Die Schuhe meines Vaters von Andreas Schäfer

Andreas Schäfer, der Autor des Buchs „Die Schuhe meines Vaters“, steht am Bahnsteig im Hauptbahnhof Berlin und wartet auf die Ankunft seines Vaters. Als er ihn endlich sieht, ist er von der Zerbrechlichkeit, aber auch dessen Lebhaftigkeit berührt.

Es ist das Berlin des Vaters, der hier geboren wurde und das der Sohn nun mit ihm für ein paar Tage teilen wird. Wie immer ist der Vater impulsiv und erzählt viel, nur ein Thema spart er hartnäckig aus: Kurz vor seiner Abfahrt nach Berlin hat er erfahren, dass ein vor langer Zeit überwundener Krebs zurückgekehrt ist. Doch er leidet an keinerlei Beschwerden. Noch bevor er zurückfährt, sprechen sie jedoch über die bevorstehende Biopsie, die zeigen soll, ob die Geschwulst im Gehirn des Vaters ein bösartiger Tumor ist oder gutartig.

In Frankfurt will der Vater die Biopsie alleine ohne Begleitung durch den Sohn überstehen. Der fügt sich und erhält am Tag der Untersuchung einen Anruf aus der Neurochirurgie. Der Vater hat eine Hirnblutung im Hirnstamm erlitten. Nun liegt er im künstlichen Koma. Die Chance, dass er je aufwachen wird, ist unwahrscheinlich. Die seit Jahren von ihrem Mann geschiedene Ex-Ehefrau kommt aus Griechenland angereist. Mutter und Sohn müssen gemeinsam entscheiden, wann die künstliche Beatmung ausgestellt werden soll und damit der Vater aus ihrem Leben gehen wird.

Die Mutter, die ihrem geschiedenen Mann emotional sehr verbunden war, hakt sich noch eine Zeit an dem Gedanken fest, dass es doch noch ein Wiederaufwachen und eine Genesung geben könne. Der Sohn macht sich auf seinen Weg, eine Entscheidung zu finden …

Die Wahrnehmung des eigenen Vaters wird stets durch Erwartungen, Wissen über ihn, Emotionen und Erfahrungen geformt. In dem berührenden, sensiblen und sehr persönlichen Buch findet der Sohn erst nach dessen Tod und verursacht durch seine Trauer zu einem vollständigen Bild und einem neuen, versöhnlichen Verständnis für seinen Vater.

Die Schuhe meines Vaters
Andreas Schäfer

ISBN:978-38321-8196-3
Verlag: Dumont

Andreas Schäfer wurde 1969 in Hamburg geboren, wuchs bei Frankfurt/Main auf und lebt heute mit seiner Familie in Berlin. Er schreibt Romane, Essays, Libretti und Radiofeatures. Sein Debüt ›Auf dem Weg nach Messara‹ wurde u.a. mit dem Bremer Literaturförderpreis ausgezeichnet. Es folgten die Romane ›Wir vier‹ (DuMont 2010), der für den Deutschen Buchpreis nominiert war und mit dem Anna-Seghers-Preis ausgezeichnet wurde, ›Gesichter‹ (DuMont 2013) und zuletzt der Spiegel-Bestseller ›Das Gartenzimmer› (DuMont 2020).

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Ingrid
Kunst und Kultur, Musik und Bücher, ohne sie ist ein Leben denkbar, aber für mich sinnlos. Darum habe ich diesen Blog ins Leben gerufen. Es macht viel Spaß, ihn zu gestalten - ich hoffe, den Usern, ihn zu lesen. Nicht alles, was gedruckt wird, muss gelesen, nicht jedes Album gehört werden. Was die User hier finden, gefällt mir und den Gastautoren, die ab und zu Lust haben, etwas zu schreiben.
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