Ein Bild von Dir

Selbst wenn das menschliche Gesicht sich durch das Älterwerden, Schwankungen im Gewicht oder einen plötzlich sprießenden Bart verändert, schaffen es Menschen erstaunlich gut, diese Gesichter trotzdem wiederzuerkennen. Auch wenn jemand sich einer Schönheitsoperation unterzieht, können wir ihn meistens noch an seinen markanten Zügen erkennen.

Schon seit einiger Zeit tüfteln Forscher daran, wie gut wir Gesichter erkennen, wenn die entscheidenden Merkmale verschwimmen oder fehlen. Denn wenn wir das genau wissen, könnten wir Betrügern mit gefälschten Ausweisen endlich das Handwerk legen! Bislang hat noch niemand genau herausgefunden, ab wann ein Gesicht so verändert ist, dass es nicht mehr erkannt wird.

Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für biologische Kybernetik in Tübingen und an der University of East Anglia in Norwich (UK) beschäftigen sich jetzt mit dieser Frage. Sie nutzen dabei das Morphing von 3D-Gesichtern. Dieses Verfahren mixt die Merkmale von zwei oder mehr Gesichtern digital zusammen, sodass ein Bild entsteht, das wie eine coole Mischung der Originalgesichter wirkt.

Die Grenzen der Gesichtserkennung

Doch es gibt auch Grenzen. Den Studienteilnehmenden wurden Fotos gezeigt, die wie ein Puzzle aus drei verschiedenen Gesichtern zusammengesetzt waren – genau dann passierte es. Im Schnitt hat man etwa die Hälfte der ursprünglichen Gesichter richtig erkannt. Mit zunehmender Anzahl kombinierter Gesichter nahm die Erkennungsgenauigkeit ab. Auch wenn acht Gesichter durcheinander gemischt wurden, blieben die Identifikationsraten jedoch immer noch über dem, was man zufällig erwarten würde.

„Dies deutet darauf hin, dass Gesichtserkennung auch dann möglich ist, wenn man lediglich ein Achtel seiner Identitätsmerkmale zur Verfügung hat“, kommentiert Isabelle Bülthöff vom Max-Planck-Institut für biologische Kybernetik, Hauptautorin der Studie. Jenseits dieser Schwelle stößt die Erkennung jedoch an ihre Grenzen: Bei Mischungen aus zehn Gesichtern sank die Fähigkeit der Teilnehmenden, die Gesichter korrekt zu identifizieren, auf Zufallsniveau.

Darüber hinaus stellte das Team fest, dass die Versuchspersonen ihnen bekannte Gesichter in den Morphs zuverlässiger erkannten, vor allem besonders vertraute Gesichter wie die von Familienangehörigen oder Freunden. Die Ergebnisse wurden noch besser, wenn die Teilnehmenden die Originalbilder vor Augen hatten, statt sich nur auf ihre Erinnerung an die Personen zu verlassen.

Man weiß jedoch nicht, ob die Ergebnisse der Studie auch davon abhängen, ob besonders markante oder eher durchschnittliche Gesichter identifiziert werden sollen. Weitere Untersuchungen sind nötig, um besser zu verstehen, wie die individuellen Besonderheiten eines Gesichts seine Erkennung unter erschwerten Umständen beeinflusst.

Quelle: https://tuebingen.mpg.de/

Titelbild: Image by Bianca Van Dijk from Pixabay

Ingrid
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