Fünf Bandnamen von Literatur inspiriert

„Was ist schon ein Name?“ William Shakespeare verwendet diese Zeile in seiner Tragödie „Romeo und Julia“, um zu vermitteln, dass die Benennung von Dingen irrelevant ist. In der Unterhaltungsbranche liegen die Dinge anders. Ein gut gewählter Bandname ist hier von großem Wert. Ähnlich wie ein tolles Albumcover kann auch ein einprägsamer Name Aufmerksamkeit wecken, selbst wenn man zunächst nichts über die Musik der Gruppe weiß. Einige Bands wie zum Beispiel Maroon 5 und Blink-152 lassen den Hörer im Ungewissen, was hinter ihrem Namen steckt. Einige der besten Bands haben sich jedoch bei der Namensfindung offensichtlich von Literatur inspirieren lassen und damit Erfolg gehabt. Aus den zahllosen Beispielen haben wir fünf Beispiele ausgesucht.

Marillion

In den 1980er-Jahren gehörte die britische Band zu den Top Acts. Schlagzeuger Mick Pointer und Gitarrist Steve Rothery hatten die Gruppe 1979 ursprünglich als „The Silmarillion“ in Anlehnung an die gleichnamige Sammlung unvollendeter Erzählungen des britischen Autors J. R. R. Tolkien gegründet. Um mögliche urheberrechtliche Probleme zu vermeiden, ließ die Band später die Vorsilbe weg. 1983 brachte Marillion ihr erstes Album, „Script for a Jester’s Tear“ heraus. Ein Großteil der Musikpresse tat die Band als Genesis-Verschnitt der Peter Gabriel Ära ab, aber das düstere und im Gothic-Stil gehaltene Album bescherte ihnen immerhin eine Top-20-Hitsingle, „Garden Party“, sowie mit „He Knows You Know“ einen weiteren Top-40-Charteinstieg. 1985 ging die Band in die berühmten Hansa Ton Studios in Berlin, um ihr erfolgreichstes Album „Misplaced Childhood“ aufzunehmen. Es enthält auch ihren größten Hit „Kayleigh“, der es auf Platz zwei der Charts schaffte.

Übrigens ist die Band mit ihrem neuen Studioalbum „An Hour Before It’s Dark“ auf Platz 2 der offiziellen Deutschen Album Charts und toppen damit ihre vorherigen Charterfolge!

The Doors

The Doors, eine der einflussreichsten und revolutionärsten Rockbands der 1960er-Jahre, wurden 1965 in Los Angeles von den Filmstudenten Jim Morrison und Ray Manzarek gegründet. Auf Vorschlag von Morrison nannte man sich The Doors, inspiriert vom Buch „The Doors of Perception“ des britischen Philosophen Aldous Huxley. In diesem schildert Huxley seine Erfahrungen mit Meskalin und anderen bewusstseinserweiternden Drogen. Würden die Pforten der Wahrnehmung gereinigt, so Huxleys Grundthese, die er sich beim englischen Dichter William Blake geborgt hatte, erschiene dem Menschen alles, wie es in Wirklichkeit ist: unendlich.

In die dunklen, unbekannten und unendlichen Tiefen des Bewusstseins vorstoßen, das wollten auch die Doors mit ihrer hypnotisch-psychedelischen Musik. Die erste Single „Break On Through (to the Other Side)“ war gleichsam der musikalische Schlachtruf der Band. Bemerkenswert war, dass sie auf eine Bassgitarre verzichteten. Im Studio wurde von Fall zu Fall ein Bassist hinzugezogen, auf der Bühne aber sorgte der vom Jazz eines John Coltrane inspirierte Ray Manzarek an Orgel und Keyboard für die tiefen Register. Überhaupt waren es Manzareks verspielte Melodien und schräge Klangflächen, die Songs wie „Light My Fire“, „LA Woman“, „Riders On The Storm“ und „People Are Strange“ ihren eigenwilligen Psychedelik-Sound verliehen. Eine raffinierte Melange aus Rock, Jazz, Blues und ein Hauch Klassik, gepaart mit den poetisch Texten von Jim Morrison. Das war die Musik der Doors. Schnell avancierten sie zum Sprachrohr der US-Gegenkultur und des Protestes gegen das Establishment.

1971, kurz nach der Aufnahme des Albums „L.A. Woman“, zog Morrison nach Paris, um sich auf das Schreiben zu konzentrieren. Am 3. Juli 1971 wurde seine Leiche in der Badewanne seiner Wohnung gefunden. Die Rocklegende starb offenbar an einer Überdosis Drogen. Der Rest der Band versuchte, ohne ihn weiterzumachen und veröffentlichte zwei weitere Alben, aber die Band löste sich schließlich 1973 auf.

The  Velvet Underground

„Das erste Album der Velvet Underground wurde nur 30.000 Mal verkauft, aber jeder, der es kaufte, gründete eine Band.“ Dieses Zitat, das dem britischen Musiker Brian Eno zugeschrieben wird, bringt den enormen Einfluss der US-Band auf den Punkt, die Generationen anderer Künstler inspiriert hat. Songschreiber Lou Reed hatte die Gruppe Ende der 1960er Jahre gemeinsam mit dem Gitarristen Sterling Morrison, dem walisische Musiker John Cale und der Schlagzeugerin Maureen Tucker gegründet..

