DER HEIMATLOSE

Ein kleines Segelboot auf dem Weg zum Ufer. Nur ein Passagier ist an Bord und der Bootsführer fragt, was ihn auf diese einsame Insel zieht. Nach 14 Jahren ist Hein zurückgekehrt. Die Kamera fängt die Düne und den Weg ein, den Hein nimmt, um in sein Heimatdorf zu gelangen. Er wird nicht erkannt, selbst sein Jugendfreund Friedemann kann ihn nicht sogleich identifizieren.

Paul Boche überzeugt in der Rolle des Heimatlosen Hein
©Florian Mag

Doch er selbst findet das Dorf so vor, wie er es verlassen hat. Er nennt seinen Namen, geht zum Haus seiner Mutter, sieht seine Schwester. Sie sind älter geworden, nachdem es ihn aufs Festland gezogen hat, um zu studieren und Lehrer zu werden. Seine Schwester war noch ein Kind damals, und Heins Aussehen hat sich verändert. Er wirkt wie ein Fremder. Seiner Mutter ist dement, und nur in einem einzigen kurzen Moment meint sie, ihren Sohn zu erkennen.

Stephanie Amarell glänzt als Schwester des Heimatlosen ©Florian Mag

Schließlich beruft die Vorsitzende der kleinen Dorfgemeinde eine Versammlung zusammen, und es wird beschlossen, ein Dorfgericht zu berufen, das darüber entscheiden soll, ob er die Wahrheit sagt. Hein sucht verzweifelt nach Beweisen für seine Identität, findet aber das Gegenteil.
Denn während des Prozesses widersprechen sich die Erinnerungen von Hein und den Dorfbewohnern immer mehr. Der Film thematisiert Identität, Erinnerung und Zugehörigkeit und spielt mit der Frage, wie sehr sich Menschen und ihre Wahrnehmung verändern können.

Das Dorfgericht tagt ©Florian Mag

Das intensive Spiel der Schauspieler*innen ist authentisch und großartig. Während des Drehs zum Film „Der Heimatlose“ wurden sie nur draußen gefilmt. Die Häuser sind Kulissen und fungieren wie Fragmente der Erinnerungen.

Die Szenerie weist trotz der Naturnähe eine theatralische, bühnenhafte Ästhetik auf. Die Verhandelbarkeit von Identität und Zugehörigkeit wird zwischen Künstlichkeit und Natur zu einer intimen Auseinandersetzung. Der Film endet ähnlich, wie er angefangen hat. Der Bootsfahrer und der fremde Heimatlose segeln nur in die umgekehrte Richtung.
Der Heimatlose ist ein sehr sehenswerter Film, der wegen seiner Parabelhaftigkeit der Geschichte zum Nachdenken anregt und durch seine eindrucksvollen Bilder überzeugt. Ab heute in den Kinos zu sehen!

Ingrid
Ingrid

Kunst und Kultur, Musik und Bücher, ohne sie ist ein Leben denkbar, aber für mich sinnlos. Darum habe ich diesen Blog ins Leben gerufen. Es macht viel Spaß, ihn zu gestalten - ich hoffe, den Usern, ihn zu lesen.
Nicht alles, was gedruckt wird, muss gelesen, nicht jedes Album gehört werden. Was die User hier finden, gefällt mir und den Gastautoren, die ab und zu Lust haben, etwas zu schreiben.

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