Hund und Mensch – ein kultureller Überblick

Hunde sind unsere allerersten tierischen Begleiter und teilten wahrscheinlich schon in der frostigen Zeit der letzten Eiszeit ihr Leben mit uns Menschen. Archäologische Funde deuten darauf hin, dass sich Hunde vor mehr als 15.000 Jahren von den Wölfen abgespalten haben. Und wenn sie sich entscheiden müssen, wählen Hunde lieber eine Beziehung zu Menschen als zu anderen Hunden.

Existieren Unterschiede im Verhältnis zwischen Mensch und Hund in den Kulturen?

Diese Frage hat ein internationales Forschungsteam, angeführt von der Friedrich-Schiller-Universität Jena und dem Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig, mit einer erstaunlichen Erkenntnis verblüfft: Die Gemeinsamkeiten im Miteinander von Mensch und Hund, selbst in den unterschiedlichsten Gesellschaften, sind frappierend.

Die Forschenden untersuchten Jagdhunde und ihre Halter in fünf ländlichen Gesellschaften in Vanuatu, der Mongolei, Madagaskar, Peru und Deutschland. Trotz großer Unterschiede in Kultur, Umwelt und Hundehaltung zeigte sich: Die Beziehung zwischen Hunden und Menschen ist weltweit bemerkenswert ähnlich.

Drei Viertel aller Hunde weltweit leben nicht als Familienhunde

Bisherige Studien zur Kognition von Hunden wurden überwiegend in westlichen, gebildeten, industrialisierten, reichen und demokratischen Gesellschaften, häufig als „WEIRD“ bezeichnet, durchgeführt. Doch rund drei Viertel aller Hunde weltweit leben nicht als westliche Familienhunde. Viele von ihnen sind Freigänger und leben als Jagd- oder Wachhunde in ganz anderen sozialen Kontexten mit Menschen zusammen.

Um diesen Blick zu erweitern, entwickelte das Team eine Testbatterie für einen Kulturvergleich, die aus sechs etablierten Verhaltensexperimenten sowie einem Fragebogen zur Erfassung emotionaler und praktischer Aspekte der Beziehung zwischen Mensch und Hund besteht. Insgesamt untersuchten die Forschenden 164 Mensch-Hund-Paare: 34 in ländlichen Regionen Deutschlands, 30 in Vanuatu, 35 in der Mongolei, 33 in Madagaskar und 32 in Peru. Lokale Helferinnen und Helfer unterstützten das Team, insbesondere bei der Optimierung kulturvergleichender Aspekte der Studie.

Ergebnisse:

  • Soziale Fähigkeiten: In verschiedenen Gesellschaften zeigten Hunde ähnliche Fähigkeiten. Sie folgten menschlichen Zeigegesten, kommunizierten über verstecktes Futter und orientierten sich in unsicheren Situationen am Menschen.
  • Halter schätzen ihre Hunde überall: In allen fünf Ländern gaben Hundebesitzerinnen und -besitzer an, dass sie die Gesellschaft ihrer Hunde schätzen, sich auf sie verlassen können und glauben, dass ihre Hunde sie beschützen würden.
  • Lokale Unterschiede: Deutsche Hunde waren im Allgemeinen gehorsamer und beharrlicher. Die Halterinnen und Halter in Vanuatu konnten hingegen die Signale ihrer Hunde besonders gut deuten, was auf die unterschiedlichen Trainingsformen, Jagdpraktiken und Traditionen der Hundehaltung zurückzuführen sein könnte.
  • Alle Befragten gaben an, zumindest zeitweise gerne mit ihrem Hund zusammen zu sein. Fast alle sagten außerdem, dass ihr Leben besser sei, weil sie einen Hund haben. In jedem der fünf Länder erklärten zudem mehr als 90 Prozent der Befragten, sie könnten sich zumindest manchmal auf ihren Hund verlassen. Ebenfalls glaubten mehr als 90 Prozent, dass ihr Hund sie in einer bedrohlichen Situation schützen würde.

Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass Hunde selbst in Gesellschaften, in denen sie nicht primär als Familienhunde im westlichen Sinne gehalten werden, nicht nur nützliche Arbeitspartner sind, sondern auch eine wichtige soziale Bedeutung für ihre Besitzerinnen und Besitzer haben.

Die Studie zeigte zudem auch einige Unterschiede. So bewerteten Halterinnen und Halter in Peru ihre Beziehung zu ihren Hunden niedriger als Befragte in den anderen Ländern. Die Forschenden vermuten einen Zusammenhang mit den lokalen Jagdpraktiken, da Hunde dort für den Jagderfolg nicht immer entscheidend sind.

Bald gibt es zu den Ergebnissen der Studie auch ein Buch der Projektleiterin Juliane Bräuer: „Hunde der Welt. Forschungsreisen zu Hund und Mensch“, das im September 2026 erscheint.

Ingrid
Ingrid

Kunst und Kultur, Musik und Bücher, ohne sie ist ein Leben denkbar, aber für mich sinnlos. Darum habe ich diesen Blog ins Leben gerufen. Es macht viel Spaß, ihn zu gestalten - ich hoffe, den Usern, ihn zu lesen.
Nicht alles, was gedruckt wird, muss gelesen, nicht jedes Album gehört werden. Was die User hier finden, gefällt mir und den Gastautoren, die ab und zu Lust haben, etwas zu schreiben.

Artikel: 4409

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.