Doris Dörrie – Die Heldin reist

Reisen macht nicht jede Frau gleich zu einer Heldin, es kommt auf ihre je eigene Geschichte an und ob sie überhaupt eine werden möchte. Oder ist es doch so, dass Frauen in eine Schlacht ziehen, wenn sie alleine reisen? Heldenhaft können sich Reisen fraglos für Frauen gestalten, da sie mit Hindernissen oder Gewalttätigkeiten rechnen müssen.
Für die Regisseurin und Schriftstellerin Doris Dörrie, die schon berufsbedingt häufig reist, wurde die Corona-Pandemie zu einer echten Herausforderung. Erst jetzt bemerkt sie, wie wichtig das Reisen für sie geworden ist. Unterwegs zu sein, das Bekannte hinter sich zu lassen, um sich in der Fremde als eine andere zu spüren. „..unterwegs fühlte ich mich von mir selbst befreit, und gleichzeitig träumte ich unbeirrt weiter davon, in der Fremde eine andere, bessere Version meiner selbst zu werden.“

Dabei sind Reisen in ihren Kindheitserinnerungen eher mit gemischten Gefühlen verbunden. Erst als sie ein Studium in den USA San Francisco beginnt, wird das Woanders sein, in der Fremde zu leben, zu einer prägenden Erfahrung. Die wie ein Initiationsritus ihre weiteren Reisen in die Welt begründen, die ihr so freundlich entgegenkam.

Dabei wird Japan zu einem besonderen Ort, den sie auch durch ihre beiden Filme „Kirschblüten – Hanami und „Kirschblüten Dämonen“ intensiv kennen und lieben lernt. Hier fühlt sie sich geborgen, auch wenn das Land so viele Regeln bereithält, die manchmal schwer einzuhalten sind. Ihrer japanischen Freundin Tatsu fühlt sie sich besonders verbunden, wobei nicht gänzlich klar ist, ob es sie tatsächlich gibt. Die junge Japanerin zieht es nach Hannover der Kunst wegen. Sie will im Land Schuberts dessen Lieder zur Vollkommenheit bringen und landet in einer deutschen Hippie-Familie. Erfährt Rassismus und Ausgrenzung. Zurück in Japan und älter geworden, trifft sie dort auf Doris Dörrie und erzählt ihr die ganze Geschichte, aus der sie am Ende als Heldin hervorgeht.

Dörries wunderbare Fähigkeit, Beobachtungen und Erfahrungen in Geschichten umzuwandeln, die witzig und klug sind, aber auch nachdenklich stimmen, zeichnet auch ihr Buch „Die Heldin reist“ aus. Eine großartige Reise, und selbst wenn wir am Ende der Lektüre keine Heldinnen geworden sind, wer weiß, vielleicht befinden wir uns ja bereits auf dem Weg dahin.

DIE HELDIN REIST

Autorin: Doris Dörrie

Hardcover Leinen
240 Seiten
erschienen am 23. Februar 2022

Verlag: Diogenes

978-3-257-07184-9
€ (D) 22.00 / sFr 30.00* / € (A) 22.70

Doris Dörrie, geboren in Hannover, studierte Theater und Schauspiel in Kalifornien und in New York, entschloss sich dann aber, lieber Regie zu führen. Parallel zu ihrer Filmarbeit (zuletzt der Spielfilm ›Kirschblüten und Dämonen‹) veröffentlicht sie Kurzgeschichten, Romane und Kinderbücher. Sie unterrichtet an der Filmhochschule München ›creative writing‹ und gibt immer wieder Schreibworkshops. Sie lebt in München.

Ingrid
Ingrid

Kunst und Kultur, Musik und Bücher, ohne sie ist ein Leben denkbar, aber für mich sinnlos. Darum habe ich diesen Blog ins Leben gerufen. Es macht viel Spaß, ihn zu gestalten - ich hoffe, den Usern, ihn zu lesen.
Nicht alles, was gedruckt wird, muss gelesen, nicht jedes Album gehört werden. Was die User hier finden, gefällt mir und den Gastautoren, die ab und zu Lust haben, etwas zu schreiben.

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