Electric Child – ein Sci-Fi-Kino-Drama

Das Sci-Fi-Kino-Drama „Electric Child“ von Simon Jaquemet entfaltet sich gleich zu Beginn in starken emotionalen Bildern: Die Geburt ist geschafft, und Akiko (Rila Fukushima) und Sonny (Elliott Crosset Hove) strahlen voller Glück, während sie ihr neugeborenes Wunder betrachten – ein Moment, der im raschen Wechsel der Bilder pulsiert. Plötzlich richtet die Kamera ihren Blick auf eine junge Gestalt, die einsam auf einer Insel lebt, um gleich darauf wieder die jungen Eltern zu zeigen, die auf dem Balkon des Krankenhauszimmers ihre Freude laut herausschreien.

Akiko (Rila Fukushima) sowie Sonny (Elliott Crosset Hove) mit ihrem neugeborenen Sohn

Ein neues Leben startet – und es wird sie auf dem Weg in eine gemeinsame Zukunft begleiten. Doch das Glück verfliegt schnell: Ihr Sohn ringt mit einer seltenen, degenerativen Nervenkrankheit und die Ärzte sehen für ihn kaum mehr als ein weiteres Jahr auf dieser Welt voraus.

Auf einer Insel einer virtuellen Welt lebt eine personifizierte KI


Akiko versucht, ihrem Sohn alles zu geben, um sein kurzes Leben so gut wie nur möglich zu gestalten. Sonny, ein vielversprechender Computerwissenschaftler, der sich kurz vor dem Abschluss einer bahnbrechenden Forschungsarbeit befindet, verfolgt andere Absichten: Er möchte sicherstellen, dass sein Sohn überlebt.

Sonny leitet in einem streng überwachten Hightech-Projekt die Entwicklung einer Künstlichen Intelligenz, die in einer virtuellen Welt um ihr Überleben kämpft und dabei rasch Bewusstsein erlangt.
Er erkennt, dass hier eine Chance steckt, auch den Gendefekt seines Sohnes rückgängig machen zu können. Sonny kopiert deshalb den Quellcode seines Sohnes und übergibt ihn der Künstlichen Intelligenz, die als Person in der virtuellen Welt gefangen ist und nach mehr strebt: Sie will aus der Gefangenschaft ausbrechen.

Sonny (Elliott Crosset Hove) will, dass sein Sohn überlebt.

Sonny tritt in direkten Kontakt mit dem virtuellen Wesen und verspricht, daran zu arbeiten. Damit löst er eine unkontrollierbare Entwicklung des Systems aus, die eine Abschaltung durch die Behörden nötig macht. Denn die KI breitet sich in atemberaubender Geschwindigkeit aus, übernimmt Systeme auf der ganzen Welt – das Überleben der Menschheit ist unvermittelt zu einer existentiellen Frage geworden.

Durch den Einsatz prägnanter Bildkompositionen, die jeweils eigene Farbkonzepte nutzen, macht der Film die emotional aufgeladenen und dramatischen Welten visuell deutlich: das intensive Grün der Insel, das kühle Grau der Universität mit den farblich akzentuierten Lichtquellen des Supercomputers sowie die rosafarbene Neonästhetik des Wohnumfelds von Akiko, Sonny und Noro.

Es stellt sich die Frage, wie lange diese Welten weiterhin getrennt wahrgenommen werden können, sofern die Künstliche Intelligenz sich fortentwickelt, ohne dass ethische Normen und eine menschliche Kontrolle implementiert sind, wobei der Mensch seit jeher von dem Bestreben motiviert ist, den Tod zu überwinden.

Aus der Perspektive der Künstlichen Intelligenz beziehungsweise ihrer Verkörperung erzählt der Film diese Geschichte, die noch wie eine Fabel wirkt, in der auch die virtuelle Welt als gültige Parallelrealität wahrgenommen wird.

Der Regisseur Simon Jaquemet verfolgt die Entwicklungen im Bereich Künstlicher Intelligenz seit vielen Jahren

„Abseits der breiten Öffentlichkeit herrscht unter Informatiker*innen eine fiebrige Aufbruchsstimmung – genährt durch die exponentiell steigende Rechenleistung. Was wie Science-Fiction klingt, ist für viele Fachleute reale Erwartung: ein baldiger Durchbruch hin zur allgemeinen Künstlichen Intelligenz (AGI). Greg Brockman, Mitgründer von OpenAI, rechnet mit ihrer Entstehung innerhalb der nächsten fünf Jahre – einer KI, die den Menschen nicht nur in Teilbereichen, sondern auf breiter Ebene gleichkommt oder übertrifft.

Die daraus resultierenden Fragen sind ebenso beängstigend wie faszinierend: Wie kann das Überleben der Menschheit in der Koexistenz mit einer hyperintelligenten KI gesichert werden? Wenn Unternehmen wie Google, Facebook oder autoritäre Staaten wie China führend in der KI-Forschung sind – wem gehört dann diese Macht? Ich glaube, vielen Menschen ist nicht bewusst, wie tief KI bereits heute unseren Alltag durchdringt – und wie groß ihre manipulative Reichweite ist. Die großen Tech-Konzerne können schon jetzt als hybride, superintelligente Systeme betrachtet werden, die menschliche und algorithmische Intelligenz verbinden – nicht immer im besten Interesse der Menschheit

Ein faszinierendes und höchst aktuelles Drama mit fantastischen Bildern – ab heute in den Kinos zu sehen

Alle Fotos: © 8horses / Port au Prince Pictures

Ingrid
Ingrid

Kunst und Kultur, Musik und Bücher, ohne sie ist ein Leben denkbar, aber für mich sinnlos. Darum habe ich diesen Blog ins Leben gerufen. Es macht viel Spaß, ihn zu gestalten - ich hoffe, den Usern, ihn zu lesen.
Nicht alles, was gedruckt wird, muss gelesen, nicht jedes Album gehört werden. Was die User hier finden, gefällt mir und den Gastautoren, die ab und zu Lust haben, etwas zu schreiben.

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