24 Wochen – Filmtipp

Astrid und Markus stehen mit beiden Beinen fest im Leben. Astrid lebt und liebt ihren Beruf als Kabarettistin, ihr Mann und  Manager Markus unterstützt sie besonnen und liebevoll.

Astrid (Julia Jentsch) und ihr Mann Markus (Bjarne Mädel) stehen mit beiden Beinen fest im Leben und freuen sich auf ihr zweites Kind. © Neue Visionen Filmverleih
Astrid (Julia Jentsch) und ihr Mann Markus (Bjarne Mädel) stehen mit beiden Beinen fest im Leben und freuen sich auf ihr zweites Kind. © Neue Visionen Filmverleih

Sie erwarten ihr zweites Kind und freuen sich sehr darauf. Doch bei einer Routineuntersuchung erfahren sie, dass das Baby schwer krank ist. Die Diagnose trifft sie so unverhofft und sehr schwer, doch sie wollen gemeinsam lernen, damit umzugehen. Viele Beziehungen scheitern jedoch, auch diese stößt bald an ihre Grenzen. Die Suche nach der richtigen Antwort stellt alles in Frage: die Beziehung, den Wunsch nach einem Kind, ein Leben nach Plan. Je mehr Zeit vergeht, desto klarer erkennen sie, dass nichts und niemand ihnen die Entscheidung abnehmen kann, die eine Entscheidung über Tod und Leben ist.

Auf der Bühne sagt sie immer, man muss zu seiner Haltung stehen: die erfolgreiche Kabarettistin Astrid (Julia Jentsch) ringt mit ihrem Gewissen. © Neue Visionen Filmverleih
Auf der Bühne sagt sie immer, man muss zu seiner Haltung stehen: die erfolgreiche Kabarettistin Astrid (Julia Jentsch) ringt mit ihrem Gewissen. © Neue Visionen Filmverleih

Julia Jentsch spielt die schlagfertige Kabarettistin Astrid mit intensiver Präsenz. Bjarne Mädel ist der Mann an ihrer Seite, mit großer Zerbrechlichkeit, die hinter seinem Optimismus sichtbar wird.

Eine harte Belastungsprobe für ihre Beziehung: Astrid (Julia Jentsch) und Markus (Bjarne Mädel) kämpfen um eine gemeinsame Entscheidung. © Neue Visionen Filmverleih
Eine harte Belastungsprobe für ihre Beziehung: Astrid (Julia Jentsch) und Markus (Bjarne Mädel) kämpfen um eine gemeinsame Entscheidung. © Neue Visionen Filmverleih

Auf sich allein gestellt, ringen Astrid und Markus um die richtige Entscheidung. Aber welche ist die richtige? Regisseurin Anne Zohra Berrached und Autor Carl Gerber haben ihr Drehbuch nach gründlicher Recherche entwickelt.

24 WOCHEN ist ein Film, der zum Nachdenken auffordert, denn der Film erzählt davon, wie sich Argumente, Gründe und Beweggründe im Spannungsfeld zwischen Selbstbestimmung, Wissenschaft und Recht gegenseitig blockieren – ist unter diesen Voraussetzungen eine freie Entscheidung möglich? Ein wichtiger Film, berührend und sensibel inszeniert von der Regisseurin Anne Zohra Berrached !

Ab heute im Kino

Hintergrundinformationen

Ein Schwangerschaftsabbruch ist in Deutschland grundsätzlich rechtswidrig, bleibt aber unter bestimmten Voraussetzungen straffrei (§ 218a Abs. 1, § 219 StGB). Folgt die Frau der sogenannten Beratungsregelung, ist es möglich, die Schwangerschaft innerhalb von zwölf Wochen nach der Empfängnis abzubrechen. Auch bei einer kriminologischen Indikation ist der Schwangerschaftsabbruch bis zwölf Wochen nach der Empfängnis nicht rechtswidrig. Eine Abtreibung nach der 12. Schwangerschaftswoche ist nur dann legal, sofern eine medizinische Indikation vorliegt. Unter dieser Voraussetzung ist ein Abbruch der Schwangerschaft bis zur Geburt möglich.

Eine medizinische Indikation ist dann gegeben, wenn ebensgefahr oder die Gefahr einer schwerwiegenden Beeinträchtigung des körperlichen und seelischen Gesundheitszustands der Schwangeren besteht (§ 218a Abs. 2 StGB). Es gilt die Annahme, dass Fehlbildungen beim Ungeborenen möglicherweise derartige Auswirkungen auf das Leben der werdenden Mutter haben.In solchen Fällen ist daher ein legaler Abbruch der Schwangerschaft möglich. Im Gesetz wird dabei stets nur „die Schwangere“ rwähnt, sie trägt das Kind aus und nur sie kann entscheiden. Von einer Spätabtreibung spricht man in der Regel bei einem Abbruch der Schwangerschaft nach der 22. Woche.Die Zahl der Spätabtreibungen in Deutschland nimmt jährlich zu (zwischen 2007 und 2014 gab es eine Steigerung um 255 Prozent, Quelle: Statistisches Bundesamt). Dies hängt unter anderem mit dem wissenschaftlichen Fortschritt zusammen: Immer neue Diagnoseverfahren vermitteln den Eltern scheinbare Sicherheit. Invasive Methoden wie die Fruchtwasseruntersuchung werden zunehmend durch weniger risikoreiche Tests wie das Erst-Trimester-Screening (eine Ultraschalluntersuchung) oder den Harmony-Bluttest abgelöst (Quelle: Die Welt). Doch was passiert, wenn der Fall eintritt, den sich niemand wünscht? Zahlreiche Fehlbildungen kann man inzwischen diagnostizieren: Trisomie 21 (Down-Syndrom) und Spina Bifida (offener Rücken) gehören zu den bekanntesten. Einiges ist heutzutage therapierbar, doch die meisten Diagnosen bleiben endgültig. Schnell sind die Eltern mit Zahlen, Fakten, Wahrscheinlichkeiten und Möglichkeiten konfrontiert. Und sicher ist nur eins: Der nun folgende Weg wird beanspruchend und belastend sein – egal wie die Entscheidung ausfällt.

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Ingrid
Kunst und Kultur, Musik und Bücher, ohne sie ist ein Leben denkbar, aber für mich sinnlos. Darum habe ich diesen Blog ins Leben gerufen. Es macht viel Spaß, ihn zu gestalten - ich hoffe, den Usern, ihn zu lesen. Nicht alles, was gedruckt wird, muss gelesen, nicht jedes Album gehört werden. Was die User hier finden, gefällt mir und den Gastautoren, die ab und zu Lust haben, etwas zu schreiben.
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