Mit dieser Komponistin und ihrer Musik reisen wir über 100 Jahre zurück – eine Zeit, in der es für Frauen alles andere als leicht war, ihr musikalisches Talent wirklich auszuleben. Augusta Mary Anne Holmès (1847–1903), die französische Komponistin mit irischen Wurzeln, musste sich erst ihren Platz in der Musik erkämpfen. Ihre Mutter stellte sich ihr dabei energisch in den Weg – erst als diese nicht mehr da war, durfte Augusta endlich das tun, was sie wollte – Musik komponieren.
Ab dem Jahr 1875 wurden ihre Kompositionen in Frankreich präsentiert, was zu ihrer Anerkennung und Berühmtheit innerhalb der Pariser Kulturkreise führte. Als Schülerin von César Franck verband sie eine enge Freundschaft mit Franz Liszt, der ihre Werke bewunderte und sie anfeuerte, ihre Kompositionen fortzusetzen. Schon in jungen Jahren schrieb sie fleißig Briefe an die kulturelle Elite Europas und führte ihren eigenen, äußerst beliebten Salon.
Ihr musikalisches Schaffen ist ein beeindruckendes Kaleidoskop: dramatische Sinfonien, sinfonische Dichtungen, geheimnisvolle Chorwerke – einige davon noch im Verborgenen –, zwei Opern und unzählige Lieder, die Geschichten erzählen.
Ihre Musik öffnet Türen zu riesigen Klangwelten und verbindet sich mit klassischen Mythen – ganz wie Wagner, der seine Werke selbst schrieb, hat sie fast alle Texte und Libretti für ihre Chor-, Vokal- und Opernwerke eigenhändig verfasst. Mit ihrer kraftvollen, energiegeladenen Musik hat Holmès eindrucksvoll bewiesen, wie sie sich in einer Männerwelt durchsetzen konnte. Ihre Werke wurden von den Männern, mit denen sie im Wettbewerb stand, oft als „männlich“ und „viril“ bezeichnet – fast so, als hätten sie einen eigenen starken Charakter!
So ging sie durchs Leben, ohne sich von den starren Erwartungen der Gesellschaft oder zu Hause einengen zu lassen. Als einzige Erbin des väterlichen Vermögens brachte sie ihre Werke unter eigenem Namen heraus und hielt die offiziellen Rechte daran in ihren Händen. Sie lebte frei und offen als die Geliebte des berühmten Literaten Catulle Mendèz, doch die fünf Kinder, die sie mit ihm hatte, erkannte er öffentlich nicht an.
Augusta Holmes – La nuit et l’amour: Interlude de l’ode symphonique – Ludus pro Patria, sinfonische Dichtung
Image by Pete Linforth from Pixabay







