In Berlin wachsen keine Orangenbäume – Filmtipp

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Die erste Szene des Kinofilms „In Berlin wachsen keine Orangenbäume“ zeigt Nabil (Kida Ramadan) auf der Krankenstation der Justizvollzugsanstalt, in der er fünfzehn Jahren eingesessen hat. Mit teilnahmslosem Blick lässt er die ärztliche Untersuchung über sich ergehen. Er weiß ja längst, dass sein Krebs ihm nur noch wenig Zeit lässt zum Leben. Die Frage für ihn lautet jetzt – will er sie im Gefängnis verbringen oder in Freiheit? Sein Pflichtverteidiger (Tom Schilling) rät ihm zu der letzten Option. Und als Nabil mit erleben muss, wie sich ein Gefängnisinsasse, mit dem er Stunden zuvor noch einige Worte gesprochen hatte, das Leben nimmt, folgt er dem Rat seines Anwalts.

In Berlin wachsne keine Orangenbäume
Kida Ramadan als Nabil


Der Polizistenmord, der ihn ins Gefängnis gebracht hatte, entlastete damals seinen Freund Ivo (Stipe Erceg). Und der hat noch viel Geld gebunkert, das sich Nabil nun für seine Exfrau Cora (Anna Schudt) holen will. Die ihn allerdings aus ihrem Leben mit ihrer Tochter gestrichen hat. Nabil hat sie im Stich gelassen zugunsten seines Freundes Ivo. Das hat sie ihm nie verziehen. Nabil weiß nicht, dass er der Vater von Coras Tochter Juju (Emma Drogunova) ist.

Juju (Emma Drogunova) will raus aus ihrem Dorf – Nabil (Kida Ramadan) muss nach Berlin

Nabils Kontakt zu Cora sind nicht so verlaufen, wie er es sich gewünscht hat. Cora schmeißt ihn raus, als Juju geraden das Haus betritt. Ihr Verhältnis zu ihrer Mutter ist angespannt. Cora trinkt und hat ihr Leben nicht im Griff. Öde und langweilig findet Juju den Alltag in ihrem Dorf, das drei Stunden von Berlin entfernt liegt. Als sie Nabil wenig später auf der Straße trifft, bekommt sie heraus, wer er ist.

Zunächst enttäuscht, dass Nabil so gar nichts mit ihrem Bild vom Künstler-Vater gemein hat, erkennt sie jedoch, dass er sie zumindest raus aus dem Dorf bringen kann. Schließlich kommen sich Vater und Tochter näher und erleben miteinander einige traurige, aber auch spektakuläre und positive Momente.

In Berlin angekommen, verläuft nicht alles so, wie erhofft

Der Regisseur und Schauspieler Kida Ramadan ist bekannt für seine Rollen aus unzähligen Fernseh- und Kinofilmen, zuletzt in der Hauptrolle der Erfolgsserie „4 Blocks“, die ihm den Deutschen Fernsehpreis und Grimme-Preis einbrachte. Und wie Nabil, der Protagonist seines Debütfilms, bei dem er auch als Co-Autor des Drehbuchs fungierte, ist er in Beirut, im Libanon, geboren. Während des Bürgerkrieges verließ die Familie das Land und zog nach Berlin-Kreuzberg.

„Es ist einfach viel zu kalt hier …“.

Im Film sagt der kleine Nabil diesen Satz zu seinem Freund Ivo. Es wäre verwunderlich, wenn Kida Ramadan die Kälte in Berlin und die Sehnsucht nach seiner Heimat nicht auch tatsächlich in seiner Kindheit empfunden hätte. Zumindest strahlt der Film eine große Authentizität aus. Die natürlich auch auf die Schauspielkunst Ramadans, seiner Regie und auf die Bilder des Kameramanns Ngo The Chau („Bad Banks“) zurückzuführen ist. Emma Drogunova in der Rolle der Tochter und Anna Schudt als deren Mutter komplettieren diesen Eindruck durch ihr hervorragende schauspielerische Leistung.

Das Filmdebüt von Kida Ramadan strahlt trotz einiger Gewaltszenen und Vertrauensbruch viel Optimismus aus. Manchmal komisch und rasant erzählt der Film, dass familiäre Bande überaus wichtig sind und Liebe sogar Krankheiten heilen kann. Ein sehr berührender und unterhaltsamer Film. Unbedingt sehenswert!

Der Film ist ab heute in den Kinos

Alle Fotos: Tim Rosenbohm /PORT AU PRINCE PICTURES

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