Alle unsere Leben

1979 – im Roman „Alle unsere Leben“ der Autorin Christine Dwyer Hickey kommt die 18-jährige Milly aus Südirland nach London, um ihrem Leben zu entfliehen und ein neues aufzubauen. Ein düsteres Jahr, denn der Nordinrlandkonflikt hat gerade mit einer Anzahl von Sprengstoffattentaten der IRA die Briten veranlasst, einen gnadenlosen Blick auf jeden und alles, was mit Irland zu tun hat zu werfen. Doch im Pub von Mrs. Oaks und ihrer Kollegin Trish wird Milly gut aufgenommen. Dass die Gäste sie dort zunächst Irin taufen, stört sie keineswegs.

Nur Pip, der junge Boxer, der direkt neben dem Pub im Boxclub trainiert, ärgert sich jedes Mal über den Namen, wenn er an der Bar sein Bier genießt. Auch er hat seine Wurzeln in Irland – und genau das verbindet die beiden auf besondere Weise. Von der Bar aus hat Milly ihn ständig im Blick, und auch sie spürt, wie Pip sie heimlich ansieht.

Als Mrs. Oaks Millys Schwangerschaft bemerkt, einer ihrer Gründe, um Irland zu verlassen, packt sie für Milly einen Koffer und schickt sie in ein von Nonnen geführtes Haus für ungewollt Schwangere fernab von London. Dort bekommt sie ihre Tochter, die sie gerne behalten hätte, doch mehr oder weniger gezwungen, gibt sie das Kind zur Adoption frei.

In der Zwischenzeit hat Pip seine Laufbahn als Boxer weiter verfolgt, die ihn nach Berlin und an andere Orte führte. Pip wollte eigentlich Trompeter werden, nicht etwa Boxer. Doch als seine Mutter starb, geriet alles durcheinander – sogar die Weihnachtsgeschenke für die beiden Söhne, die eigentlich ihren Weg in die verschiedenen Berufe ebnen sollten. Vielleicht steckt genau darin der Grund, warum Pip in seiner Karriere vom Glück verlassen bleibt, sein Bruder Dom dagegen ein gefeierter Musiker wird.

Immer wieder kreuzen sich die Wege von Milly und Pip, doch nie sprechen sie aus, wie viel sie sich wirklich bedeuten. Der Alkoholkonsum von Pip sowie seine wechselnden Beziehungen führen zu einer Entfremdung zwischen den beiden. Dennoch bleibt Milly für Pip im Pub stets erreichbar, bis sie selbst eine Beziehung eingeht.

Nach vierzig Jahren kreuzen sich Milly und Pips Wege erneut. Beide stehen an einem Wendepunkt, an dem sich alles ändern könnte – vielleicht gehen sie nun zusammen weiter und gestehen sich ihre Liebe, ohne Wenn und Aber….

Mit viel Herz und Menschlichkeit entführt uns Christine Dwyer Hickey in ihrem Roman „Alle unsere Leben“ in das Leben zweier Außenseiter mitten im pulsierenden London. Mit erzählerischer Kraft fängt sie die inneren Welten der Menschen in ihrem kleinen urbanen Kosmos ein und webt daraus einen packenden und großartigen Roman, der von Einsamkeit, Liebe und Menschlichkeit erzählt.

Alle unsere Leben
Autorin: Christine Dwyer Hickey

ISBN 978-3-293-00625-6
Verlag: C.H. Beck/Unionsverlag

Ingrid
Ingrid

Kunst und Kultur, Musik und Bücher, ohne sie ist ein Leben denkbar, aber für mich sinnlos. Darum habe ich diesen Blog ins Leben gerufen. Es macht viel Spaß, ihn zu gestalten - ich hoffe, den Usern, ihn zu lesen.
Nicht alles, was gedruckt wird, muss gelesen, nicht jedes Album gehört werden. Was die User hier finden, gefällt mir und den Gastautoren, die ab und zu Lust haben, etwas zu schreiben.

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