Elise LeGrow – neues Album GRATEFUL

Mit ihrem ersten Album „Playing Chess“ aus dem Jahre 2018, das aus mitreißenden Coverversionen legendärer Songs von Etta James bis Chuck Berry bestand, hat sich die kanadische Musikerin Elise LeGrow einen Namen gemacht. Kritiker rühmten ihre markante Stimme ebenso wie die lässige, groovende, elektrisierende Mischung aus Retro-Soul, Pop und modernen R&B.

GRATEFUL heißt LeGrows neues, am 11.2.2022 erschienenes Album, das in mancher Hinsicht anders als das Debüt ist. Produziert wurde es u. a. von Grammy-Preisträger Theron Feemster, der schon mit prominenten Musikern wie Michael Jackson, Mary J. Blige, Eminem, Dr. Dre, Justin Bieber und anderen gearbeitet hat. Mit seinen gesampelten Drums, Stimmeffekten und geschmeidigen Synthesizer-Linien klingt das Album sehr viel moderner als sein Vorgänger.

Alle sieben Songs, in denen die Musikerin ihre persönlich geprägten Geschichten erzählt, stammen aus ihrer eigenen Feder. Unverändert ist dagegen die unverkennbar bluesige und gefühlvolle Stimme der Kanadierin, die bisweilen unerwartet in eine ungeschliffene Ruppigkeit umschlägt – eine Qualität, die sich wohl aus ihrer Zeit bewahrt hat, als sie noch mit ihrer Rockband durch ihre Heimat tourte.

GRATEFUL eröffnet mit heiteren, beschwingten Melodien, die einen erfrischenden Wohlfühl-Vibe verströmen.

Knackiges Schlagzeug, fröhliche Harmonien und rhythmisches Klatschen in den Songs „Feel Alright“ und „Forever“ vermitteln eine rundum optimistische Botschaft. Wir leben im hier und jetzt, man muss sich gerade nach persönlichen Krisen und Niederschlägen auf die Gegenwart konzentrieren, um zu versuchen, sich wieder gut zu fühlen.

„Forever is such a long,long time / So we better know it’s genuine / But whether this is wrong or right / All we can do is try“,

heißt es im Stück „Forever – eine Mahnung, dass das Leben kurz ist und man Entscheidungen treffen kann, auch ohne sie in all ihren möglichen Konsequenzen zu analysieren. 

Im Song „Drinking In The Day“ erinnert LeGrow daran, dass wir akzeptieren müssen, verletzlich zu sein und wir uns anderen gegenüber öffnen müssen, wenn wir das Bedürfnis dazu haben. Andernfalls drohen uns unsere Dämonen – in diesem Fall Alkohol – zu verschlingen.

Über ihre eigene Verletzlichkeit singt LeGrow in der eindringlichen Ballade „Grateful“, in der sie ihre Dankbarkeit all jenen geliebten Menschen gegenüber ausdrückt, die ihr in schweren Zeiten beistanden und ihr halfen, wieder Boden unter den Füßen zu bekommen.

“I never said I was great, but I’m grateful (grateful) / Oh, I know that I coulda been gone / Can’t say that I was never wrong / But that makes me grateful”.

In der schwelenden Ballade „Evan“ beklagt LeGrow den tragischen Verlust eines Freundes, der vor über einem Jahrzehnt ermordet wurde und dessen Tod bis heute ungeklärt ist.

Während man Elise LeGrow bislang als ausdrucksstarke Interpretin legendärer Chess Records Klassiker kannte, profiliert sie sich auf ihrem aktuellen Album GRATEFUL zum ersten Mal als talentierte Autorin mit überzeugendem eigenen Material. Ihr stärkstes Kapital ist dabei erneut ihr gefühlvoller, ausdrucksstarker und dynamischer Gesang, mit dem sie sich auf den eingängigen, clever produzierten Songs austoben kann. Wenngleich sich Elise Le Grow in ihren Texten mit schwierigen Themen auseinandersetzt, beginnt und endet GRATEFUL mit leichten, verspielten Melodien, mit denen die Musikerin offensichtlich ihre wiedergefundene Lebensfreude nach Jahren den Depression und Niederschlägen zelebriert.    

Grateful ist bei Awesome Music/S-Curve Records/BMG erschienen

Hans Kaltwasser
Hans Kaltwasser
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