Ein kleines Segelboot auf dem Weg zum Ufer. Nur ein Passagier ist an Bord und der Bootsführer fragt, was ihn auf diese einsame Insel zieht. Nach 14 Jahren ist Hein zurückgekehrt. Die Kamera fängt die Düne und den Weg ein, den Hein nimmt, um in sein Heimatdorf zu gelangen. Er wird nicht erkannt, selbst sein Jugendfreund Friedemann kann ihn nicht sogleich identifizieren.

©Florian Mag
Doch er selbst findet das Dorf so vor, wie er es verlassen hat. Er nennt seinen Namen, geht zum Haus seiner Mutter, sieht seine Schwester. Sie sind älter geworden, nachdem es ihn aufs Festland gezogen hat, um zu studieren und Lehrer zu werden. Seine Schwester war noch ein Kind damals, und Heins Aussehen hat sich verändert. Er wirkt wie ein Fremder. Seiner Mutter ist dement, und nur in einem einzigen kurzen Moment meint sie, ihren Sohn zu erkennen.

Schließlich beruft die Vorsitzende der kleinen Dorfgemeinde eine Versammlung zusammen, und es wird beschlossen, ein Dorfgericht zu berufen, das darüber entscheiden soll, ob er die Wahrheit sagt. Hein sucht verzweifelt nach Beweisen für seine Identität, findet aber das Gegenteil.
Denn während des Prozesses widersprechen sich die Erinnerungen von Hein und den Dorfbewohnern immer mehr. Der Film thematisiert Identität, Erinnerung und Zugehörigkeit und spielt mit der Frage, wie sehr sich Menschen und ihre Wahrnehmung verändern können.

Das intensive Spiel der Schauspieler*innen ist authentisch und großartig. Während des Drehs zum Film „Der Heimatlose“ wurden sie nur draußen gefilmt. Die Häuser sind Kulissen und fungieren wie Fragmente der Erinnerungen.
Die Szenerie weist trotz der Naturnähe eine theatralische, bühnenhafte Ästhetik auf. Die Verhandelbarkeit von Identität und Zugehörigkeit wird zwischen Künstlichkeit und Natur zu einer intimen Auseinandersetzung. Der Film endet ähnlich, wie er angefangen hat. Der Bootsfahrer und der fremde Heimatlose segeln nur in die umgekehrte Richtung.
Der Heimatlose ist ein sehr sehenswerter Film, der wegen seiner Parabelhaftigkeit der Geschichte zum Nachdenken anregt und durch seine eindrucksvollen Bilder überzeugt. Ab heute in den Kinos zu sehen!







