Im Sommer 2003 liegt das Wattenmeer an der Nordseeküste vor Kristine, die sich auf den Weg gemacht hat, den Koog erneut zu besuchen, nachdem sie erst kürzlich mit ihrer betagten Oma hier war. Doch irgendetwas hatte Grete ihrer Enkelin bei diesem Besuch verschwiegen.
Das eingedeichte Land war für Grete vor mehr als sechzig Jahren Lebensgrundlage geworden, als sie mit ihrem Mann und ihren kleinen Zwillingen hierhergezogen war. Ein flaches Stück Marschland, das durch Deichbau dem Einfluss der Nordsee entzogen wurde, wollten sie landwirtschaftlich und mit vielen anderen als Siedlungsfläche nutzen.
Keine einfache Aufgabe, wie sich herausstellt, die auch durch den Besuch solcher Nazigrößen wie Hermann Göring nicht leichter wurde. Dem gefiel es, dass der Koog sogleich seinen Namen erhielt. Die Weite der Nordseeküste ist atemberaubend, aber das Wattenmeer hat seine Tücken, wenn man es nicht kennt. Grete und Johann sind unermüdlich und kämpfen gegen den schweren, salzigen Boden und die Sturmfluten an. Als sie endlich mit ihren Kindern in das fertige Haus ziehen können, wird es für sie leichter. Grete passt nur nicht, wie sich die Partei in ihr Leben einmischt.
Willi Mommsen, der Nazi-Ortsvorstehen, hat sie alle im Blick. Besonders Grete erfährt einige Male, wie er sich ihr absichtsvoll nähern will. Sie entkommt ihm jedoch jedes mal. Durch einen tragischen Unfall kommt ihr kleiner Sohn Hans zu Tode und die Zwillingsschwester wird schwer traumatisiert. Sie spricht nicht mehr und gerät ins Visier von Mommsen. Grete fürchtet, dass er sie in ein Heim unterbringen lassen will. Als ihr Mann Johann zum Kriegsdienst eingezogen wird, ist Grete voller Sorge, sie könne ihr Tochter nicht alleine schützen. Immer häufiger ist das Watt der einige Ort, wo sie sich sicher fühlt, an dem sie kurz ihr Angst los werden kann. Sie ahnt nicht, dass sie dort eine schwere Entscheidung treffen muss, die sie ein Leben lang belasten wird.
Nun ist Grete verstorben und ihre Enkelin Kristine auf der Suche nach deren Vergangenheit. Auch sie sucht am Meer nach Antworten.
AM RAND DER WELT erzählt von Frauen, die auch in schwierigen Zeiten mutig ihren eigenen Weg gehen, indem sie ihre Familie schützen und Verantwortung übernehmen. Ein sehr bewegender Roman, der zudem von einem wichtigen und schrecklichen Teil deutscher Zeitgeschichte erzählt.
Verlag: Pfaueninsel
ISBN 978-3-69131-021-4







