GoGo Penguin: Man Made Object

Gelegentlich wird GoGo Penguin die britischen „Bad Plus“ genannt, ein Vergleich, der zunächst gar nicht einmal so verkehrt ist. Gemeinsam ist beiden Bands das Line-up mit Piano, Bass und Schlagzeug wie auch eine ungebremste Lust an der Erforschung klanglicher Potenziale jenseits traditioneller Genre-Grenzen. Doch während Bad Plus Elemente des Avantgarde-Jazz mit bodenständigem Rock kombiniert, ist die Musik der GoGo Penguin in den synkopierten Rhythmen und eckigen Melodienlinien von Elektronica und Trip-hop verwurzelt. Zu den musikalischen Einflüssen des Trios zählen neben Aphex Twin und Amon Tobin unverkennbar auch der viel zu früh verstorbene Jazzpianist Esbjörn Svensson.

GoGo Penguin sind Chris Illingworth (p), Nick Blacka (b) und Rob Turner (dr). Was sie dem Jazz entlehnen, sind jedoch nicht Harmonien oder komplexe Rhythmen, sondern pure Energie und Spontaneiät. Das zeigt ihr heute erschienenes exzellentes drittes Album „Man Made Object“, auf dem die Briten mit durchkomponierten Stücken ebenso glänzen wie mit Improvisationen und Songs, die ursprünglich mit Sequenzer-Software kreiert, auf akustischen Instrumenten nachgespielt werden.
Ein gutes Beispiel hierfür ist das Stück „Protest“, das mit dahin rasenden Rhythmen und einem funkigen Zwischenspiel von Nick Blackas Bass überrascht, den Chris Illingworth mit schönen melodischen Klavierlinien ergänzt.
„Branches Break“ ist ein von elektronischer Improvisationsmusik inspiriertes anmutiges Stück, das sich bedächtig mit mechanisch repetitiven Klavierakkorden aufbaut.
Der Titel „GBFISYSIH“ ist demgegenüber ein langsamer und hypnotischer Song mit pulsierenden tiefschwarzen Doppelbasstönen, die auf die Magengrube zielen.

Dass GoGo Penguin ihre Wurzeln indessen auch in der Klassik haben, zeigt sehr schön der Opener „All Res”, der in seinem emotionalen Subtext an Kompositionen von Chopin, Debussy und Mahler erinnert. Der Song beginnt mit einem zart dahin getupften impressionistischen Klaviermotiv, das von einem mit Bogen bespielten Bass begleitet wird, der hier wie ein Cello klingt: Es muss nicht unbedingt knirschen, wenn Klassik und Jazz sich berühren.

Und dennoch ist das Jazzgefühl in der Musik von GoGo Penguin stets unbestreitbar allgegenwärtig, wie etwa an Rob Turners swingendem Schlagzeugspiel im Stück „Surrender to Mountain“ deutlich wird.

Pinguine bewegen sich zu Lande eher langsam und ausgesprochen ungelenk. Auf der musikalischen
Karriereleiter von GoGo Penguin sind derlei beschwerliche Bewegungen hingegen nicht zu erkennen, seit sie vor vier Jahren auf der Manchester Jazzszene auftauchten. Viel Lob erhielten bereits ihre ersten beiden Alben „Fanfares“ (2012) und „v2.0“ (2014), das gar für den hoch angesehenen Mercury Prize nominiert wurde. Mit ihrem neuen beim renommierten Jazzlabel Blue Note erschienenen Album „Man Made Object“ werden sie ihren Ruf als eines der derzeit besten und innovativsten Jazztrios ohne Zweifel festigen. Fazit: Mehr Go Go als Penguin!

GoGo Penguin  Man Made Object

Blue Note/ Universal Music
VÖ 05.02.2016

GoGo Penguin auf Tournee:

06.04 Hamburg, Mojo
07.04. Berlin, Silent Garden
08.04. Köln, CBE
09.04. Frankfurt, Haften 2
10.04. München, Ampere

Foto: Emily Dennison

Standardbild
Hans Kaltwasser
Artikel: 292

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