Die Glorreichen Vier – 4 WHEEL DRIVE II

Wenn sich hochkarätige Musiker, die mit eigenen Projekten erfolgreich sind, zusammentun, um Musik zu machen, spricht man häufig von einer „Superband“. So inflationär der Begriff bisweilen gebraucht wird, hier passt er: Posaunist und Sänger Nils Landgren, Pianist Michael Wollny, Bassist und Cellist Lars Danielsson und Schlagzeuger Wolfgang Haffner sind eine Superband. Schon das Debütalbum der Band, ein Konzertmitschnitt aus dem Jahre 2019, begeisterte mit seiner unbändigen Spielfreude die Fachkritik und bescherte dem Quartett wunderbare Verkaufszahlen. Jetzt legen die Vier mit ihrem neuen Album 4 WHEEL DRIVE II nach, das heute bei ACT erschienenen ist.    

Das Album enthält elf Songs, sechs von ihnen wurden von den Musikern selbst geschrieben, entweder einzeln oder in wechselnden Kooperationen. Im Vergleich zum Vorgänger halten sich diesmal Eigenkompositionen und Cover in etwa die Waage. Leise, feinfühlige Balladen stehen neben temporeichen, dynamischen Stücken. Vor allem die ruhigen Songs versprühen viel Charme und Magie.

Wie beispielsweise der Allzeitklassiker „The Sound of Silence“ des US-amerikanischen Folk-Rock-Duos Simon & Garfunkel, der hier in einer wunderschönen Instrumentalversion dargeboten wird. Mysteriös schwebende, fast unheimliche Klänge ertönen zu Beginn, gefolgt von Wollnys kühle, minimalistischer Klavierlinie, über die sich dann Landgrens majestätische Posaune erhebt. Das Gleiche gilt für den Genesis-Song „Hold On My Heart“ und den Titel „Still Crazy After All These Years“ von Paul Simon, denen Landgren  mit seiner belegten, fast schon zerbrechlichen Pop-Stimme einen Hauch von Wehmut verleiht. In den Instrumentalparts tastet seine große, warm-flexible Posaune das Thema einfühlsam ab. Mit wenigen Tönen entfaltet er melodische Motive, spürt still die intimen Stimmung des Stücks nach und zeigt, wie wenig das Wesentliche von Musik sein kann.

Neben solchen ruhigeren, atmosphärisch dichten Stücken kann das Quartett aber auch an anderer Stelle mächtig Gas geben und offenbart hierbei eine ungeahnte, differenzierte Klanggewalt. Der rockige Opener „Chapter II“ etwa, der aus der Feder Wollnys stammt, ist ein donnernder Parforceritt auf dem Klavier, bei dem Lindgrens Posaune zwischendurch fetzige Spitzen setzt und der abrupt endet. Oder der mächtig swingende Song „Spring Dance“, bei dem Wollnys Finger wieselflink über die Tasten huschen und das Klavier zum Fliegen bringen, unterlegt von einem treibenden synkopischen Schlagzeug.

Mit 4 WHEEL DRIVE II bieten die Herren Landgren, Wollny, Danielsson und Haffner erneut Musik auf allerhöchstem Niveau und erfüllen mühelos die hohen Erwartungen, die der Vorgänger gesetzt hat. Dieses Album darf eigentlich in keiner gut gepflegten Jazz-Plattensammlung fehlen. 

4 Wheel Drive II Tour – Termine
Landgren – Wollny – Danielsson – Haffner

01.11. München Isar Philharmonie
02.11. Zürich [CH] Jazznojazz
03.11. Düsseldorf Tonhalle
04.11. Hamburg Laeiszhalle
05.11. Hannover Theater am Aegi
06.11. Frankfurt Alte Oper
07.11. Berlin Philharmonie
09.11. Bremen Die Glocke
10.11. Stuttgart Hegelsaal
11.11. Dortmund Konzerthaus
12.11. Baden-Baden Festspielhaus
13.11. Basel [CH] Stadtcasino
15.11. Schloss Elmau Schloss
17.11. Veszprém [HU] Veszprém Jazz Fesztivál
18.11. London [UK] Ronnie Scott’s

Hans Kaltwasser
Hans Kaltwasser
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