Die Musik des französischen Kontrabassisten Henri Texier zeichnet sich seit jeher durch die Fähigkeit aus, ohne Worte zu erzählen, kann Emotionen wecken, ohne zu betonen. In dieser Tradition steht auch sein neues Album HEALING SONGS, auf dem er beliebte Kompositionen aus seinem Repertoire wieder aufgreift und bearbeitet, von denen er glaubt, dass sie den Zuhörern Trost in unsicheren Zeiten spenden können.
Mit dabei sind natürlich sein Sohn Sebastien Texier am Sopransaxofon und den Klarinetten sowie Schlagzeuger Gautier Garrigue. Hermon Mehari an der Trompete und Emmanuel Borghi an den Tasten komplettieren das vorzüglich Ensemble, wobei Perkussionist und Schlagzeuger Manu Katché bei drei Stücken als Gast mitspielt.
Die Auswahl der neun Stücke erstrecken sich auf einen langen Zeitraum. Der Song „Quand tout s’arrête“ stammt vom Album „Amir“ aus dem Jahre 1976, „Samba Loca“ ist im Original auf „Canto Negro“ von 2011 zu finden. Gleich mit vier Coverversionen wird dem Album „Remparts d’argile“ (2000) besondere Aufmerksamkeit geschenkt.
Das Ergebnis ist höchst erfreulich. Klavier, Kontrabass, Saxofon, Trompete und Schlagzeug – für den Kontrabassisten Texier ist das eine bisher ungewohnte Besetzung. Aber dieses vorzügliche Quintett agiert entspannt und mit großer Ausgewogenheit. Hier ist nichts gehetzt. Die Musik atmet, lässt Raum, akzeptiert Stille als ein Element des Ausdrucks. Texiers nach wie vor schön singender Kontrabass, bildet nicht nur das harmonische Fundament. Er besitzt eine eigenständige Stille, flüstert bisweilen, manchmal bestimmter, aber niemals vorlaut oder gar autoritär. Er leitet, ohne aufzuzwingen, schlägt vor, statt zu befehlen.
Texier spielt verschiedene Stile, die Auftritte sind lebhaft und meist in guter Stimmung. „Amazone Blues“ beginnt mit einem eindringlichen kleinen Riff und hat das erste von mehreren Bass-Soli, die den Altmeister in hervorragender Verfassung zeigen. Das kehlige Altsaxofon von Texiers Sohn Sebastien und Meharis glanzvolle Trompete folgen dem Bassisten mit gebührendem Eifer. Für das Stück „Grève révolte“ wechselt Sebastien zu einer feinabgestimmten Klarinette mit einem schönen und vollen Ton, zu der sich eine weitere schwungvolle Basslinie gesellt. „Chebika Courage“ gefällt mit wunderbaren Trompetensoli. während „Decent Revolt“ mit einer stimmungsvollen, langsamen, beinahe feierlichen Tempolinie besticht. Auch die übrigen Stücke bewegen sich auf höchstem Niveau.
Hat diese Musik wirklich die Kraft zu heilen, wie der Titel des Albums verspricht? Man weiß es nicht, doch genussreiche Ohrwürmer sind die Songs allemal, denen zu widerstehen ausgesprochen schwerfällt: Das vom belebenden Schwung des Bassspiel Texiers getragene Albums lädt zu wiederholtem Hören ein und macht Lust, den gesamten Back-Katalog des Musikers zu erkunden, um zu sehen, was man möglicherweise verpasst hat.







