Den Jazz zu begreifen, ohne die Jazz-Queen Ella Fitzgerald zu erwähnen? Undenkbar! Sie wuchs mit der Musik von Bing Crosby und Louis Armstrong auf und liebte insbesondere die Boswell Sisters. Wobei Connee Boswell eines ihrer wichtigsten Vorbilder wurde. Die Liste ihrer Alben während ihrer langen Karriere ist überwältigend.
Nun ist ein neues Album erschienen mit Live-Aufnahmen zweier außergewöhnlicher Konzerte im Falkoner Centre in Kopenhagen vom 6. Februar 1966. Lange Zeit galten diese Aufnahmen als verschollen. Dank Gearbox Records und dessen Leiter Darrel Sheinman konnte dieses Dokument ihrer Spätkarriere gerettet werden und ist heute, am 24.7. via Gearbox Records auf CD und LP erschienen. Die Aufnahmen zeigen eine Ella Fitzgerald, die – frei von dem Druck einer offiziellen Album-Produktion – mit einer besonderen Leichtigkeit und „lively“ Energie auftritt. Begleitet wird sie dabei von der Horn-Section des Duke Ellington Orchestras sowie dem Jimmy Jones Trio.
Die Aufnahmen konservieren eine spezifische Atmosphäre, da Kopenhagen für Ella Fitzgerald eine weit größere Bedeutung besaß als lediglich ein Zwischenstopp ihrer Tournee. Sie trat dort bereits seit 1952 regelmäßig auf und besaß sogar ein Apartment im nahegelegenen Klampenborg. In Dänemark erfährt sie, ähnlich wie zahlreiche schwarze Jazzmusiker in jener Epoche, ein Maß an Respekt und Freiheit, das ihr in den Vereinigten Staaten häufig verwehrt blieb.
Die letzten drei Titel, „Só Danço Samba“, „I’m Just a Lucky So-and-So“ und „Mack the Knife“, stammen aus einem früheren Nachmittagsprogramm, bei dem nur das Jones-Trio mitwirkte. Die beiden Abende weisen erhebliche Überschneidungen im Programm auf, doch während Stockholm den Duke bekommt, kommt Kopenhagen in den Genuss von „Mack the Knife“. Ella machte diesen Song im Februar 1960 in West-Berlin zu ihrem Markenzeichen, als sie mitten in der Darbietung den Text vergaß und sich mit Scat-Gesang und guter Laune aus der Affäre zog.
Sechs Jahre später in Kopenhagen zeigt sie mit Gus Johnson am Schlagzeug (der schon in Berlin dabei war), dass sie den Song nach wie vor meisterhaft beherrscht.
Das Live-Album stellt für alle Liebhaber*innen des Jazz ein unverzichtbares Werk dar. Es schließt eine Lücke in der Diskografie einer Frau, die als „The First Lady of Song“ Musikgeschichte schrieb.
Ella Fitzgerald Live at Falkoner Theatre Copenhagen 6th February 1966
Tracklist:
- Satin Doll
- Wives and Lovers (by Burt Bacharach)
- Something To Live For
- Let’s Do It, Let’s Fall In Love
- Sweet Georgia Brown
- How High The Moon Focustrack
- Lover Man (Oh Where Can You Be?)
- Só Danço Samba (Jazz ’n‘ Samba)
- I’m Just A Lucky So-And-So
- Mack The Knife







