„Es gibt keine Trauer ohne Liebe“, schreibt Garreth Broke in den Liner Notes zu seinem neuen Album LIFE THROUGH LOSS. Der britische Musiker hat sich in den letzten Jahren nicht nur als Pianist und Komponist einen Namen gemacht, sondern auch als Trauerbegleiter gearbeitet. Saß bei Menschen, die eine geliebten Angehörigen verloren haben und half ihnen, ihre Trauer zu verarbeiten. Eine solche Aufgabe erfordert gewiss großes Einfühlungsvermögen, Broke hat es, kennt die oft widersprüchlichen Gefühle von Schmerz, Schuld, Sehnsucht und Liebe aus seiner eigenen Geschichte. Die Kindheit des Musikers war überschattet von der Krankheit seiner Mutter, die depressiv war und sich das Leben nahm. Zuflucht fand Broke am Klavier, bei Stücken von Chopin und anderen Klassikern, später in Improvisationen und Eigenkompositionen.
Musik wurde für Broke Heilung. Die ersten Kompositionen, die aus den frühen Leiderfahrungen hervorgingen, waren für bestimmte Menschen geschriebene Elegien. Sein neues Album LIFE THROUGH LOSS setzt diese Entwicklung fort. Stilistisch bewegt es sich zwischen früher Romantik und „New Age“. Man hört Anklänge an die Werke von Mendelssohn und Schubert ebenso wie Motive von Einaudi.
Die 14 Stücke des Albums erzählen von den unterschiedlichen Phasen und Emotionen, die der Trauernde durchlebt. „Just Another Day (Without You)“ beschwört die triste, ernüchternde Anerkennung, dass der neue Tag ein weiterer ohne den geliebten Menschen sein wird.
Das beschwingte, verspielte Stück „What We Shared (Playing Amelie)“ erweckt die guten Zeiten, die man mit dem oder der Verstorbenen geteilt hat und vielleicht in der Erinnerung noch einmal erlebt – ein Moment, der traurig stimmen oder auch trösten kann.
„Never Enough Time“ beklagt die allzu rasche Vergänglichkeit gemeinsam erlebter Momente, während das langsame und nachdenkliche Stück „Beautiful Ache“ die Dankbarkeit unterstreicht, die man für die gemeinsame Zeit mit einem verstorbenen Menschen empfindet. Das versöhnliche, hoffnungsvolle „Life Finds A Way“, mit dem das Album schließt, unterstreicht die Bedeutung des Trauerprozesses und dessen Potenzial zur Heilung.
Diese und alle übrigen Stücke klingen oft zurückgenommen, aber nie distanziert, sondern voller Wärme und Intimität, Schönheit, Kontrast und Dynamik. Die Tiefe der Kompositionen entspricht dabei der blendenden Technik. Broke spielt mit Leichtigkeit und Grazie, stets fokussiert und mit großer innerer Kontemplation.
LIFE THROUGH LOSS ist ein außerordentliches Album, das allen, die Trauer erleben, hilft, den Verlust in das Gefüge des Lebens zu integrieren.







