Der Dokumentarfilm „Das Ungesagte“ sowie eine Ausstellung befassen sich jeweils auf unterschiedliche Art und Weise mit einem Tabu-Thema.
DAS UNGESAGTE
Der Abschluss des Zweiten Weltkriegs und des Naziregimes ist nun über achtzig Jahre her. Die Anzahl der noch lebenden Zeitzeugen jener Periode ist gering, und über diese Phase wurde über einen längeren Zeitraum hinweg wenig kommuniziert. Obwohl das Thema als Tabu gilt, bleibt es bis in die Gegenwart von großer Relevanz, darüber zu diskutieren. Denn rechtsextreme Ideologien verschwinden nicht einfach, wie wir auch gegenwärtig erleben.
Das macht diesen Dokumentarfilm so besonders wichtig, der heute in die Kinos kommt. Der Film „Das Ungesagte“ dokumentiert die mündlichen Berichte von elf Menschen, geboren zwischen 1920 und 1936, über ihre Erfahrungen und Erlebnisse in der betreffenden historischen Zeit. Ein langes Leben liegt hinter ihnen, und die Erinnerung an ihre Erfahrungen während der NS-Zeit gestaltet sich aus diversen Gründen als zweifellos schwierig. Erinnerungen besitzen eine plastische Beschaffenheit, und es ist charakteristisch für Menschen, die Vergangenheit zu idealisieren. Trifft diese Gegebenheit hier ebenfalls zu?
Der Film analysiert in fünf Kapiteln mithilfe der Befragten die gegenwärtige Bedeutung dieser Zeit für sie. Die überwiegende Zahl der Deutschen, die das NS-Regime seinerzeit unterstützten, hat nach 1945 keine weiteren Äußerungen zu dieser Epoche gemacht. In fast allen deutschen Familien war das Thema tabu: Das Ungesagte. Die anfängliche Begeisterung und die Ideologie, der Krieg und das Schweigen sowie das langanhaltende Nachwirken der braunen Jahre – lassen sie sich identifizieren?
Der Film verfolgt einen psychologischen Ansatz, um die damaligen Gedanken und Gefühle der betreffenden Personen zu analysieren und deren heutige Bewertung ihrer Beteiligung beziehungsweise ihres Handelns zu erforschen und Involviertheit in das NS-Regime beurteilen.
Die Aussagen treffen mitten ins Herz: ehrlich bis zum Schmerz, manchmal verstörend, doch auch tief berührend. Sie spiegeln einen inneren Kampf wider, voller moralischer Zweifel, verdrängter Schuld, Trauma und Trauer.. Zudem erzählen auch jüdische Überlebende, Ihre Aussagen machen verbliebene blinde Flecken sichtbar. Die Verbindung dieser beiden Perspektiven offenbaren erschütternde Erkenntnisse.
In diesem Film begegnen uns die Menschen, die mehr über diese Zeit erzählen können und füllen damit Leerstellen jenseits des Geschichtswissens.
Ein Dokumentarfilm von Patricia Hector und Lothar Herzog – ab heute in den Kinos
Eine Produktion von
LOTHAR HERZOG FILMPRODUKTION GmbH In Zusammenarbeit mit ANNE FRANK ZENTRUM, FILMUNIVERSITÄT BABELSBERG KONRAD WOLF, KREUZBERGER INITIATIVE GEGEN ANTISEMITISMUS
Gefördert in der Bildungsagenda NS-Unrecht von der Stiftung Erinnerung, Verantwortung und Zukunft (EVZ) und dem Bundesministerium der Finanzen (BMF)
„Nach Hitler. Die deutsche Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus“

Das Haus der Geschichte in Bonn widmet sich mit der Ausstellung „Nach Hitler“ einem thematisch passenden Thema. Unter dem Titel „Die deutsche Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus“ verbirgt sich die Geschichte, wie die Deutschen über die Generationen hinweg ihr Verhältnis zur NS-Vergangenheit gestaltet haben. Sie zeigt, wie persönliche Erlebnisse, kulturelle Einflüsse und politische Ereignisse das kollektive Gedächtnis prägen.
So ist ein zentrales Exponat der Schau eine Büste Adolf Hitlers, die die Bildhauerin Hedwig Maria Ley anfertigte und nach Kriegsende im Garten vergrub – ein Symbol für die Verdrängung und das Schweigen der Kriegsgeneration. Die Ausstellung hinterfragt dieses Schweigen, sie setzt die Kritik der nachfolgenden Generationen daran in den Kontext.
Mit dieser Ausstellung wird deutlich, dass die Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus auch 90 Jahre nach Hitlers Machtübernahme noch hochaktuell ist. Derzeit ist der Anstieg antisemitischer Straftaten und der Erfolg rechtspopulistischer Parteien in Deutschland zu beobachten. Ein beunruhigendes Beispiel ist die Zerstörung einer Bücherbox in Berlin, die Werke über den Holocaust enthielt. Die Ausstellung thematisiert solche Vorfälle und verdeutlicht, wie wichtig das Erinnern für die Demokratie bleibt.
Bis zum 26. Januar 2026 zu sehen im Haus der Geschichte in Bonn
Titelbild: Familie © lothar herzog filmproduktion GmbH







