Die Albumkritik – Alice Cooper: ROAD

Dieser Mann hört wohl niemals auf. 78 Jahre ist der Meister der Schockrocks inzwischen und kein bisschen leise oder geneigt, seinen kreativen Unruhezustand zu beenden. Wenn man seine Studioalben, die gemeinsamen Alben mit den Hollywood Vampires, Compilations und Livealben zusammenzählt, dürfte man auf über 60 Werke kommen. Zudem ist Alice Cooper ständig irgendwo auf Tour. Keine Ahnung, wie er das in seinem Alter schafft. Schon wesentlich Jüngere haben Mühe, morgens aus dem Bett zu kommen.

ROAD heißt sein neues Studioalbum, das am 25.8.23 erschienen ist. Produziert wurde es von Bob Ezrin, der die Band seit ihren Anfängen unter seinen Fittichen hat. Musikalisch zeigt sich Alice Cooper in absoluter Bestform. Die markante, raue Stimme des Rockmusikers ist noch erstaunlich kräftig. Die Band ist mit Feuer und Flamme dabei, die Produktion ist präzise und sorgfältig, die Songs sind eingängig, die Texte bisweilen selbstironisch und voll schwarzem Humor.  ROAD ist kein Konzeptalbum im strengen Sinne. Aber wie so häufig bei Alice Cooper, kreisen die Stücke um ein bestimmtes Thema und bilden ein stimmiges Ganzes.   

Wer freilich bei Alice Cooper musikalische Innovationen oder Experimente erwartet, liegt falsch. Der Musiker macht konsequent sein Ding, was ihn berühmt gemacht hat und weswegen ihn seine Millionen Fans in aller Welt lieben. Schnörkelloser Rock, harte, schnelle Gitarrenriffs, treibende Rhythmen, druckvolles Schlagzeug und prägnante, siedend heiße Soli, die die Songstruktur aufbrechen oder das Stück beenden.       

Unterstützt wird er von seiner Tourband. Die exzellente Gitarrenarbeit teilen sich Tommy Henriksen, der auf einigen Aufnahmen auch an den Keyboards sitzt, Ryan Roxie und Nita Strauss. Für die tiefen Töne sorgt das grundsolide Bassspiel von Chuck Garric, während Glen Sobel mit seinen Drums die Band vorantreibt. 

Die Songs handeln überwiegend vom Tourleben des Musikers, der wahrscheinlich mehr Kilometer auf dem Buckel hat als ein alter Volkswagen von 1968, dem Jahr, in dem seine Karriere begann.

Keines der dreizehn Stücke des Albums ist entbehrliches Füllmaterial, wenngleich manche Stücke herausragen.  „I’m Alice“ und „Welcome to the Show“, mit denen das Album eröffnet, sind eine selbstironische Reflexion der Bühnenpersönlichkeit des Rockmusikers, der bei seinen Konzerten bizarr geschminkt, mit seidenem Zylinder und Gehstock die Bühne betritt, um im Laufe der Show guillotiniert zu werden. In „Go Away“ faucht er eine hartnäckige Stalkerin an, ihn endlich in Ruhe zu lassen. Im schlüpfrigen „Big Boots“ besingt er eine hinreißende Truckstop-Kellnerin, deren Oberweite ihn zum Schwitzen bringt. „Road Rats Forever“ ist ein musikalisches Dankeschön an die Roadies, ohne die die Tourneen gar nicht möglich wären. 

Einzig das witzige „Magic Bus“, das von einem Mann handelt, der den Bus kaufen will, mit dem er täglich zu seiner Freundin fährt, was der Busfahrer jedoch ablehnt, ist ein Cover eines alten Songs der britischen Rockgruppe The Who. Auch das kann sich hören lassen, nicht zuletzt wegen der druckvollen Schlagzeugsolos, bei dem Glen Sobel sein ganzes Können zeigt.

Artist:ALICE COOPER
Album: „Road“
VÖ:25.08.2023
Label:earMUSIC | Vertrieb: Kontor & Edel Music & Entertainment

Foto: Jenny-Risher

Standardbild
Hans Kaltwasser
Artikel: 430

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