DIE ARENA – Roman von Négar Djavadi

Im Roman „Die Arena“ glaubt Benjamin Grossman nicht an Zufälle. Er hat etwas geschafft, was nur wenigen bisher gelungen ist – aus dem Pariser Problemviertel seiner Kindheit in ein gehobenes Wohnviertel aufzusteigen. Denn er hat es zum Europachef des amerikanischen Streaming-Anbieters BeCurrent gebracht, eine Plattform vergleichbar mit Netflix. Benjamin hat sich seiner neuen Lebenswelt perfekt angepasst: Er isst wie seine Kollegen in den USA nur vegane und glutenfreie Produkte, überprüft seine körperlichen Parameter und joggt jeden Morgen. Dann verliert er sein kostbares Handy – mit George Clooneys und allen anderen wichtigen Nummern. Doch Benjamin verfolgt den mutmaßlichen Dieb – kämpft um sein Handy und am nächsten Morgen wird dort die Leiche eines jungen Mannes gefunden.

Sam hat sich gegen den Wiederstand ihrer Familie für den Polizeidienst entschieden und arbeitet bei der Pariser Polizei. Nicht einfach, als junge Frau und türkischstämmig bei den Kollegen akzeptiert zu werden. Zudem ist das Image der Polizei so schlecht wie nie. Als sie mit ihren Kollegen bei einem Observierungsgang am Seine-Ufer eine undefinierbare Gestalt erblickt, will sie sich ohne ihre Kollegen ein genaueres Bild verschaffen.

Und dann passiert etwas, was sie sich selbst nicht zugetraut hat: Sie tritt gegen einen Körper, den sie für den eines Betrunkenen hält. Doch es ist die Leiche eines jungen Mannes. Ein zusammengeschnittenes Video über diesen Vorgang geht viral. Ganz Paris wird unterschiedlich stark davon erschüttert, seine Bewohner sind entweder bewegt, entrüstet oder zornig, je nachdem wer es anschaut. Und ein Desaster bricht los …

Hört man das Wort Paris, dann laufen vor dem geistigen Auge eine Anzahl schöner Bilder ab, die dazu inspirieren, die Stadt der Liebe (wieder) einmal zu besuchen. Dieses Bild wird von der in Paris lebenden Schriftstellerin Négar Djavadi neu gezeichnet. In Ihrem Roman „Die Arena“ geht es zu wie in einer Abwandlung des wohl berühmtesten Bild des Malers Hieronymus Bosch „Der Garten irdischen Freuden“, das die Kunsthistorikerin Pilar Silva als eine Meditation über die „Vergänglichkeit der irdischen Eitelkeit“ beschrieben hat.
Das Paris im Roman „Die Arena“ ist von sozialen Gegensätzen gekennzeichnet, die kaum mehr zu befrieden sind. Hier befinden sich die Reichen noch im Garten Eden, im Gegensatz zu den Geflüchteten und Migranten, die ihn immer seltener oder gar nie erreichen. Nicht zu vergessen diejenigen, die täglich dem Druck und der Angst vor dem Abstieg ausgesetzt sind.
Ein faszinierendes, verstörendes Bild einer Stadt in Bewegung, in der die unterschiedlichsten Menschen und Milieus aufeinandertreffen, sprachgewaltig und rasant erzählt. Ein neuzeitlicher, kluger Roman über eine Gesellschaft ohne Zusammenhalt, von der ersten bis zur letzten Seite fesselnd.

Die Arena
Autorin: Négar Djavadi

978-3-406-79126-0
Erschienen am 14. Juli 2022
463 S.
Verlag: C.H. Beck

Négar Djavadi, 1969 in Iran geboren, stammt aus einer Familie von Oppositionellen und floh im Alter von elf Jahren zu Pferd über Kurdistan mit ihrer Mutter und ihrer Schwester vor den Folgen der Iranischen Revolution in den Westen. Sie ist Drehbuchautorin, Regisseurin und Schriftstellerin, lebt und arbeitet in Paris. Ihr erster Roman «Desorientale » (C.H.Beck 2017) erhielt in Frankreich zahlreiche Preise, wurde dort zum Bestseller und in zahlreiche Sprachen übersetzt. Die englische Übersetzung erhielt den Lambda Literary Award, den Van Cleef & Arpels Albertine Prize und stand auf der Shortlist des National Book Award for Translated Literature sowie auf der Shortlist des Dublin Award. «Arène» (2020) hat sich in Frankreich mehr als 20.000-mal verkauft und erhielt den Prix Millepages 2020.

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Ingrid
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