Il teatro alla moda

Das Internationale Musiktheater-Ensemble I CONFIDENTI bringt in Kooperation mit der Universität der Künste Berlin (UDK) ein einzigartiges Highlight an die Schiffbauergasse in Potsdam, das von Popstars des Barocktheaters, sirenenhaftem Gesang und kapriziösen Diven erzählt.

Ein Opernerlebnis für Einsteiger und Fortgeschrittene.

Maske_Il-teatro-alla-modaWir begeben uns auf eine Zeitreise zu den europäischen Opernhauptstädten des 18. Jahrhunderts. Eine Epoche, in der Sänger und Sängerinnen der Opernbühne die enthusiastische Verehrung, die bis zu Verzückung reichende Begeisterung genossen, die Heutige Popstars oder Fußball-Ikonen entgegen bringen. Eine Epoche, in der Opernhäuser Brennpunkte gesellschaftlicher Begegnung waren. Eine Epoche der Stars. Sie kassierten Gagen in astronomischer Höhe, schikanierten ihre Komponisten, intrigierten, was das Zeug hielt, machten sich gegenseitig das Leben zur Hölle…
Man vergisst, was sie leisteten, welche physischen und psychischen Kraftakte sie sich abverlangten, welche körperlichen Beeinträchtigungen (Kastraten) sie für Ruhm und Ehre – und aus Liebe zur Kunst! – in Kauf nahmen. Ohne sie hätte es einen solchen Kulminationspunkt unglaublicher, bis heute unsterblicher Opernkunst nicht gegeben. Wir haben Musiken. Wir haben Sänger und Sängerinnen. Nichts ist verstaubt, alles so frisch, wie wir es darbieten. Wie holen wir diese Zeit und dieses Leben zu uns heran? Nichts ist einfacher als das.
Für unsere Tage ist ein Vor- und Zurückreisen in der Zeit kein Problem. Wir beamen, wir teleportieren, wir hüpfen durch Raum und Zeit. Welch ein Glück, dass wir einen Zeitreisenden gefunden haben, der fasziniert ist von der barocken Oper. Er wird uns führen. Allerdings beginnt er mit einem Fehlstart. Er hat sich verrechnet. Landet in Lissabon, der Stadt, deren glanzvolles Opernhaus ein halbes Jahr zuvor durch ein Erdbeben zerstört wurde.

Da hilft nur eins: Fliehen, rückwärts gehen. Zurück zu den Quellen.

Unser neugieriger und gebildeter Zeitreisender begibt sich nach Venedig, wo ein junger Musiker aus Sachsen namens Georg Friedrich Händel gerade erste Triumphe mit seiner Oper „Agrippina“ feiert. Der Zeitreisende lässt sich drauf ein, mit den Abbildern der damaligen Sänger-Darsteller zu „spielen“. Danach begibt er sich zu Antonio Vivaldis musikalischem Waisenhaus, wo die schönsten Mädchen der Stadt unter Anleitung des „prete rosso“ ihre Kunst ausüben; nicht nur fromme Klänge, sondern auch die Opern des Meisters. Schon fiel der Name Porpora. Der Chef der berühmtesten Gesangschule der Zeit – der übrigens nur Kastraten ausbildete – hat wunderbare Musiken geschrieben. Unser Zeitreisender, der eigentlich einer jungen Dame hinterher hechelt, wird dort fast vom Blitz getroffen, als der große Superstar auftritt.

Welches Flair, welche Virtuosität!

Als dieser Virtuose, nebst anderen großartigen Primadonnen, sich von Händel nach London entführen lässt, folgt ihm der Zeitreisende und wird Zeuge von Sternstunden der Oper, aber auch von Intrigen unter den Sängern, die Händel und sich untereinander das Leben schwer machen. Auch Politintrigen machen dem Meister Probleme. Der Zeitreisende erkennt: Das trägt Zeichen des Verfalls in sich! Er macht sich auf und reist weiter nach
Dresden, wo inzwischen Johann Adolf Hasse komponiert; an seiner Seite die schönste und reizvollste Primadonna des Händelschen Theaters. Siehe da, Händel und Hasse haben sich des gleichen Textes angenommen und ihn vertont – eine schöne Gelegenheit zu vergleichen: die Anmut und das Temperament Hasse mit der emotionalen Tiefe Händels. Ein letztes Duett aus Händels Feder stürzt unseren Zeitreisenden in tiefe Verzweiflung. Und diese Welt soll untergehen? Nein! Zwei Sängerinnen trösten ihn und bauen ihn auf. Und sie alle beschließen: Lissabon wird wieder erstehen dank der Kraft der Phantasie und der Leidenschaft deren, die diese Kunst lieben. Mit einer virtuosen Arie und einem Schlusschor, der die ewige Kunst der Oper preist, verabschiedet sich unser weitgereister Mann und wendet sich anderen Zeiten zu…

Die Ausführenden
Musikalische Leitung: Christine Trinks
Regie: David Matthäus Zurbuchen
Stück und Dramaturgie: Waldtraut Lewin
Bühne und Kostüme: Christine Jaschinsky
Mit Razek-François Bitar, Katrin Geisler, Michael Günther, Tania Lorenzo,
Magdalena Motyl, Theresa Pilsl, Clara Corinna Scheurle, Sara Magenta
Schneyer, Katharina Woesner, Ensemble Stella Maris, auf historischen Instrumenten

PREMIERE
03.07.2014 19 Uhr
„Il teatro alla moda“ –

Potsdam, Schinkelhalle

weitere Termin siehe unter Veranstaltungen

Fotos: I CONFIDENTI

Standardbild
Ingrid
Kunst und Kultur, Musik und Bücher, ohne sie ist ein Leben denkbar, aber für mich sinnlos. Darum habe ich diesen Blog ins Leben gerufen. Es macht viel Spaß, ihn zu gestalten - ich hoffe, den Usern, ihn zu lesen. Nicht alles, was gedruckt wird, muss gelesen, nicht jedes Album gehört werden. Was die User hier finden, gefällt mir und den Gastautoren, die ab und zu Lust haben, etwas zu schreiben.
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