Heute vor 125 Jahren erschien Thomas Manns Roman BUDDENBROOKs: Verfall einer Familie. Der Klassiker der modernen Literatur erzählt die Geschichte von vier Generationen einer wohlhabenden Kaufmannsfamilie in Lübeck, die mit dem Aufkommen der Moderne konfrontiert ist. In einer unsicheren neuen Welt beginnen die Familienbande und Traditionen zu zerfallen. Während Mann den Niedergang der Buddenbrooks vom Wohlstand zum Bankrott, von moralischer und psychischer Gesundheit zu kränklicher Frömmigkeit, künstlerischer Dekadenz und Wahnsinn nachzeichnet, entführt er den Leser in eine Welt atemberaubender Vitalität, die sich aus Geburten und Beerdigungen, Hochzeiten und Scheidungen, Rezepten, Klatsch und bodenständigen Humor zusammensetzt.
Die BUDDENBROOKS ist Manns erstes umfangreiches Werk. Er will einen Roman schreiben, der starke biographische Züge trägt und die großbürgerliche Lebenswelt seiner Heimatstadt porträtiert. Die Vorarbeiten erforderten intensive, umfassende Recherchen bei Angehörigen und Freunden, die ihm Briefe, Urkunden, Lebensläufe, Unterlagen über geschäftliche und wirtschaftliche Verhältnisse, selbst alte Familienrezepte zur Verfügung stellen. Zusätzlich verwendet Mann Aufzeichnungen über Lübecker Salongespräche.
Manns Verleger Samuel Fischer ist zunächst nicht begeistert, als er das Manuskript des 25jährigen Autors liest, den er zu diesem Roman selbst ermuntert hat. Zu voluminös, befindet er und fordert Mann auf, den Roman zu kürzen. Doch Mann weigert sich und so bringt Fischer am 26.2.1901 den Roman in zwei Bänden in seinem Verlag für 12 Mark heraus.
Bei seinem Erscheinen ruft das Werk vor allem beim bürgerlichen Lesepublikum in Lübeck Empörung hervor, weil die Erzählung manchen Charakteren und Umständen seiner Heimatstadt wohl allzu sehr ähnelte. Manchen galt Mann sogar als Nestbeschmutzer.
Thomas Mann selbst hatte keine großen Erwartungen hinsichtlich des kommerziellen Erfolges oder der öffentlichen Anerkennung für ein Thema, das reichlich unmodern schien. Aber innerhalb eines Jahres nach seiner Veröffentlichung, nachdem es in einer günstigeren einbändigen Ausgabe neu aufgelegt worden war, erzielte der Roman einen enormen Erfolg – zunächst auf Deutsch und dann nach und nach in den mehr als 30 Sprachen, in die er übersetzt wurde. Tatsächlich war das, was Mann ironisch als „nordisches Vergnügen” an Familiensagas bezeichnete, maßgeblich für den Nobelpreis verantwortlich, den er 1929 erhielt.
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