„Urlaub auf Balkonien“ – das ist der charmante Ausdruck für alle, die ihre Ferien lieber daheim verbringen, statt in die Ferne zu schweifen. Kaum eine Wohnung kommt ohne ihn aus. „Balkon“ – ein Wort, das im 18. Jahrhundert aus dem französischen „balcon“ ins Deutsche schlüpfte. Im Italienischen klingt es ähnlich: „balcone“. Und die Wurzeln? Die reichen zurück zu einem germanischen Urwort *balko, das im Althochdeutschen als „balko“ für „Balken“ stand.
Schon im 1. Jahrhundert zierten Balkone die Häuser Europas – Pompeji war da ganz vorne mit dabei! Die Bauweise breitete sich aus und erlebte im 17. und 18. Jahrhundert ihre glanzvolle Blütezeit. Im Klassizismus, der sich von den antiken Bauwerken inspirieren ließ, wurde er wieder seltener gesichtet.
Mitte des 19. Jahrhunderts wieder reichlich verwendet. Der italienische Baustil, liebevoll Italianate-Stil genannt, zeigt sich mit seinen flach geneigten Dächern, den charmanten Dachtraufen, die mit Konsolen hervorstehen, und den schlanken Fenstern mit eleganten Rundbögen – und natürlich den zierlichen französischen Balkonen, die ihm das gewisse Etwas verleihen. Inspiriert von italienischen Villen wurde er im 19. Jahrhundert in den USA populär.
Viele Aussichten – L‘Arbre Blanc
In Montpellier hat der Architekt Nicolas Laisné ein Haus kreiert, das wie ein Balkonparadies wirkt – denn ein Drittel der Wohnfläche besteht aus lauter Balkonen! Das Haus gleicht einem gigantischen Baum, aus dem die Balkone wie Blätter sprießen. Man nennt es auch den Weißen Baum – L‘Arbre Blanc.
In der ARD-Mediathek ist eine Dokumentation über den Architekten und sein ungewöhnliches Bauprojekt zu sehen. Das Wohnhochhaus besitzt 113 Wohnungen zuzüglich Kunstgalerie, Restaurant, Panoramabar und eine dreigeschossige Tiefgarage.
In der ARD-Mediathek ist eine spannende Dokumentation darüber zu finden.

Aus Balkonen kann man kleine blühende Paradiese schaffen, die eine eigene Atmosphäre erzeugen. Je grüner desto besser, bereits der Anblick grüner und bunter Pflanzen verbessert die Laune und mindert Stress.
Man(n) kann darauf jedoch auch sterben, wie der jüngst in die Kinos gekommene hervorragende Film Balconettes zeigt.
Der Balkon in der Literatur und Musik
„Romeo und Julia“ – Shakespeares Meisterwerk aus den Jahren 1594 bis 1596 – verzaubert vor allem mit der berühmten Balkonszene, die bis heute Herzen höherschlagen lässt. Romeo und Julia, das legendärste Liebespaar der Weltliteratur, gestehen sich ihre Liebe, während Julia auf dem Balkon steht und Romeo darunter – ein Moment voller Magie und Leidenschaft. In vielen Varianten ist diese Szene musikalisch, filmisch und literarisch verarbeitet worden. Auf der Bühne ist die Popularität des Werks seit seiner Entstehung ungebrochen.
Im Londoner Palladium Theater tanzt und singt „Evita“ – das Musical über die legendäre Eva Perón, die First Lady Argentiniens in den 40er und frühen 50er Jahren – noch bis Anfang September. Im zweiten Akt, gegen 21 Uhr, entfaltet sich an den Aufführungsabenden ein ganz besonderes Highlight. Plötzlich schwappt die Musik von Andrew Lloyd Webber aus dem Theater direkt in die enge Argyll Street in London – ein echter Hörgenuss mitten auf der Straße!
I Rachel Zegler, die Perón spielt, erscheint auf einem Balkon. Von dort aus schmettert sie „Don’t Cry For Me Argentina“, den berühmten Titelsong des Musicals, voller Gefühl. Die Aufführung wird direkt und live auf die Bühne übertragen – ein echtes Erlebnis für das Publikum!

Balkone für das Publikum
Königliche Herrscher genießen es, sich auf den Balkonen feiern zu lassen und ihr Volk herzlich zu begrüßen. Inmitten der Corona-Pandemie erlangte er eine ganz besondere Bedeutung. Über die Balkone hinweg tauschten die Menschen ihre Worte aus, und in den ersten Wochen des Lockdowns wurde das Klatschen zum Applaus für die heldenhaften Ärztinnen und das Pflegepersonal – ein Dankeschön für ihren unermüdlichen Einsatz.
Balkon als Schauplatz oder Thema steht oft in Verbindung mit Liebe und Liebeskummer
Die Klänge von „Parisian Balcony“ entführen dich in eine Welt voller entspannter, romantischer und eleganter Vibes – Jazz und Bossa Nova inklusive! Stell dir vor, du sitzt auf einem Pariser Balkon, die Stadt zu deinen Füßen, den Eiffelturm im Blick, während sanfte Lichter flimmern, eine leichte Brise deine Haare streichelt und eine wohltuende Ruhe dich umgibt – genau dieses Gefühl soll die Musik vermitteln.
Greyson Chances – The Balcony Song
Greyson Michael Chance, ein US-amerikanischer Sänger, katapultierte sich im April 2010 mit seiner mitreißenden Coverversion des Lady-Gaga-Hits „Paparazzi“ auf YouTube direkt ins Rampenlicht. Am 2. Im August 2011 ließ Chance die Welt mit seinem ersten Album „Hold On ’til the Night“ aufhorchen. Hier ein Musikvideo zum Thema Balkon.
Arny Margret – Balcony
Die isländische Musikerin Árný Margrét Sævarsdóttir startete ihre musikalische Reise am Klavier, doch bald zog es sie magisch zur Gitarre hinüber. Im Jahr 2020 verschlug es sie nach Dänemark, doch der Lockdown riss sie zurück in die vertrauten Gefilde ihrer Heimat. Ihr Song sprüht vor Poesie und wird mit einer fantastischen Stimme zum Leben erweckt.
Jenny Lewis – Balcony
Jenny Lewis, die talentierte Schauspielerin und Sängerin aus Los Angeles, verzaubert uns mit ihrem wundervollen Song „Balcony“ aus dem Album Joy’ All (2023). Die erfolgreiche Schauspielerin rockt als Lead-Sängerin, begleitet sich selbst auf der Gitarre und zaubert am Keyboard bei der Indie-Rock-Band Rilo Kiley.