Popkünstler Andy Warhol hatte die Band in einem Club in Greenwich Village spielen sehen und wurde ihr Manager und Mäzen. Er machte die Velvets mit der exotischen deutschen Sängerin Nico bekannt, schickte sie gemeinsam auf Tournee und produzierte ihr Debüt „The Velvet Underground and Nico“. Doch obwohl Warhol die Band managte und förderte, war sie zu ihrer Zeit weder kommerziell erfolgreich, noch wurde sie von der Kritik gelobt.

In den Songtexten wurden Drogenkonsum, Sadomasochismus und betäubende Verzweiflung offen thematisiert. Zu einer Zeit, als die Flower Power Szene in San Francisco den euphorischen Höhepunkt der Gegenkultur der 1960er-Jahre darstellte, wurde New Yorks harte Realität, die die Velvets in ihren Texten beschrieben, von der Musikindustrie verachtet und vom Mainstream-Publikum weitgehend ignoriert. Heute gilt das Album mit Warhols berühmter Banane auf dem Cover freilich längst als epochales Pionierwerk, das die Rockmusik zur Kunstform erhob und ohne das es Nirvana, Radiohead, Artic Monkeys und U2 wohl nicht gäbe.

Die Inspiration zum Bandnamen lieferte Michael Leighs Buch über die geheime sexuelle Subkultur der frühen 60er-Jahre. Ein Freund von John Cale hatte das Buch der Gruppe gezeigt. Die Band war der Meinung, dass der Name eine Anspielung auf das Underground-Kino sei. Von literarischen Verweisen wimmelt es auch in den Songtexten des Debütalbums: „Venus in Furs“ ist eine Anspielung auf Leopold von Sacher-Masochs gleichnamige Sadomaso-Novelle, „Heroin“ thematisiert die Junkie-Berichte von William S. Burroughs, mit „European Son“ verbeugt sich die Band vor Reeds Mentor, dem Beat-Poeten Delmore Schwartz, und in sämtlichen triebhaft aufgeladenen Songs ist der Einfluss von Hubert Selbys Werken über Libido und Selbstzerstörung unüberhörbar.

Steppenwolf

Steppenwolf war eine kanadisch-amerikanische Rockband, die von 1968 bis 1972 bekannt war. Die Gruppe wurde Ende 1967 in Los Angeles von Leadsänger John Kay, Keyboarder Goldy McJohn und Schlagzeuger Jerry Edmonton gegründet, die alle zuvor bei der kanadischen Band The Sparrows gespielt hatten. Gitarrist Michael Monarch und Bassist Rushton Moreve wurden durch Aushänge in Platten- und Musikinstrumentengeschäften im Großraum Los Angeles angeworben.

Ihren Bandnamen verdankt ist dem Produzenten ihres Debütalbums, Gabriel Mekler, zu verdanken, der Ende 1967 die Sparrows dazu drängte, sich neu zu formieren und den Namen in Steppenwolf zu ändern, inspiriert von Hermann Hesses gleichnamigen Roman. Der Buchtitel bezieht sich auf die animalische, antibürgerliche Seite der zerrissenen Persönlichkeit des Protagonisten Harry Haller. Vor allem in der Hippie-Bewegung wurde Hesses Werk zum Kultbuch.

Das Album „Steppenwolf“ wurde in nur vier Tagen aufgenommen. Es enthielt auch den als Single ausgekoppelten Song „Born to be Wild“, der zum Soundtrack des Films „Easy Rider“ gehörte und der Band einen weltweiten Erfolg bescherte. Das Lied enthielt die Textzeile „I like smoke and lightning/heavy metal thunder“, die angeblich dem Musikgenre Heavy Metal seinen Namen gegeben haben soll.

Steely Dan

Steely Dan ist ein US-amerikanisches Jazz-Rock-Duo, das von Donald Fagen und Walter Becker gegründet wurde. Die beiden Musiker hatten sich während ihres Studiums am Bard College in New York kennengelernt. In den 1970er-Jahren gehörte die Band zu den erfolgreichsten Musikgruppen. Zum Leidwesen ihrer Fans waren Steely Dan häufig nur über UKW zu hören, aber viel zu selten in Konzertsälen. Denn die Band existierte im Wesentlichen nur im Studio, wohin Fagen und Becker sich für ihre Plattenaufnahmen exzellente Musiker holten. Zu ihren größten Hits gehörten „Do It Again“, „Reeling in the Years“, „Hey Nineteen“ und Rikki Don’t Lose That Number“, das im Intro den Pianisten Horace Silver zitiert. Die Musik ist eine spannende Melange aus Rock, Funk, R&B, Jazz und Pop.

Der Bandname ist dem Roman „Naked Lunch“ des US-Schriftstellers William S. Burroughs entliehen, der zu den wichtigsten Autoren der Beat Poets zählt. In der literarischen Vorlage bezeichnet ein „Steely Dan“ einen Dildo aus Stahl. Ein Name, der perfekt zu den kantigen Arrangements der Band und Fagens oft zynischen und sarkastischen Texten passte. 

Standardbild
Hans Kaltwasser
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