belohnt wurde. InFINITE hat beste Aussichten, diesen Erfolg zu wiederholen, wenn nicht gar zu toppen.

Deep Purple „Time for Bedlam“

Das neue Studioalbum „inFinite“ von Deep Purple erscheint am 7. April 2017 bei earMUSIC.

The Long Goodbye Tour“ von Deep Purple
19.05.17 München, Olympiahalle
30.05.17 Hamburg, Barclaycard-Arena
06.06.17 Köln, Lanxess-Arena
07.06.17 Dortmund, Westfalenhalle 1
09.06.17 Leipzig, Arena Leipzig
10.06.17 Frankfurt, Festhalle Frankfurt
13.06.17 Berlin, Mercedes-Benz-Arena
14.06.17 Stuttgart, Hanns-Martin-Schleyer-Halle

Titelfoto: earMusic/photocredit: Jim Rakete

Standardbild
Hans Kaltwasser
Artikel: 300

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