Der Abgrund zwischen Nacht und Tag

In einem riesigen, vom Verfall bedrohten Palazzo lebt Diletta mit ihren Eltern, Tanten und ihrer Großmutter. Er befindet sich in hervorragender Lage in Ortigia, der Altstadt von Syrakus auf der italienischen Insel Sizilien. Ende der fünfziger Jahre ist die Stadt jedoch nur noch ein Abglanz ihrer selbst. Zahlreiche Palazzi und vom arabischen Stil geprägte Villen sind verfallen und stehen leer. Dilettas Vater, der der Aristokratenklasse nicht angehört, aber ein beträchtliches Unternehmen aufgebaut hat, muss ständig in der Familie um seine Größe kämpfen.

Als der massive Kronleuchter des gelben Zimmers auf dem Boden zerschellt und ein Teil der Decke hinabstürzt, ist das wie ein Zeichen für ihn, noch mehr für den Erhalt seines Rufs zu tun: Mit seinem Geld die bröckelnde Fassade reparieren, das er aus dem geplanten Verkauf seiner Zitronenplantage erhält, und zudem für seine Tochter Diletta die ausreichende finanzielle Grundlage für eine standesgemäße Eheschließung bereitzustellen.

Diletta hat jedoch ganz andere Pläne. Mario zieht sie magisch an, der jedoch aus einfachen Verhältnissen stammt und deshalb in den Augen ihrer Verwandtschaft nicht geeignet ist. Sie treffen sich heimlich in den verlassenen Villen, die bei jedem Treffen noch verfallener wirken als zuvor. Diletta erhofft sich über Mario, der demnächst sein Jurastudium beenden wird, die Möglichkeit eines anderen Lebens.

Doch als die Beziehung in die Konventionen ihrer Familie gezwungen wird, erkennt Diletta, dass Mario all ihre Erwartungen nicht erfüllen wird und ihre Freiheit bedroht. Vor dem Hintergrund familiärer Skandale und eines Feuers, das Ortigia erschüttert, trifft die junge Frau eine schwerwiegende Entscheidung…

Der Romanautorin Di Falco gelingt es mit ihrem Roman „Der Abgrund zwischen Nacht und Tag“, nicht nur mit einem bildhaften und sehr kraftvollen Erzählstil vom langsamen Zerfall einer traditionellen Gesellschaftsschicht zu erzählen, der eine Familie durch eine Zeitenwende zum Opfer fällt, sondern auch von der Sehnsucht nach Aufbruch in eine moderne und offene Lebensform. Eine fesselnde Lektüre, die auf die italienische Insel und in eine andere Zeit entführt.

Der Abgrund zwischen Nacht und Tag
Roman von Laura Di Falco

Übersetzt von
Verena von Koskull
Vorwort von
Maike Albath
Verlag: Pfaueninsel

Laura Di Falco (Pseudonym für Laura Anna Lucia Carpinteri, 1910-2002) war Lehrerin in Syrakus, bevor sie ihrem Mann Felice Di Falco nach Rom folgte. Beide waren als Antifaschisten politisch aktiv. In den fünfziger und sechziger Jahren war Laura Di Falco als Autorin von Persönlichkeiten wie Vitaliano Brancati, Aldo Palazzeschi und Eugenio Montale hoch geschätzt. Außerdem schrieb sie für La Nazione und Il Mondo. Sie war mehrmals für den Premio Strega nominiert, zuletzt 1976 mit Der Abgrund zwischen Nacht und Tag

Ingrid
Ingrid

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