Westermann & Fräulein Gabriele – Katharina Münk

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Sind wir im Grunde unseres Herzens, trotz digitalem Gebrauch diverser Devices und allumfassender Vernetzung analog ausgerichtet? Richard Westermann, Vorstand bei IBT, einem führenden Unternehmen in der IT-Branche, ist ein ganz besonderer Mensch. Um dem alltäglichen Stress zu entfliehen, besucht er häufig Beerdigungen und findet dort Entspannung, wo Menschen zur letzten Ruhe gebettet werden. Selbst sein Tinnitus hört in diesen Momenten auf, Richard zu quälen. Und dann passiert es! Während eines seiner letzten Besuche, diesmal ist er offiziell eingeladen, sieht er sie: Auf dem Sarg des berühmten Schriftsteller Höfer thront eine Olympia Schreibmaschine. Er kann es kaum fassen und nähert sich behutsam diesem Objekt, dessen Tasten so lange den Fingern des Schriftstellers gehorchten. Westermann ist von einem plötzlichen Taumel erfasst und der Gewissheit, dass er diese Schreibmaschine besitzen muss.
Als Vorstand des großen Unternehmens ist er in seiner Abteilung mit der Implementierung einer Krypto-Box beschäftigt, die kurz vor der Fertigstellung steht. Eine Neuerung, von der sich IBT große Erfolge auf dem internationalen Markt erhofft, denn Datensicherheit steht als Problem auf dem ersten Paltz  der Agenda eines jeden IT-Unternehmens.
Schon wenige Tage nach diesem einschneidenden Erlebnis auf der Beerdigung kommt Westermann mit einer Schreibmaschine ins Büro – doch nicht die Olympia, sondern Gabriele verbirgt sich in dem Koffer, der weit entfernt davon ist, ein Leichtgewicht zu sein. Schwer hängt Gabriele an Westermanns Hand und verlangsamt seine sonst so schwungvollen Schritte, als er die Treppen zu seinem Büro nimmt. Keine Frage, Gabriele auf seinem Schreibtisch wird Aufsehen erregen. Doch sein Traum, bald Höfers Olympia zu besitzen, ist noch nicht ausgeträumt. Zudem erscheint für Westermann plötzlich der einzige Weg zur Datensicherheit, die schnittstellenlose Schreibmaschine zu sein Doch zuvor muss er um sein Image fürchten, verdauen, dass eine Lücke im System einen Virus in die Krypto-Box eingeschleust hat , seine 82-jährige Mutter auch im Internetz! ist und ihn mit e-mehls! bombadiert, so dass sich sein Smartphone nur so biegt.

Ob die Olympia wirklich in den Besitz des Vorstandsmitglieds Westermann gerät und wie sich sein berufliches Leben mit der schnittstellenlosen Schreibmaschine weiterhin gestaltet, ist in dem furchtbar humorigen und urkomischen Buch nachzulesen, das die Autorin Katharina Münk geschrieben hat, die ihren scharfsinnigen Humor auch in ihrem fünften Buch nicht vermissen lässt, eher im Gegenteil. Deswegen noch ein Tipp, wer zu den zurückhaltenden Menschen gehört, die kein Aufsehen erregen möchten, sollte das Buch nicht in öffentlichen Verkehrsmitteln lesen, denn plötzliche Lachsalven sind nicht ausgeschlossen.

Katharina Münk
Westermann und Fräulein Gabriele

dtv premium
Originalausgabe
352 Seiten
ISBN 978-3-423-26082-4

Katharina Münk ist neben ihrer Autorentätigkeit Personal Coach für Fach- und Führungskräfte und lebt mit ihrem Mann in Hamburg. Ihr erster Roman ›Die Insassen‹ (2009) wurde ein Bestseller. Ihr Name ist ein Pseudonym.

 

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