Ab heute im Kino – Nouvelle Vague

US-Regisseur Richard Linklaters NOUVELLE VAGUE zeigt die Entstehung von „Außer Atem“, einem Film von Jean-Luc Godard, der 1960 neu definierte, was Kino ist.

Der Film beginnt im Paris des Jahres 1959, wo der junge Jean-Luc Godard (Guillaume Marbeck) noch als Kritiker arbeitet und davon träumt, als Filmemacher ernst genommen zu werden. Er ist dreist, linkisch und gibt sich geradezu zwanghaft intellektuell. Bei den Filmfestspielen in Cannes sieht er „Sie küssten und sie schlugen ihn“, eine Arbeit seines Freundes François Truffaut und ist überwältigt.

Mehr denn je ist er jetzt entschlossen, einen bedeutenden Film zu machen, der die Grenzen des traditionellen Kinos sprengt. Truffaut überlässt ihm eine Skizze für ein Krimidrama, das später „Außer Atem“ werden wird und verhalf Godard damit zu seinem kommerziellen Erfolg. Sie basiert auf einer wahren tragischen Liebesgeschichte zwischen einem jungen Gangster, der einen Polizisten erschießt, und einer blonden Femme fatale, die die Liebe und Romantik genießt, solange sie kann – immer im Bewusstsein, dass die Tage eines Polizistenmörders gezählt sind.

Jean-Luc Godard (Guillaume Marbeck)

Mit einer minimalen Finanzierung durch den Produzenten Georges „Beau-Beau“ de Beauregard (Bruno Dreyfürst), dem ehemaligen Boxer Jean-Paul Belmondo (Aubrey Dullin) und einer zunächst skeptischen Jean Seberg (Zoey Deutch) in den Rollen der unglücklich Liebenden beginnen die auf 20 Tage angesetzten chaotischen Dreharbeiten zu „Außer Atem“, die schon bald aus dem Ruder zu laufen drohen.

Jean Seberg (Zoey Deutch) und Jean-Paul Belmondo (Aubrey Dullin)

Denn Godards Methoden erweisen sich als sehr unkonventionell. Das ohnehin dürftige Drehbuch wird ständig umgeschrieben. Die Schauspieler haben keinen festen Text. Godard ruft ihnen spontan zu, was sie sagen sollen, während die Kamera läuft, denn alles wird später im Studio synchronisiert. Zu Beau-Beaus Empörung arbeiten die Darsteller und die Crew in den ersten zwei Wochen acht halbe Tage, von denen einige nur zwei Stunden lang sind. Die hochtrabende Begründung des Regisseurs, es gehe darum, die Realität willkürlich einzufangen, irritiert den Geldgeber, der um seine Investition fürchtet.

: Nouvelle Vague © Jean Louis Fernandez

Dass Godard sich keinen Deut darum scherte, ist im Nachhinein betrachtet völlig in Ordnung. Denn „Außer Atem“ wurde zu einem bahnbrechenden Werk, das viele Regisseure beeinflusste und noch heute Maßstäbe setzt. Aber als die Kamera lief, war jeder Frame ein Glücksspiel.

Linklaters NOUVELLE VAGUE ist eine liebevolle, akribische Hommage an diese entscheidende Periode der Filmgeschichte, getragen von zwei starken Hauptdarstellern. Der Film nimmt seine Zuschauer gleichsam mit auf eine immersive Erlebnisreise. Er gibt ihnen das Gefühl, selbst dabei zu sein und nicht nur den Dreharbeiten zuzuschauen. Mit seinen mit Handkameras gedrehten Szenen, abgehacktem Schnitt und monochronen Farben erinnert der Film an das legendäre Original, was ihm die Textur einer echten Novelle-Vague-Arbeit verleiht.

Alle Fotos:: Nouvelle Vague © Jean Louis Fernandez

Hans Kaltwasser
Hans Kaltwasser
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