»Green Monday« der Tonhalle erhält den OPUS KLASSIK 2024

Wie kann ein Konzerthaus nachhaltiger werden und ein Konzertabend möglichst emissionsarm, klima- und ressourcenschonend über die Bühne gehen? Mit dieser Frage hat sich die Tonhalle Düsseldorf im Rahmen des »Green Monday« über die gesamte Saison 2023/24 intensiv beschäftigt. Heute, am 24. Juni wurde bekannt gegeben, dass das Projekt mit einem der renommiertesten Preise für klassische Musik ausgezeichnet wird: Der »Green Monday« erhält den OPUS KLASSIK 2024 in der Kategorie »Innovationspreis für Nachhaltigkeit«. Die Auszeichnung wird im Rahmen der OPUS KLASSIK Gala im Oktober im Konzerthaus Berlin verliehen.

Weil die Klimakrise eines der wichtigsten Themen unserer Zeit ist und Kultur eben nicht nur »schön klingen« soll, sondern auch eine gesellschaftliche Verantwortung hat, konzipierte das Team der Tonhalle Düsseldorf um Projektleiterin Juliane Sattler gemeinsam mit den Düsseldorfer Symphonikern für die aktuelle Saison den »Green Monday«. In elf Symphoniekonzerten am Montagabend widmeten sich Konzerthaus und Orchester von August 2023 bis Juni 2024 jeweils einem konkreten Nachhaltigkeitsthema, von Energieeffizienz über Abfallmanagement bis hin zur Anreise. Gemeinsam mit dem Konzertpublikum wurde am »Green Monday« alles ganz genau unter die Lupe genommen: Kann die Anfahrt mit Privatautos durch den ÖPNV oder das Fahrrad ersetzt werden? Lässt sich der Stromverbrauch der Beleuchtung reduzieren? Und wenn nicht: Wie kann durch klimapositive Aktionen gegengesteuert werden? An welchen Stellschrauben in puncto Nachhaltigkeit kann ein Konzerthaus überhaupt drehen und wie kommt das beim Publikum an? Das Pilotprojekt war ein Sprung ins kalte Wasser: So umfassend und vor allem öffentlich hat sich bislang kein Konzerthaus mit dem Thema Nachhaltigkeit beschäftigt.

Im »Green Star Talk« führte Geigerin und Klimabotschafterin Lea Brückner vor Konzertbeginn Gespräche mit Expertinnen und Experten zum jeweiligen Thema des Abends. An jedem »Green Monday« wurde eine Maßnahme ausprobiert, die konkret die CO₂-Emission des Konzertabends reduzierte – sei es das Ausschalten von ausschließlich zu dekorativen Zwecken genutzten Lichtquellen, ein rein vegan-vegetarisches Speisenangebot bei der Pausenbewirtung, digitale Programmhefte statt Druckerzeugnisse oder das Absenken der Temperatur im Konzertsaal um ein Grad Celsius. Im Anschluss durften die Konzertgäste abstimmen, ob die jeweilige Maßnahme auch für die kommenden »Green Mondays« beibehalten werden sollte oder als zu große Veränderung liebgewonnener Traditionen empfunden wurde. Sämtliche Abstimmungen ergaben eine Mehrheit für den »grünen Weg«.

Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir im Green Star Talk mit Lea Brückner Foto: Isabel Raeder

Natürlich fand das Nachhaltigkeitsthema auch ein musikalisches Echo: Elf Komponistinnen und Komponisten aus der ganzen Welt schrieben im Auftrag der Tonhalle jeweils ein kurzes Werk zu Schlagworten wie »Recycling« oder »Digitalisierung«. Die Düsseldorfer Symphoniker spielten die Uraufführungen exklusiv an jedem »Green Monday« zusätzlich zum klassischen Konzertprogramm. Nun steht das große Finale bevor: Bei den Saisonabschluss-Konzerten am 28. Juni, 30. Juni und 1. Juli werden alle elf Mikro-Kompositionen gebündelt erklingen. Der neuseeländische Komponist John Psathas schrieb Übergänge, fügte eine eigene Komposition als Schlussteil hinzu und verband so alles zum großen »Green Piece«, das nun in der Tonhalle zur Uraufführung kommt. Am Pult der Düsseldorfer Symphoniker wird Axel Kober stehen, der mit den Konzerten zugleich seinen gewiss sehr emotionalen symphonischen Abschied als GMD feiert.
Am 29. Juni ist zudem einer der renommiertesten Klimaforscher Deutschlands in der Tonhalle zu Gast: Unter dem Titel »Welche Klima-Zukunft wählen wir?« hält der Meeresbiologe Dr. Udo Engelhardt einen Vortrag über Klima-, Biodiversitäts- und Menschenschutz. Geigerin Lea Brückner und Gitarrist Gabor Ladanyi umrahmen den Vortrag musikalisch u. a. mit Werken von Vivaldi.

Was bleibt vom »Green Monday«? Alle gut umsetzbaren Maßnahmen, die den ökologischen Fußabdruck des Konzerthauses verringern, werden auch in Zukunft beibehalten, an vielen Stellen wird kontinuierlich nachjustiert. Da die Publikumsanreise einen großen Anteil der CO₂-Emissionen der Tonhalle ausmacht, finden Gäste auf tonhalle.de ab sofort ein Tool des bereits bei vielen internationalen Musikfestivals bewährten Anbieters »Slinger«, mit dem kinderleicht Mitfahrgelegenheiten gebucht oder angeboten werden können, um umweltschonende Fahrgemeinschaften zum Konzert zu bilden.

70 zusätzliche Fahrradständer vor der Tonhalle wurden vom Publikum so gut angenommen, dass nun eine dauerhafte Installierung geplant ist. Auch das Catering wird zukünftig deutlich klimafreundlicher gestaltet.

Ein weiterer, großer Schritt Richtung grünes Konzerthaus bedeutet die für die Sommerpausen 2024 und 2025 geplante Umstellung des Saallichts auf LED, mit der 80 Prozent des Energieverbrauchs für die Beleuchtung eingespart werden wird. Zudem haben die Tonhalle und die Düsseldorfer Symphoniker gemeinsam mit ihrem Partner VIVO Carbon ein sogenanntes Agroforst-Projekt gestartet: Seit April wurden auf den Nutzflächen des Lammertzhof, eines Biobauernhofs vor den Toren Düsseldorfs, 5.000 Pappeln gepflanzt, die in sieben Jahren bereits 15 Meter hoch sein und nachhaltig CO₂ binden werden. Dadurch kann zumindest ein Teil der klimaschädlichen Emissionen kompensiert werden, die der Konzertbetrieb verursacht. In naher Zukunft könnte dort auch die »Vision Konzertwald« Wirklichkeit werden: Zwischen den Pappelreihen soll ein Ort für Open-Air-Konzerte mit den Düsseldorfer Symphonikern entstehen.

Titelbild: Tonhalle/Isabel Räder

Ingrid
Ingrid

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