Filmtipp – DogMan von Luc Besson

Eine Polizeistreife hält nachts irgendwo auf den Straßen New Jerseys einen Kleintransporter an. Die Polizisten sind auf der Suche nach einem möglicherweise bewaffneten Mann, der im Verdacht steht, eine Reihe von Morden und scheinbar zusammenhangslosen schweren Einbrüchen begangen zu haben. Auf dem Fahrersitz befindet sich ein verwirrt wirkender Mann mit grell weiß geschminktem Gesicht, der eine verwaschene blonde Perücke und ein zerrissenes, ärmelloses rosa Seidenkleid trägt. Hinten auf der Ladenfläche kauert ein Rudel Hunde aller möglichen Rassen und Größen. „Sie werden Ihnen nichts tun, solange Sie mir nichts tun“, warnt der Gesuchte den Polizisten, als dieser den Fahrer auffordert auszusteigen.    

DogMan (Caleb Landry Jones)© Capelight Pictures

Das ist die Anfangssequenz des düsteren Thrillers DogMan, der heute in die deutschen Kinos kommt. Luc Besson hat ihn gemacht, der auch das Drehbuch geschrieben hat. Vor allem in den frühen Filmen des französischen Regisseurs wie „Subway“, „Léon – der Profi“, „Im Rausch der Tiefe“ oder „Nikita“ sind seine Helden häufig schräge Außenseiter oder Menschen, die am Rande der Gesellschaft leben. Auch Douglas Munrow oder Doug, der Protagonist ist ein Außenseiter. Im Untersuchungsgefängnis, in das er überstellt wird, erzählt er der Kriminalpsychologin Evelyn seine lange und schreckliche Lebensgeschichte. Als Kind wird er von seinem Vater misshandelt, einem gewalttätigen Widerling, der ihn zu seinen Kampfhunden in einem Zwinger einsperrt. Doch die Hunde fallen nicht über ihn her, sondern werden zu seinen treuesten Gefährten im Leben.

Später schießt sein Vater mit einer Schrotflinte auf ihn und macht ihn zu einem Schwerstbehinderten, der von der Hüfte abwärts gelähmt ist und im Rollstuhl sitzt. Doug wandert von einer Pflegefamilie zur nächsten. Dank Salma, einer jungen Schauspielerin, lernt er, den Missbrauch, den er als Kind erlitten hat, durch Rollenspiel und Verkleidung zu überwinden. Salma wird ihn auch Jahre später dazu bringen, als Dragqueen auf der Bühne zu stehen.

Kriminalpsychiaterin Evelyn (Jojo T. Gibbs) im Gespräch mit DogMan Foto © Capelight Pictures

Als Erwachsener verschafft das Sozialamt Doug zunächst eine Anstellung in einem Hundeheim. Doch wegen massiver Beschwerden aus der Nachbarschaft schließt die Einrichtung und er steht vor dem Nichts. Und so beginnt die schmerzhafte Verwandlung von Doug in den DogMan, einen krassen sozialen Außenseiter, der sich in einem heruntergekommenen verlassenen Schulgebäude mit seinen Hunden verschanzt, die er zu dazu ausbildet, die Häuser der Wohlhabenden in der Nachbarschaft auszurauben. Als er einem jungen Mann hilft, sich gegen die Erpressungsversuche eines lokalen Mafiabosses zu wehren, hat Dougs Eingreifen schlimme Folgen und das Verhängnis nimmt seinen Lauf.

An Einfällen zu dieser düsteren, comicartigen Geschichte fehlt es diesem Film, zu dem Besson durch eine Zeitungsmeldung inspiriert wurde, wahrlich nicht. Verstörende Charakterstudie versetzt mit Elementen eines Heist-Thrillers, blutiger Horror, Action-Komödie à la „Kevin allein zu Haus“ mit einem Hauch Romantik: DogMan ist ein wilder Parforceritt durch die unterschiedlichsten Genres.  Und dennoch hat man bei diesem großartigen, berührenden Film, der immer wieder überraschende Wendungen macht, nicht das Gefühl, dass es sich um einen Fleckenteppich aus zusammengestückelten Teilen handelt, die eigentlich nicht zusammenpassen. Das liegt vor allem an seinem überragenden, charismatischen Hauptdarsteller Caleb Landry Jones, der es mühelos schafft, die Antinomie aus erbarmungsloser Nemesis und sanftmütigem Hundeflüsterer zusammenzufügen.  

Fotos. © Capelight Pictures

Standardbild
Hans Kaltwasser
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