Anne Paceo – S.H.A.M.A.N.E.S.

Die in der Elfenbeinküste aufgewachsene Musikerin Anne Paceo gehört zu den Jazz-Musikern, deren Karriere schnell in Gang kam. Bereits mit 19 stand sie als Schlagzeugerin mit renommierten Jazzgrößen auf den internationalen Bühnen, darunter Archie Shepp, Henri Texier, Rhoda Scott und Michel Legrand. Nach ihrem erfolgreichen Abschluss am Pariser Conservatoire National Supérieur de Musique in der Jazz-Abteilung folgten mehrere von der Fachkritik hochgelobte Alben und Auszeichnungen. Der begehrte Victoires de la Musique wurde ihr gleich dreimal verliehen. Zahlreiche Auftritte auf Jazzfestivals und 500 Konzerte auf der ganzen Welt haben sie zu einer international bekannten Künstlerin gemacht.

S.H.A.M.A.N.E.S. ist Anne Paceos siebtes Album. Hierfür hat sich die Musikerin hochkarätige Mitstreiter ins Studio geholt, mit denen ihr eine beeindruckende Klangskulptur gelingt, die mehrere eng miteinander verflochtene Elemente vereint. Im Vordergrund stehen dabei zunächst die drei Stimmen (Isabel Sörling, Marion Rampal, Anne Paceo), deren Tonlagen so nah beieinanderliegen, dass man manchmal Mühe hat, sie auseinanderzuhalten.  Gleich in den ersten Takten des Openers „Wide Awake“ entfalten sie einen hypnotischen Zauber, dem man sich nur schwer entziehen kann.

Hinzu kommen das dichte Rhythmusgeflecht, das das treibende Schlagzeugspiel Paceos, kraftvoll und präzise an den Sticks, virtuos an den Besen, im Verein mit Benjamin Flaments feinnerviger Perkussionsarbeit dazu zaubert, sowie die tranceartigen Klänge der Holzblasinstrumente. Schließlich sorgt Tony Paeleman an Fender Rhodes und Klavier für hochsolide Grundlagenarbeit.    

Gut die Hälfte der zwölf zyklisch aufgebauten Songs sind freier Gesang ohne Worte, Lieder in einer intuitiven Lautsprache, die direkt aus dem Körper aufsteigen, sich in immer neuen Ansätzen aufschwingen und über die sich Panzanis unison gespielte, hypnotische Saxofonläufe legen.

Die Musik des Albums klingt vielschichtig. Manchmal tönt es geheimnisvoll wie im Song „Drive Into The Unknown“, bisweilen andächtig wie in „Mirages“ oder auch magisch-beschwörend wie in „Travellers“, das zum Aufbruch in eine immaterielle Geisterwelt einlädt. An anderer Stelle wiederum tauchen wie im Song „Marche jusqu’à la nuit) versprengte neblige Synthie-Klänge auf, nur um gleich wieder zu verblassen und ein impressionistisches Klangbild zu suggerieren.

Das Album S.H.A.M.A.N.E.S. liefert, was der Titel verspricht: eine spannende, von schamanischer Musik inspirierte Melange, in der sich Jazz, Folk, Weltmusik und Global-Pop klangstark mischen. Exorzismus-Rituale aus Bali stehen neben hypnotischen Voodoo-Zeremonien aus Haiti, Wahrsagerliedern aus Sibrien und den ekstatischen Besessenheitsritualen des brasilianischen Trommeltanzes Candombe. Musik, die uns zum Tagträumen einlädt und die Seele baumeln lässt.

www.annapaceo.com

Standardbild
Hans Kaltwasser
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