BUSH – I BEAT LONELINESS

Manchmal gilt der Prophet im Ausland mehr als in der Heimat. Das trifft in gewisser Weise auch auf die britische Rockband Bush zu, die in den USA schon immer erfolgreicher war als daheim. Vielleicht war deshalb ihr Sound auf die US-Radiosender zugeschnitten, die sie zu Millionären gemacht haben.

Auf ihrem neuen Album I BEAT LONELINESS hat sich die Band wohl in weiser Voraussicht dafür entschieden, das zu machen, was sie seit ihrem Debüt „Sixteen Stone“ aus dem Jahre 1994 am besten kann: stürmischen Grunge Rock, der mit schweren, donnernden Riffs wie im Titeltrack oder in Songs wie „Scars“ und „Footsteps in the Sand“ die erste Hälfte des Albums dominiert. In den Texten erkundet Frontman Gavin Rossman Themen wie Einsamkeit, Selbstverletzungen, Depressionen und Herzschmerz. Trotz solch schwerer Kost sind die Songs nicht durchweg düster, sondern  lassen hier und da Licht und Hoffnung aufscheinen. Dabei wechselt Rossmans dunkle Stimme bezeichnenderweise immer dann in die höheren Register, wenn die Suche nach Hoffnung oder die Hoffnung auf Heilung in den Vordergrund tritt.

Am besten und einfallsreicher ist das Album freilich dort, wo es ein Stück weit runterschaltet und sich die Musik in langsameren Bahnen bewegt. Wie beispielsweise bei dem verträumten, schwermütigen Stück „We are of this Earth“ mit seinen wunderbar eingängigen Hooks und hymnischem Refrain, das zum Nachdenken anregt und den Weg ebnet für das sanfte „Everyone is Broken“. Dieser Song ist eine Erinnerung daran, dass wir alle gemeinsam in diesem chaotischen Leben stehen und bestehen müssen. Oder das überragende „60 Ways to Forget People“, bei dem die bandtypischen einprägsamen Hooks immer noch da sind, das aber mehr auf elektronische und melodische Elemente als die Grunge-basierten Tracks setzt.          

Zu sagen, Bush sei hier ein ehrgeiziges, innovatives Album gelungen, ist wohl eine Übertreibung. Im gegenwärtigen Stadium ihrer Karriere scheint die Band weder zu versuchen, ein neues Publikum zu erobern noch dem Zeitgeist hinterherzujagen. Vielmehr wendet sich das Album an eine Fangemeinde, die der Band trotz aller Umbesetzungen in den letzten drei Jahrzehnten treu geblieben ist und wohl bei der Stange bleiben wird, solange sie mit nostalgischen Alben à la I BEAT LONELINESS beliefert werden.

Das Album ist am 18.07.2025 beim Label earMusic erschienen Vertrieb: Edel

Hans Kaltwasser
Hans Kaltwasser
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