Bryan Adams schickt Berlin auf „Cloud 9“

Neben Ahornsirup ist Bryan Adams mit über 65 Millionen verkauften Tonträgern vermutlich Kanadas wichtigster Exportartikel. Mit seiner raffinierten Mischung aus bodenständigen Rocksongs, eingängigen Pophits und Schmuseballaden behauptet sich der smarte Kanadier im vierten Jahrzehnt seiner Karriere als beständige Größe im knallharten Rockgeschäft.

Vor genau 30 Jahren schaffte Adams mit seinem Album „Reckless“ den internationalen Durchbruch. „Reckless“ ist auch das Motto der Tour, auf der sich Adams derzeit in Deutschland zum Jubiläum des gleichnamigen Albums befindet. Am vergangenen Mittwoch gastierte der 55jährige Rockstar in der fast ausverkauften Berliner O2 World Halle, wo er ein eindrucksvolles Konzert gab. Adams eröffnet den Abend mit dem krachenden Song „Reckless“, gefolgt von den Titeln „One Night Love Affair“ und „She’s only happy when she’s dancing“. Erst nach diesem Warm-up begrüßt er die Menge und kündigt an, dass er das gesamte „Reckless“-Album sowie sieben weitere Stücke spielen werde, die damals wegen des Vinyl-Formats keinen Platz auf dem ursprünglichen Album gefunden hatten. Es folgen Hits wie „Run to you“, „Somebody“, „Long gone“, „It’s only love“, “When you’re gone”, “If you wanna be bad you gotta be good” und das unvermeidliche “Summer of 69”. Adams zeigt sich dabei in guter physischer Form, im Laufschritt eilt er, während er spielt, abwechselnd vom rechten zum linken Bühnenrand und präsentiert seine Songs über hemmungslose Leidenschaft, Trennungsschmerz und Verlustängste mit enormer Spielfreude. Seine Gitarrenarbeit ist präzise und exzellent, was sich insbesondere bei den ruhigen Stücken wie „Let me down easy“ zeigt. Auch stimmlich ist der Kanadier nach wie vor erstaunlich stark und schwächelt bei dem über zweistündigen Konzert in keiner Phase. Seine rauhe, heisere Stimme, die die sentimentalen Balladen stets davor bewahrt, in belanglose Schnulzen abzugleiten, ist nach wie vor sein markantes Markenzeichen, das seine Wirkung insbesondere auf das weibliche Publikum nicht verfehlt. So sind es denn auch Songs wie „Heaven“, „Please forgive me“ und „Straight from the heart“, die bei den Frauen in der Menge besonders gut ankommen, die sich hierbei textsicher zeigen und begeistert und lautstark beim Call-Response einstimmen, zu dem Adams die Halle immer wieder ermuntert.

Exzellent ist freilich auch Adams Begleitband, – Norman Fisher am Bass und Mickey Curry an den Drums legen das solide rhythmische Fundament, auf dem Adams sein kraftvolles Gitarrenspiel aufbaut, während Leadgitarrist Keith Scott mit filigranen und siedendheißen Soli brilliert, die er abwechselnd seinen Les-Paul und Stratocaster-Gitarren entlockt. Schade, dass Gary Breits virtuose Arbeit an Keyboard und Klavier bei den lauten Rocktiteln ein wenig untergeht. Immerhin hat er bei den ruhigeren Stücken wie „Everthing I do I do for you“ Gelegenheit, sein Können zu zeigen.

Neben der gut 20 Titel umfassenden Set-List gibt Adams etliche Zugaben, die er ohne Begleitband auf der Akustikgitarre spielt, unten ihnen Eddie Cochrans „C’mon everybody“, Straight from the Heart“, „She knows me“ und „All for love“. Am Ende des Konzertes ist die O2 Halle froh, dass Adams die Kamera gegen die Gitarre wieder getauscht hat, und huldigt dem Rockstar lautstark und mit einem Meer von leuchtenden Mobilfunktelefonen.

Foto: John Burrows

Standardbild
Hans Kaltwasser
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