Einfach grün – wie Städte grüner werden

Wie schnell und locker jemand geht, das sogenannte Schrittmuster, hängt davon ab, wie wohl sich die Person in ihrer Umgebung fühlt. Wissenschaftler der Universität Bristol haben herausgefunden, dass Menschen, die sich in einer städtischen Umgebung wohl fühlen, genauso regelmäßige Schrittmuster haben wie Menschen, die sich in der Natur bewegen.

Die in der Zeitschrift PLoS One veröffentlichten Ergebnisse zeigen, dass der Schlüsselfaktor einer Umgebung nicht nur die Qualität der natürlichen Umgebung ist, sondern auch die Frage, wie wohl sich die Menschen in ihr fühlen. Das bedeutet, dass eine gut gestaltete, grüne städtische Umgebung für Konzentration und Aufmerksamkeit ähnlich förderlich sein kann wie eine natürliche Umgebung.*

Es grünt so grün in der Stadt

Ein guter Ansatzpunkt, der sich zudem umsetzen lässt. Das zeigt die Ausstellung “Einfach grün – Greening The City” im Bürgerpark Düsseldorf genau gegenüber dem NRW-Landtag. Hausfassaden, Dächer, Balkone können mehr Grün vertragen; die städtische Umgebung wird dadurch nachhaltiger und ökologischer. Doch welcher Raum sollte für die Natur und das Grün zukünftig in unseren Innenstädten gewährleistet sein? Hausfassaden, Dächer, Balkone und manch steinerner Hinterhof sind unsere letzten Grünreserven. In Deutschland werden diese Flächen allerdings bislang viel zu wenig genutzt, insbesondere die Möglichkeiten begrünter Fassadenhüllen.

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Weltweit realisierte Grüngebäude von Düsseldorf (Kö-Bogen II) über Mailand (Bosco Verticale) bis Vietnam (Urban Farming Office) zeigen bereits erprobte bis völlig neue Entwicklungen. Viele dieser Lösungen
bewegen sich auf einem High-Tech-Level, aber es gibt auch mit passenden Mitteln und Methoden
erstaunliche Low-Tech-Lösungen mit großer Wirkung. Insgesamt sind in der Ausstellung 17 historische Beispiele zu sehen, zusätzlich präsentiert werden 19 internationale Großprojekte.

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Verwaltungsgebäude von kadawittfeldarchitektur für die RAG-Stiftung und RAG
Aktiengesellschaft auf dem UNESCO-Welterbe Zollverein in Essen. Entwurf: kadawittfeldarchitektur.
Foto: Nikolai Benner


Grüne Garagen und vertikale Bepflanzung

Die Düsseldorfer Ausstellung wird bereichert durch anschauliche Beispiele für eine vertikale
Bepflanzung, mit unterschiedlichen Systemen und gut geeigneten Pflanzen. Hausdächer zu begrünen,
hat eine große Wirkung, aber auch Garagen- oder Bushaltestellen lassen sich sehr einfach bepflanzen. Hierbei reicht das Spektrum von intensiver bis zu extensiver Begrünung.

Was bei der Begrünung von alten Häusern zu beachten ist, wie Grünpflanzen wirksam das ökologische und klimatische Geschehen beeinflussen und wie Neubauprojekte gezielt begrünt werden, wird über Informationstafeln erklärt und an Beispielen deutlich gemacht.

Die Ausstellung, die das Museum der Baukultur Nordrhein-Westfalen präsentiert und vom Deutschen Architekturmuseum bereits 2020 konzipiert wurde, ist noch bis 17. Oktober 2021 zu sehen. Kooperationspartner sind die Landeshauptstadt Düsseldorf und dem Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW, unterstützt von ingenhoven architects.

Öffnungszeiten: täglich von 9-18 Uhr, Eintritt frei

Titelbild: Der KÖ-Bogen II in Düsseldorf von ingenhoven architects. Foto: © ingenhoven architects / HGEsch

*Paper:
‘Nature benefits revisited: differences in gait kinematics between nature and urban images disappear when image types are controlled for likeability’ in PLoS by Daria Burtan, Dr J.F. Burn and Professor Ute Leonards.

Standardbild
Ingrid
Kunst und Kultur, Musik und Bücher, ohne sie ist ein Leben denkbar, aber für mich sinnlos. Darum habe ich diesen Blog ins Leben gerufen. Es macht viel Spaß, ihn zu gestalten - ich hoffe, den Usern, ihn zu lesen. Nicht alles, was gedruckt wird, muss gelesen, nicht jedes Album gehört werden. Was die User hier finden, gefällt mir und den Gastautoren, die ab und zu Lust haben, etwas zu schreiben.
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