Filmtipp – Women Without Men

Teheran im Jahr 1953: Die demokratisch gewählte Regierung des iranischen Ministerpräsidenten Mohammed Mossadegh gerät unter massiven Druck der Amerikaner und Briten, weil sie beschließt, die Ölindustrie des Landes zu verstaatlichen.

Während CIA und SIS den Schah unterstützen und einen Militärputsch anzetteln, engagiert sich Munis, um die demokratischen Kräfte des Landes zu stärken. Doch ihr religiös-orthodoxer Bruder Amir verbietet ihr jegliche politische Betätigung und will sie stattdessen zur Heirat zwingen.

Munis’ beste Freundin, die naive Faezeh, versteht zunächst nicht, warum Munis so unter der Aussicht auf eine Ehe leidet. Sie selbst könnte sich durchaus vorstellen, Munis Bruder Amir zu heiraten. Zur gleichen Zeit flieht die magersüchtige Prostituierte Zarin aus dem Bordell, als sie eine Zwangsvorstellung entwickelt und statt der Gesichter der Freier nur noch entstellte Schlünde sieht.

Und schließlich ist da noch Fakhri, die Gattin eines ranghohen Militärs, die die Demütigungen in ihrer Ehe leid ist und versucht, sich zu emanzipieren und wieder Zugang zu ihren künstlerischen Ambitionen zu finden. Fakhri kauft ein Haus mit einem verwunschenen Garten vor den Toren der Stadt. Der Garten, der unter Fakhris Pflege aufzublühen beginnt, wird zum Refugium für die anderen Frauen, die eine nach der anderen hier Schutz suchen. Doch rasch zeigt sich, dass mit den politisch-gesellschaftlichen Rückschlägen auch der geheimnisvolle Garten seine Blüte verliert und die Freiheitsträume der Frauen zerstört werden.

„Women Without Men“ ist das Spielfilmdebüt der weltbekannten bildenden Künstlerin Shirin Neshat, die sich in ihren Fotografiearbeiten und Videoinstallationen immer wieder mit der Rolle der Frauen in den muslimischen Gesellschaften beschäftigt hat.

Zur ARTE-Sendung
Women Without Men
9: Munis (Shabnam Tolouei) und Faezeh (Pegah Ferydoni) fliehen vor den Wirren des Staatsstreichs ins Umland von Teheran
© Martin Gschlacht/Essential Film Foto: ZDF

Der Film verbindet eine im Westen wenig bekannte, für den Iran allerdings konstitutive politische Affäre – den Sturz des ersten demokratisch gewählten Staatsoberhauptes durch vom Schah unterstützte Militärs – mit der fantastisch-allegorischen Bildwelt in einem geheimnisvollen Garten. Die konkrete politische Situation steht der allegorischen Welt des scheinbar unendlichen und sich unvermittelt wandelnden Gartens gegenüber. Doch der Garten, in dem die Frauen der Erzählung all das finden, was ihnen in der Gesellschaft vorenthalten bleibt, erweist sich als nicht immun gegen die Einflüsse von außen.

Der Film setzt mit schwelgerischen Bildern die Wünsche und Träume der Frauen in Szene, die in einer von politischer Gewalt und restriktiven patriarchalen Strukturen geprägten Gesellschaft leben. Er ist damit hochaktuell, auch wenn es um einen historischen Staatsstreich geht.

Shirin Neshat gewann für die Regie des Films bei den Filmfestspielen Venedig 2009 den „Silbernen Löwen“; Außerdem wurde ihr der „UNICEF Award“ zuerkannt, sowie zahlreiche weitere Preise.

Kameramann Martin Gschlacht gewann für seine perfekt komponierten Bilder einen der wichtigsten Kamerapreise des Jahres 2010 – den Preis der Manaki Brothers beim Bitola Filmfest. Auch der Score des Filmmusik-Veterans Ryûichi Sakamoto („Furyo – Merry Christmas, Mr. Lawrence“, „Der letzte Kaiser“, unter anderem) trägt wesentlich zur traumwandlerischen Schönheit des Films bei.

Regie: Shirin Neshat / Shoja Azari
Drehbuch:Shirin Neshat / Shoja Azari

Spielfilm | 94 Min.|Online verfügbar vom 01.04.2026 bis 30.06.2026 auf ARTE

Titelbild: © Martin Gschlacht/Essential Film Foto: ZDF

Ingrid
Ingrid

Kunst und Kultur, Musik und Bücher, ohne sie ist ein Leben denkbar, aber für mich sinnlos. Darum habe ich diesen Blog ins Leben gerufen. Es macht viel Spaß, ihn zu gestalten - ich hoffe, den Usern, ihn zu lesen.
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