29. August 1966: Das letzte Konzert der Beatles

Das Wetter war mies, der Sound war schlecht. Das Programm war knapp. Heute vor 60 Jahren gaben die Beatles im Candle Stick Park in San Francisco ihr letztes offizielles Konzert. In den folgenden Jahren sollten sie sich bis zu ihrer Auflösung im Jahre 1970 auf die Arbeit im Studio konzentrieren. Heraus gekommen sind dabei legendäre Alben wie „Sgt. Pepper‘s Lonely Hearts Club Band“, „The Beatles“ und „Abbey Road“. Jedem Abschied wohnt ein Neuanfang inne.

Eigentlich hatte der US-Veranstalter die Band für zwei Auftritte im Cow Palace vorgesehen. Doch den Beatles oder ihrem Manager war die schlichte Mehrzweckhalle, wo die Band gut zwei Jahr zuvor ihre USA-Tournee begonnen hatte, zu klein. Zum Abschluss ihrer Welttournee wollten sie vielleicht noch einmal groß auftrumpfen. Offenbar glaubte man, mit dem „Candlestick“, einem riesigen Baseball Stadion mit 44.000 Plätzen, den Nimbus des Konzertes im New Yorker Shea Stadium vom August 1965 wiederholen zu können, als sie mit dem Hubschrauber in ein vollbesetztes Stadion flogen und dabei die Orden trugen, die ihnen die englische Königin verliehen hatte.

Doch es kam anders. Das Konzert verkaufte sich nicht wie erwartet, so dass das riesige Stadion nur halbvoll war. Grund hierfür war die dilettantische Planung des Veranstalters, die den Auftritt auf einen Montagabend angesetzt hatte, an dem Konzerte nur selten stattfanden, um den Spielplan der San Franciso Giants nicht durcheinanderzubringen. Zudem hatte wenige Monate zuvor John Lennon mit seiner provokanten Bemerkung, die Beatles seien inzwischen größer als Jesus für Empörung und Aufruhr vor allem im Süden der USA gesorgt, was den Ticketverkauf behindert haben dürfte.

Die Beatles spielten an diesem Abend auf einer knapp 2 Meter hohen gezimmerten Bühne, die von einer doppelten Reihe aus Metallzäumen umgeben war, was einem Käfig glich. Die 30-minütige Setlist umfasste mit einer Ausnahme die Songs, die die Band auf der gesamten Tout gespielt hatte, darunter Hits wie „She’s A Woman“, „If I Needed Someone“, „Nowhere Man“ und „I feel Fine“.

Dass das Candlestick Park ihr letztes offizielles Konzert sein würde, haben wohl alle vier geahnt. Bekanntgegeben wurde es erst einige Tage später.

Im Nachhinein scheint diese Entscheidung verständlich und folgerichtig. Zwei Monate vor ihrer Tour hatten die Beatles die Aufnahmen zu ihrem Album „Revolver“ abgeschlossen, einer glanzvollen Sammlung feiner Pop-Juwelen, die zu dem Besten gehört, was die Band gemacht hat. Keinen einzigen Titel daraus sollten sie auf ihrer Tour spielen. Das lag daran, dass sich keiner der Songs für eine Live-Darbietung eignete, weil die technischen Möglichkeiten schlicht dafür nicht zur Verfügung standen, etwas so Komplexes wie „Eleanor Rigby“ oder gar „Tomorrow Never Knows“ zu spielen. Drei Jahre nach ihrem ersten Nummer 1 Hit und dem berauschenden Wahnsinn der Beatlemania hatte die Band mittlerweile das Studio als eigenständige kreative Plattform entdeckt. Hier konnten sie mit verschiedenen Klängen experimentieren und Dinge tun, die noch niemand jemals zuvor gehört hatte. Das begeisterte die vier auf eine Weise, wie es Live-Autritte nicht mehr taten.

Im Candlestick Park beendeten die Beatles ihren Auftritt mit „Long Tall Sally“ von ihrem Idol Little Richard. Nachdem sie sich artig verbeugt hatten, wurden sie in einen gepanzerten Lastwagen gedrängt und zum Flughafen gefahren. George Harrison soll gesagt haben: „Das war‘s. Jetzt bin ich kein Beatle mehr.“ Bald sollte eine neue Phase beginnen. Nach einer Weile trafen sich die Beatles im November wieder im Abbey-Road-Studio, um einen neuen Song von John Lennon aufzunehmen, der den Titel „Strawberry Fields Forever“ tragen sollte.

Foto: Image by Maxpinsoo from Pixabay

Hans Kaltwasser
Hans Kaltwasser
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