Film-Review: Fisherman’s Friends 2 – Eine Brise Leben

Das zweite Album nach einem erfolgreichen Debüt ist verflucht schwierig, besagt ein in der Musikindustrie häufig kolportiertes Klischee. Dass die Fortsetzung einer romantischen Kinokomödie kommerziell entbehrlich ist, behauptet eines der Filmbranche. Mythos oder Realität? Nick Moorcroft und Meg Leonard haben sich von solchen Spekulationen nicht abschrecken lassen, einen Nachfolger von FISHERMAN’S FRIENDS – VOM KUTTER IN DIE CHARTS zu machen, jener gut gelaunten, harmlosen Kinokomödie aus dem Jahre 2019, die auf einer wahren Begebenheit basierte: Eine Gruppe Shanty begeisterter Kumpel aus dem beschaulichen Fischernest Port Isaac in Cornwall, die zum größten Vergnügen und füreinander singen, werden von einem Plattenproduzenten in ihrem Pub entdeckt, machen als Fisherman’s Friends ein meilenweit vom gängigen Pop entferntes Album und mischen die britischen Charts kräftig auf.  Einer der größten Reize des tatsächlichen Shanty-Chors war seine Authentizität. Es war daher schade, dass der Originalfilm den etwas faden Beigeschmack einer fabrikmäßig hergestellten britischen Wohlfühlkomödie hatte. Leider gilt das auch für die Fortsetzung.

Ein Interviewtag der besonderen Art: In feuchtfröhlicher Runde bringen die „Fisherman’s Friends“
die versammelte englische Musikpresse zum Kochen. © Splendid Film

FISHERMAN’S FRIENDS 2 – EINE BRISE LEBEN, der heute in die Kinos kommt, nimmt die Geschichte etwa ein Jahr nach den Ereignissen des ersten Teils wieder auf. Jim, Rowan, Leadville und ihre Freunde singen noch immer, genießen aber auch den lokalen Ruhm und das bescheidene Vermögen, das ihnen der Erfolg in den Charts beschert hat. Eigentlich will die Plattenfirma ein zweites Album mit der Gruppe machen. Aber Jims Trinkerei droht die Band aus der Bahn zu werfen und das gerade in einem Augenblick, als sie Stabilität und Einigkeit am meisten brauchen. Zudem gibt es weitere Probleme, als Leadville nach einem Konzert sexistische Bemerkungen gegenüber einer Journalistin macht.

Für Jims verstorbenen Vater wird Morgan (Richard Harrington) als Ersatz gecastet, doch Jim mag den Neuen nicht, obwohl er eine großartige Stimme hat, und das führt zu weiteren Turbulenzen. Ein Medientrainer versucht der Band vergeblich das Einmaleins erfolgreicher öffentlicher Kommunikation beizubringen. In der Pension von Jims Mutter taucht die geheimnisvolle Aubrey (Imelda May) auf, ein ehemaliger Popstar auf der Flucht vor dem Showbusiness. Ihre gereizten Wortgefechte mit Jim lassen ahnen, dass die beiden schon bald eine angenehmere Form des Verkehrs finden werden.

Ein Hoch auf die Liebe: Auf dem Glastonbury Festival geben Jim (James Purefoy) und Aubrey (Imelda May) ein perfektes Paar ab. © Splendid Film

Wie schon der erste Teil von FISHERMAN’S FRIENDS wirbt auch sein Nachfolger sehr stark dafür, gemocht zu werden. Und er versucht, die Grenze zwischen Nostalgie und Rückwärtsgewandtheit auszutarieren, von der der Humor und der Erfolg des Films abhängen. Und wie schon sein Vorgänger gelingt ihm das mehr oder weniger gut. Es passiert absolut nichts, was man nicht schon anhand des Trailers erahnen könnte, aber der Weg zum unvermeidlich krönenden Triumph der stimmgewaltigen Freunde ist größtenteils fröhlich und unterhaltsam. Dave Johns, James Purefoy, Jade Anouka, Maggie Steed und die anderen und selbst die Musikerin Imelda May sind alle gut. Wie bei einem schlechten zweiten Album gibt es jedoch auch hier viel Füllmaterial und ein paar Minuten, auf die man hätte verzichten können. Dennoch hat FISHERMAN’S FRIENDS 2 – EINE BRISE LEBEN gerade genug gute Momente, um den Erfolg des ersten Films zu wiederholen.


Fotos:© Splendid Film

Standardbild
Hans Kaltwasser
Artikel: 423

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