Schon seit den ersten Tagen der Philosophie grübeln kluge Köpfe von Platon bis Kant darüber, wie Schönheit unser Erleben prägt und ob sie die Macht besitzt, unseren Geist zu verwandeln. Es sieht ganz danach aus, denn eine Studie aus Cambridge zeigte auf, dass schöne Kunstgegenstände den Blick fürs große Ganze schärfen und den Geist abstrakt denken lässt. Die aktuelle Studie umfasste 187 Personen.
Die Forscher entdeckten, dass jene Studienteilnehmer, die sich ganz auf die Schönheit einer Keramikausstellungsobjekte einließen, in höhere psychologische Sphären eintauchten. Sie konnten „über das Hier und Jetzt hinaus“ denken und fühlten sich oft erleuchtet, bewegt oder gar verwandelt. Dies wurde mit Teilnehmern verglichen, die lediglich gebeten wurden, die Kunstobjekte aufmerksam zu betrachten, um sie einer Reihe von Strichzeichnungen zuzuordnen.
Keramik an Stelle eines prächtigen Gemäldes eines alten Meisters hatte den Vorteil, dass diese Kunst in ihrer Form subtil ist und eine konzentrierte Betrachtung der Natur der Schönheit erfordert, so die Forscher.
Es wurden zwei Gruppen gebildet – die „Schönheitsgruppe“ sollte aktiv über die Schönheit jedes Keramikobjekts nachdenken und diese dann bewerten, während die zweite Gruppe lediglich eine Strichzeichnung des Objekts dem Kunstwerk selbst zuordnen musste.
Im Anschluss wurde getestet, ob die Teilnehmer Informationen lieber auf praktische oder abstrakte Art verarbeiten – ein spannender Einblick in ihre Denkweise! Heißt „einen Brief schreiben“ wirklich nur, den Stift aufs Papier zu setzen, oder steckt dahinter das Teilen von Gedanken? Was bedeutet eigentlich „wählen gehen“ – nur den Stimmzettel ausfüllen oder vielleicht auch die Wahl beeinflussen?
„Diese Tests sollen messen, ob eine Person unmittelbar und prozedural denkt, wie wir es oft in unserem Alltag tun, oder ob sie sich auf die tiefere Bedeutung und das Gesamtbild ihrer Handlungen einstellt”, sagte Dr. Elzė Sigutė Mikalonytė, Hauptautorin der Studie und Forscherin am Department of Psychology der Universität Cambridge.
„Viele Philosophen haben im Laufe der Geschichte die These aufgestellt, dass die Auseinandersetzung mit ästhetischer Schönheit einen besonderen psychologischen Zustand hervorruft”, sagte Prof. Simone Schnall, leitende Autorin der Studie und Professorin für experimentelle Sozialpsychologie in Cambridge.
„Unsere Forschung zeigt, dass die Auseinandersetzung mit der Schönheit der Kunst das abstrakte Denken verbessern und eine andere Denkweise als unsere alltäglichen Denkmuster fördern kann, wodurch wir in einen expansiveren Geisteszustand versetzt werden.”
„Dies wird als psychologische Distanzierung bezeichnet, wenn man sich aus den mentalen Fesseln des Alltags befreit und sich mehr auf das Gesamtbild konzentriert.” „Der Besuch eines Kunstmuseums ist nicht nur eine angenehme Art, einen Nachmittag zu verbringen, sondern kann tatsächlich unsere Sichtweise auf unser Leben verändern“, so Schnall, die auch Direktorin des Cambridge Body, Mind, and Behaviour Laboratory ist.
Auf ins Museum, um unseren Geist anzuregen
Heutzutage schalten wir immer seltener ab und lassen unsere Gedanken einfach treiben – und genau in diesen Momenten sprengt unser Denken die Grenzen unseres Horizonts. Die Schönheit der Kunst zu bewundern, könnte der perfekte Funke sein, der unsere abstrakten Gedanken in einer Welt voller Bildschirme und Smartphones wieder zum Leben erweckt.
Journal Empirical Studies of the Arts / DOI 10.1177/02762374251337699







