FilmTipp: WIR GLAUBEN EUCH

Die Trennung der Eltern ist immer, auch wenn sie gegenseitig mit Respekt und Freundschaft geschieht, für Kinder emotional. Jedoch im Film „Wir glauben Euch“ steht die Mutter Alice (Myriem Akheddiou) im Zentrum eines Gerichtsverfahrens, das sich um häusliche Gewalt und den Schutz ihrer Kinder dreht.

Bereits die in der Anfangssequenz des Films dargestellte Szene reflektiert die Stress- und Angstreaktion in ihrem Gesichtsausdruck, während Alice bemüht ist, ihren Sohn Etienne zu überzeugen, gemeinsam mit ihr und seiner Schwester vor Gericht zu erscheinen. Dort findet ein Anhörung vor einer Jugendschutzrichterin statt.

Die Eltern vor der Jugendschutzrichterin ©2026 eksystent Filmverleih

Alice größte Herausforderung besteht darin, vor Gericht die Rechte und Ängste ihrer Kinder hörbar zu machen und für deren Sicherheit einzustehen. Dabei muss sie nicht nur gegen den Vater (Laurent Capelluto) ihrer Kinder aussagen, sondern gerät selbst ins Visier der Justiz. Diese doppelte Belastung – der Kampf um Gerechtigkeit für ihre Kinder und die eigene Verteidigung gegen Vorwürfe – strengt sie an und fordert ihre ganze Kraft.

Alice hatte ihren Kindern versprochen, dass sie dort ihrem Vater im Gericht nicht begegnen würden. Entsprechend ärgerlich wird sie, als der Vater in unmittelbarer Nähe der Kinder ebenfalls auf das Verfahren wartet. Dem Vater wird vorgeworfen, seinen zehnjährigen Sohn missbraucht zu haben.

Myriem Akheddiou (Alice), Laurent
Capelluto (Vater), und Marion de Nanteuil (Anwältin des Vaters), ©2026 eksystent Filmverleih

Vor der Richterin kämpft Alice darum, dass die Stimmen und Erlebnisse ihrer Kinder ernst genommen werden. Doch auch sie selbst wird vom Vater und der Justiz kritisch hinterfragt und muss sich gegen Anschuldigungen verteidigen. Der Film zeigt, wie Alice zwischen Schuldgefühlen, Zweifeln und dem verzweifelten Versuch, das Richtige zu tun, hin- und hergerissen wird.

„WIR GLAUBEN EUCH“ (On vous croit) von Charlotte Devillers und Arnaud Dufeys wirkt wie ein Kammerspiel. Die Reihenfolge der Befragungen, die Antworten der Beteiligten und die Gewissheit, dass die Gegenpartei sich gänzlich anders äußern wird, und schließlich die Reaktionen der Richterin im Vorfeld ihrer Urteilsverkündigung bauen Spannung auf. Die Gesichter der Befragten stehen im Fokus und zeigen die emotionalen Regungen, die besonders bei Alice zum Ausdruck kommen.
Schritt für Schritt enthüllen die Aussagen keine eindeutige Erzählung, sondern aus den verschiedenen Perspektiven muss die Richterin entscheiden, wem sie glaubt und welche Schlüsse sie daraus zieht, die für die Kinder die beste Lösung versprechen.

Authentisch und klar fängt das Filmdrama ein Thema ein, das von großer gesellschaftlicher Relevanz ist. Lange und komplizierte juristische Regeln sorgen im Film wie in der Realität für langandauernde Verfahren, die für Eltern und Kinder gleichermaßen schwierig sind. Ein bewegender, wichtiger Film, der unmissverständlich deutlich macht, dass Eltern und Kinder mehr Unterstützung und Hilfe in solchen schwerwiegenden Lebenslagen brauchen.

„Wir glauben Euch“ Spielfilm | Regie: Charlotte Devillers & Arnaud Dufeys

Seit dem 7. Mai hier in den Kinos zu sehen

„Wir glauben euch“ feierte seine Premiere auf der Berlinale 2025 in der Reihe Perspectiven, wo er eine Special Mention der Jury erhielt. Bei den René du Cinéma Awards 2026 – den wichtigsten Filmpreisen des französischsprachigen belgischen Kinos – wurde der Film mit acht Preisen ausgezeichnet, darunter Bester Film, Beste Regie, Bestes Drehbuch und Beste Schauspielerin (Myriem Akheddiou).

Alle Fotos: Copyright ©2026 eksystent Filmverleih

Ingrid
Ingrid

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