Arbenz X Wogram – CONVERSATION # 10: inland

Florian Arbenz ist ein Musiker, der sich beständig im kreativen Unruhezustand befindet. Stillstand ist dem umtriebigen Schweizer Schlagzeuger und Perkussionisten offenbar verhasst. Das zeigt sich auch an seinem ambitionierten Plan, zwölf Alben mit zwölf völlig unterschiedlichen Ensembles aufzunehmen. Der zehnte Teil seiner „Conversation“-Serie mit dem Titel INLAND ist am 8.9.23 bei Hammer Recordings erschienen.

Arbenz hat hierfür einige seiner Lieblingsmusiker der Schweizer Jazz-Szene ins Studio eingeladen. Mit dabei ist der gebürtige Braunschweiger Nils Wogram, dessen Posaunenspiel von europäischer Klassik, Pop- und Avantgarde-Elementen geprägt ist. Die vielfältigen Einflüsse des Trompeters Martial In-Albon reichen von der Schweizer Alpenmusik bis hin zu Heavy Metal. Auch der hoch angesehene irisch-schweizerische Gitarrist Christy Doran, dessen Kunst in der Tradition von John McLaughlin verwurzelt ist, sowie der in Australien aufgewachsene Bassist Raffael Jerjen sind mit von der Partie.  Auf einem Stück, dem „Moon Song“, ist zudem der Glasharfenspieler und Experte für zeitgenössische Klassik, Mathias Würsch zuhören.

Das Album umfasst sieben Stücke, die zum größten Teil Originalkompositionen von Arbenz, Wogram und dem kubanischen Saxofonisten Maikel Vistel darstellen. Beim Titel „Freedom Jazz Dance“ handelt es sich um eine 1965 geschriebene Funkjazz-Komposition des US-Tenorsaxofonisten Eddie Harris, die sich rasch zu einem beliebten Jazzstandard entwickelte. Arbenz‘ Version ist eine fast spröde Interpretation im Drum and Bass-Stil. InAlbon spricht hier mehr durch die Trompete, als dass er wirkliche Töne spielt.  

CONVERSATION # 10: INLAND fasziniert vor allem durch seine Vielfalt an Texturen. Da ist alles dabei, was guten modernen Jazz ausmacht. Von intimen Duo-Improvisationen bis hin zu kraftvollem Quintett-Swing und allem, was dazwischen liegt, zeigt das farbige Album die Bandbreite des Potenzials eines hochkarätigen Ensembles aus selbstbewussten und erfahrenen Improvisatoren.  „Jammin‘“ ist eine herrliche Funk-Jazz-Nummer des Duos Arbenz und Wogram. Arbenz‘ mitreißenden Drums und Dorans fulminante Gitarre treten in einen wunderbaren Dialog im Track „Connecting“, bei dem Wograms Einsatz erweiterter Posaunentechniken sowie die Dub-Delays und abgehackten Stottereffekte dem Song ein besonderes Flair verleihen. „Chant“ ist demgegenüber ein feines, meditatives Duo des Flügelhorns mit den Drums, wobei InAlbons Trompete weite melodiöse Bögen zeichnet. Der klanglich warme, vielschichtige „Moon Song“ ist wohl das üppigste Stück, das gleichzeitig das Fundament für Wograms prächtige Posaune legt.

Unter dem Strich besitzt das Album alle Zutaten, die es wohl für eine der ungewöhnlichsten Jazz-Produktionen des Jahres 2023 prädestinieren dürfte.

Als Vinyl, CD oder digital erhältlich

Standardbild
Hans Kaltwasser
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