Deutscher Kaviar – Fotografien im Kunstmuseum Bonn

Die Fotografie hat ein grundsätzliches Interesse an der Gegenwart. Ist sie vergangen, wird sie durch Ausstellungen wieder lebendig. Im Kunstmuseum Bonn wirft die Ausstellung „Deutscher Kaviar“ einen Blick in die Vergangenheit und holt diese Zeit in die Gegenwart zurück. Dadurch werden stilistische oder ästhetische Elemente der Fotografiesprache und deren Veränderung sichtbar.

Deutscher Kaviar – Die fotografische Sammlung

Christof Kohlhöfer
Polaroid Serial Nr. 18, ‚Du Sick‘ (Detail), 1977
Serie von 17 Polaroid-Fotografien, je 11 x 9 cm
Kunstmuseum Bonn
© Christof Kohlhöfer

Seit rund 50 Jahren sammelt das Kunstmuseum in Bonn zeitgenössische Fotografie. Über 400 Werke und Serien sind dabei zusammengetragen worden, die insgesamt mehrere Tausend Fotografien umfassen. Als Ergebnis einer gründlichen Aufarbeitung über ein Förderprogramm ist nun eine Sonderausstellung entstanden, die eine einzigartige Perspektive auf ein halbes Jahrhundert Foto-Kunstgeschichte wirft.

Die Ausstellung „Deutscher Kaviar“ versammelt Werke aus dem gesamten Sammlungszeitraum und zeigt, dass trotz ihrer ästhetischen und technischen Vielfalt künstlerische Fotografie grundsätzlich ein konkretes Interesse an ihrer jeweiligen Gegenwart hat. Die letzten 60 Jahre in Deutschland, so zeigt sich dabei, wurden am stärksten geprägt von einem sich rasant beschleunigenden neoliberalen Kapitalismus, der Leben, Kunst und Kultur zunehmend in Prozesse der Kommerzialisierung verstrickt hat und dessen Einfluss auf unser Denken und Fühlen sich in den Werken der Sammlung widerspiegelt.

Bernd und Hilla Becher
Förderturm, 1973
4 Silbergelatineabzug, 30 x 40 cm
Kunstmuseum
© Bernd und Hilla Becher

Von der lokalen rheinischen Kunstszene bis zum globalisierten Finanzwesen wird eine Gesellschaft im
Wandel sichtbar, in der die grundlegenden Fragen der Kunstwerke überraschend relevant geblieben
sind. Ob es sich dabei um die Rolle des Individuums im postindustriellen Zeitalter, Geschlechts-,
Gender- und Identitätsfragen oder das Verhältnis von Kunst und Ware handelt, die Ausstellung zeigt in
verschiedenen Themenbereichen konstante Interessensfelder der fotografischen Sammlung von den
1960er-Jahren bis in die digitale Gegenwart.

Mit Werken von Lewis Baltz, Bernd & Hilla Becher, Rudolf Bonvie, Christo & Jeanne Claude, Walther
Dahn, Felix Droese, Achim Duchow, Ceal Floyer, Andreas Gursky, Jürgen Klauke, Astrid Klein, Christof
Kohlhöfer, Sigmar Polke, Timm Rautert, Michael Reisch, Ulrike Rosenbach, Katharina Sieverding, Heidi
Specker, Thomas Struth, Ilona & Wolfgang Weber, Herbert Wentscher, Nicole Wermers u.v.m.

Kurator:innen der Ausstellung Jan Philipp Nühlen, Dr. Barbara J. Scheuermann

Zu sehen vom 21. Juli – 16. Oktober 2022 im Kunstmuseum Bonn

Titelfofo: Andreas Gursky
Chicago Board of Trade II, 1999
C-Print / Diasec, 200 x 330 cm
© VG Bild-Kunst, Bonn 2022


Standardbild
Ingrid
Kunst und Kultur, Musik und Bücher, ohne sie ist ein Leben denkbar, aber für mich sinnlos. Darum habe ich diesen Blog ins Leben gerufen. Es macht viel Spaß, ihn zu gestalten - ich hoffe, den Usern, ihn zu lesen. Nicht alles, was gedruckt wird, muss gelesen, nicht jedes Album gehört werden. Was die User hier finden, gefällt mir und den Gastautoren, die ab und zu Lust haben, etwas zu schreiben.
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