Drei Tanz-Performances

Drei Tanz-Performances, die die Variationsbreite des zeitgenössischen Tanzes aufzeigen, führen nach Berlin, Düsseldorf und Köln. Sie greifen jeweils auch unser zukünftiges Leben an verschiedenen Punkten auf. Neben der künstlerischen Perfektion bieten sie nachdenklich machende Szenarien, die ohne Worte auskommen und gerade deshalb lange im Gedächtnis bleiben.

NICO AND THE NAVIGATORS – „sweet surrogates“

Foto: Nico And The Navigators | © Piet Truhlar

So alt wie die Menschheit ist das Surrogat – Ersatz für etwas und jemanden. NICO AND THE NAVIGATORS bringen das mit der Premiere ihres 25-jährigen Jubiläums auf den Punkt: „sweet surrogates“ heißt das neue Stück und widmet sich der Suche nach dem reinen Rausch. Doch ist es möglich, das Bewusstsein ohne Risiken und Nebenwirkungen zu erweitern oder zu betäuben? Kann man der Schwerkraft entkommen, ohne den Absturz zu riskieren? Und ist nicht auch die flüchtige Kunst ein süßes Surrogat für ein garantiert tödliches Leben?
Nach der großen Sehnsucht, die das Ensemble zuletzt in „Lost in Loops“ formulierte, gibt sich die daraus entwickelte Kammerfassung „sweet surrogates“ skeptischer: Die nach den Beschränkungen der Pandemie ersehnte Befreiung ist ausgeblieben, neue Krisen erschüttern die Welt – und die Erlösung in Euphorie und Ekstase scheint wünschenswerter denn je.

Veranstaltungsort und Tickets Radialsystem V

Termine: 14. 12. – 17. 12.

Mit einem Festival im im Radialsystem Berlin – feiern Nico And The Navigators von Donnerstag bis Sonntag.

Christine Bonansea Company – GAMER

Mit digitalen 3D-Traumlandschaften, Sensoren, Lasermice-Robotern und menschlichen Körpern auf der Bühne hinterfragt GAMER in Auseinandersetzung mit der Videospielkultur und der Lehre von Archetypen unsere Wahrnehmung von Raum und Zeit in virtuellen und realen Räumen. Die Performance schafft eine widersprüchliche Erfahrung eines zweigeteilten Raumes, der die Spannung zwischen Spiel und der realen menschlichen Verletzlichkeit aufzeigt und reflektiert, wie wir mit Unterhaltung und Technologie darauf reagieren.
GAMER ist eine choreografische Arbeit, die aus der Zusammenarbeit eines multidisziplinären Teams von Künstler*innen entstanden ist. Es basiert auf einem engen Austausch zwischen Christine Bonansea, So Kanno, der die Sensoren für Lasermice-Roboter kreiert, der Komponistin elektronischer Musik Nicole Carroll und dem visuellen Künstler und Designer Lucas Kuzma.
Christine Bonanseas Tanzstücke und bewegungsbasierte Performances sind von virtuoser und auf Improvisation basierender Bewegung geprägt und entfalten sich in einer experimentellen, interdisziplinären und kollaborativen Umgebung.

Dauer: 55 Min., in Englisch.
tickets

Wenn ich für dich tanze und du es einfach nicht fühlst, wer ist dann gescheitert?

Foto: Alessandro De Matteis

Artmann & Duvoisin nähern sich mit „Service und Gefühl“ dem Zusammenhang zwischen Gefühl, Tanz und Sorgearbeit. Die Montage aus Tanz, Musik und Sprache basiert auf Gesprächen, die die Künstlerinnen mit Menschen in versorgenden Tätigkeiten geführt haben. „Service und Gefühl“ versammelt Arbeits- und Alltagswirklichkeiten, die durch ein mehr oder weniger erfolgreiches Gefühlsmanagement geprägt sind und in denen die eigene Empfindsamkeit in einem Dienstleistungszusammenhang steht. Die Tänzerinnen auf der Bühne machen aufrichtige Versuche, intensiv zu fühlen oder Gefühle auszulösen. Sie nähern sich aus persönlichen und tanztechnischen Perspektiven ihrer Empfindsamkeit, die als wertvolle Ressource ihrer Tätigkeit stets von dadurch bedingten Verwertungslogiken bedroht ist.

Dabei treten sie in Dialog mit anderen Formen emotionaler Arbeit: Welche Techniken von Ab- und Entgrenzung, von Regulierung und Formalisierung von Gefühlen stehen sich mit künstlerischer und versorgender Arbeit gegenüber?
Tanz als Körperpraxis und Kunstform ist geprägt durch eine große Nähe zu Emotionen, zum Fühlen und Wohlbefinden. Zugleich ist die Arbeit in der freien Tanzszene stets bedroht von Prekarität, Selbstausbeutung und Überbelastung. So geht es bei versorgenden Tätigkeiten wie beim Tanz um die Frage: Muss ich mit dem Herzen dabei sein, um für die Herzen der anderen zu sorgen?

Elsa Artmann und Samuel Duvoisin arbeiten seit 2015 an performativen und installativen Formaten im Tanz- und Kunstkontext. Themen ihrer Arbeit sind Formen gesellschaftlichen Zusammenlebens wie die Kleinfamilie, Wohnen und Arbeit. Service & Gefühl ist die dritte Koproduktion zwischen Artmann&Duvoisin und dem tanzhaus nrw

Artmann&Duvoisin: Service und Gefühl
26.01.2024, 20:00 Uhr
27.01.2024, 20:00 Uhr

TanzFaktur, Siegburger Straße 233 W, 50679 Köln
Tickets 16,50 €, erm. 9,50 €,

Titelfoto: Gamer / Fotorechte Sigel Leicht

Standardbild
Ingrid
Kunst und Kultur, Musik und Bücher, ohne sie ist ein Leben denkbar, aber für mich sinnlos. Darum habe ich diesen Blog ins Leben gerufen. Es macht viel Spaß, ihn zu gestalten - ich hoffe, den Usern, ihn zu lesen. Nicht alles, was gedruckt wird, muss gelesen, nicht jedes Album gehört werden. Was die User hier finden, gefällt mir und den Gastautoren, die ab und zu Lust haben, etwas zu schreiben.
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